Notizen aus … (6/2020)

 

… aus der Dreistadt

Drehsteg Im Flussbett der Mottlau ist eine drehbare Fußgängerbrücke entstanden, die die Heilig-Geist-Gasse (ul. Świętego Ducha) mit der Speicherinsel verbindet. Der Steg, der sich auf einem 100 t schweren Sockel befindet, ist 57 m lang und 4,5 m breit. Sein Erscheinungsbild erinnert an ein aus dem Wasser auftauchendes Unterseeboot. Die Überquerung ist – anders als bei der Klappbrücke zum Bleihof – nach einem festgelegten Zeitplan im Halb-Stunden-Takt möglich und wird über das Hafenamt der Danziger Marina geregelt, das für das notwendige Bedienungspersonal sorgt. Der Steg, der seit dem 3. September in Betrieb ist, verdankt sich einem Joint Venture von öffentlichen und privaten Partnern, die auch die weitere Betreuung der Brücke übernehmen.Anna Labudda

 

Die  „zweite  Welle“ Am 15.  Oktober wurden Danzig und Gdingen sowie mehrere weitere Kreise der Woiwodschaft Pomorze von der polnischen Regierung zur „roten Zonen“ erklärt. Für Zoppot galt dies schon seit dem 3. Oktober. Die Entscheidung wurde durch das drastische Anwachsen von SARS-CoV-2-Infektionen erzwungen: vom 2. bis zum 15. Oktober hatten sich weitere 824 Personen in Danzig angesteckt, und in Zoppot und Gdingen kamen 393 bzw. 87 Ansteckungsfälle hinzu. Die Zugehörigkeit zu einer „roten Zone“ führt zu einer Reihe von Einschränkungen wie zur Begrenzung der Zahl von Fahrgästen in öffentlichen Verkehrsmitteln, von Kunden in den Geschäften, von Gläubigen während eines Gottesdienstes oder von Teilnehmern an einer Kulturveranstaltung. Verboten sind nun Hochzeitsfeiern und Totenmähler, während alle öffentlichen Versammlungen auf bis zu zehn Teilnehmer beschränkt bleiben. Abgesagt wurden bereits mehrere Massenveranstaltungen wie die öffentlichen Silvesterfeiern in Danzig und Gdingen; die Danziger Buchmesse wurde auf den Juni 2021 verschoben, und höchst wahrscheinlich kann in diesem Jahr auch der Danziger Adventsmarkt nicht stattfinden. Ihre Pforten schlossen für Besucher schon das Museum von Zoppot (am 3. Oktober) sowie seit dem 19. Oktober fast alle Niederlassungen des Nationalen Maritimen Museums, mit der Filiale in Bodenwinkel als einziger Ausnahme. – Eine große Herausforderung bilden in dieser Lage die Festlichkeiten, die mit dem Allerheiligen- und Allerseelentag verbunden sind; denn an diesen Feiertagen besuchen alle Polen traditionsgemäß die Gräber ihrer Verwandten und unternehmen zu diesem Zwecke sogar weite Reisen. In diesem Zusammenhang erteilte der Elbinger Bischof Jacek Jezierski, der nach der Pensionierung von Sławoj Leszek Głódź zum Apostolischen Administrator des Bistums Danzig ernannt wurde, allen Älteren und Kranken sowie deren Pflegern und allen Mitarbeitern des Gesundheitswesens eine Dispens vom Sonntagsgottesdienst.

 

Animation Am 16. Oktober hatte ein Zeichentrickfilm über Daniel Chodowiecki seine Uraufführung. Die Regie führte Jakub Pączek; und von ihm stammt auch das Drehbuch. Dieser Kurzfilm bietet eine geistvoll-witzige und kreative Erzählung, in der der Danziger Zeichner als Ich-Erzähler – mit der Stimme des Schauspielers Mirosław Haniszewski – seine abwechslungsreiche Lebensgeschichte vor dem Hintergrund der Ereignisse im Zeitalter der europäischen Aufklärung schildert. Bei allen Szenen wurden Zeichnungen von Chodowiecki und anderen Künstlern, die ihn darstellten oder sich von ihm inspirieren ließen, als quasi vorfindliches Film-Material (im Sinne von „stock footage“) eingesetzt, wobei die Filmemacher auf eine große Privatsammlung des Nachlasses von Chodowiecki in Krakau zurückzugreifen vermochten. Im Nachspann erfahren die Zuschauer übrigens, dass Chodowieckis Werke auch Stanley Kubrick bei seiner Arbeit an Barry Lyndon Anregungen geboten haben. Der fünf Minuten lange Film Chodowiecki kann auf YouTube auch mit englischen Untertiteln angeschaut werden: youtube.com/watch?v=PEZ6NZ5kick.

 Peter Neumann

 

 

… Elbing

 

„Gelbe Zone“ Die Corona-Situation ist im Vergleich mit anderen Städten und Regionen noch überschaubar. Die Gesundheitsbehörde teilte am 17. Oktober mit, dass sich 143 Menschen in der Stadt sowie 44 weitere im Kreis mit Covid 19 infiziert hätten und davon fünf im Krankenhaus behandelt werden müssten. 778 Personen in Elbing – sowie 156 innerhalb des Kreises – waren unter häusliche Quarantäne gestellt worden, und davon waren inzwischen 99 Personen (65 bzw. 34 im Kreis) bereits mit negativem Ergebnis getestet worden. Als Herde der aktuellen Infektionen erwiesen sich Grundschulen, das Woiwodschaftskrankenhaus, die Möbelfabrik Wójcik sowie das Priesterseminar. Dort allein erkrankten insgesamt 35 Studierende, Lehrende und Mitarbeiter. – Aufgrund der bisherigen Entwicklung des Infektionsgeschehens bilden Stadt und Kreis jetzt eine sogenannte „gelbe Zone“. Das bedeutet, dass ausnahmslos Mund-Nasen-Bedeckungen getragen werden müssen, Fitnessstudios geschlossen bleiben und für die Zahlen der Besucher von Geschäften, Kirchen oder Konzerten sowie der Gäste von Hochzeiten und anderen Festen strengere Begrenzungen gelten.

 

Zukünftiger Busbetrieb Der Busbetrieb im ÖPNV wird bislang teils von städtischen, teils von privaten Unternehmen getragen. Für die Jahre 2021 bis 2027 hat der Magistrat jetzt eine Neuausschreibung veranstaltet und dabei zwei Pakete geschnürt. Das eine Paket besteht aus einer Verkehrsleistung von 7 Mio. Wagenkilometern mit 19 Bussen à 87 Fahrgästen; das andere sieht 8,4 Mio. Fahrzeugkilometer sowie 23 Busse mit jeweils 60 Passagieren vor. Den Zuschlag für dieses zweite Paket erhielt ein Konsortium aus zwei Staatlichen Busgesellschaften aus Gostynin bzw. Grodzisk Mazowiecki, zwei Städten in der Woiwodschaft Masowien, beim Betrag von 62,7 Mio. Złoty. Bei der anderen, ersten Tranche war zunächst das Gebot der Staatlichen Elbinger Busgesellschaft zum Zuge gekommen, war dann aber aufgrund von Protesten anderer Bewerber aus dem Verfahren ausgeschlossen worden, weil es sich bei der Summe von 44,3 Mio. Złoty offensichtlich um einen wettbewerbsverzerrenden Dumpingpreis handelte.

 

Tod  eines  berühmten  Künstlers Am 12. Oktober 2020 ist Janusz Hankowski im Alter von 87 Jahren verstorben. Der vielseitige Künstler, dessen Werke auch in Deutschland Beachtung fanden, war seit Beginn der 1960er Jahr in Elbing tätig und gab der urbanen Kultur wesentliche Impulse. Gemeinsam mit seinem langjährigen Freund Gerhard Jürgen Blum-Kwiatkowski hatte er in der Industriestadt Elbing schon 1961 den Mut, der modernen Kunst einen Ort zu schaffen. Auch der Name der bis heute höchst erfolgreich arbeitenden Galeria EL geht auf Hankowski zurück. Unübersehbare Spuren seines Wirkens haben im Stadtbild zudem die vielen Plastiken hinterlassen, die im Rahmen der von ihm initiierten „Biennale der Raumformen“ über lange Zeit entstanden sind.

 

Hydropress“  expandiert Innerhalb des neuen Industriegebiets, das in Elbing-Modrzewina (dem früheren Lärchwalde) entsteht, wurde jetzt an der Sulima-Straße mit dem Bau eines neuen Produktions-und Logistikzentrums begonnen. In der Halle, die eine Fläche von 7.000 m2 umfasst, wird das Unternehmen Hydropress hydraulische Getriebe fertigen und für den Vertrieb magazinieren. Die Kosten werden auf mindestens 10 Mio. Złoty veranschlagt.

 

Elbinger Kanal ohne Wasser Der Oberländische Kanal ist bis heute eine große Sehenswürdigkeit, und zwar nicht nur in der Sommersaison; denn im Herbst wird zwischen den fünf geneigten Ebenen das Wasser abgelassen, damit dort notwendige Reparaturen durchgeführt werden können. Das dadurch entstehende ungewohnte Bild ist auch für Touristen sehr attraktiv. Am Samstag, dem 17. Oktober, wurde die wasserlose Phase mit dem „Tag des trockengelegten Kanals“ eröffnet. Von dieser Bezeichnung sollte man sich jedoch nicht in die Irre führen lassen: Die Nutzung von Gummistiefeln ist für Besichtigungen dringend angeraten.

Bartosz Skop

 

 

… Marienburg

 

Kontaktaufnahme Am Samstag, dem 17. Oktober, traf im Jerusalem-Hospital eine Besuchergruppe aus Ansbach und Umgebung mit Vertretern des Fördervereins und dem Bürgermeister von Malbork, Marek Charzewski, zusammen. Es war der erste, noch inoffizielle Besuch einer Delegation dieser Stadt, die unter der Leitung von Dr. Jürgen Danowski stand. Das 50 km von Nürnberg entfernt liegende Ansbach ist Sitz der Regierung und der Verwaltung des Bezirks Mittelfranken, der Partnerschaften mit der Woiwodschaft Pomorze sowie mit der französischen Region Nouvelle-­Aquitaine unterhält. Zudem verfügt die Stadt über eine eigene Universität, und in ihrer reichen Geschichte hat sie – nicht zuletzt über Herzog Albrecht von Brandenburg-Ansbach, dem letzten Hochmeister des Deutschen Ordens in Preußen – enge historische Verbindungen mit dem Land an der unteren Weichsel. Dr. Danowski leitet ein Anwaltsbüro in Ansbach und ist dort für kulturelle Kontakte mit anderen europäischen Städten verantwortlich. Bislang bestehen schon fünf Partnerschaften zwischen Orten in Bayern und solchen in der Woiwodschaft Pomorze. – Die Vertreter der Stadt Ansbach überbrachten Bürgermeister Marek Charzewski Grüße und Geschenke ihres Bürgermeisters Deffner, verbunden mit dem Wunsch, dass kulturelle und wirtschaftliche Kontakte die beiden Städte in Zukunft näher zueinander bringen können. Nachdem die Delegation sich bei Kaffee und Kuchen unterhalten und das Jerusalem-Hospital besichtigt hatte, besuchte sie mit dem Burgführer Adam Chęć das Schloss und brach dann nach Frauenburg auf. Alle Teilnehmer äußerten den Wunsch, schon im nächsten Jahr wiederzukommen und die Zusammenarbeit möglichst weiterzuentwickeln.

 

Modell-Schloss-Baumeister Seit eineinhalb Jahren ist der Platz an der Einmündung der Nicolaus-Fellenstein-Straße (Sierakowski-) in die Große Geistlichkeit (Piłsudski-Straße) leer. Bis dahin hatte sich hier, in unmittelbarer Nähe zur Burg, über zehn Jahre ein Modell des Schlosses befunden, das allerdings häufig durch Vandalismus – zuweilen auch versehentlich von Touristen – beschädigt wurde, so dass sich die Stadtverwaltung entschied, keine weiteren Mittel mehr für die ständigen Reparaturen ausgeben zu wollen. Deshalb wurde die Miniatur im Februar 2019 unter Protest etlicher Bürger abgebaut. Wenig später ergriffen einzelne Unternehmer und der beim Bürgermeister der Stadt angesiedelte Wirtschaftsrat die Initiative und fassten den Entschluss zum Wiederaufbau des Mini-Schlosses im Maßstab 1 : 30. Das Projekt wurde mit dem Schlossmuseum abgestimmt, und es wurde beim Bezirksamt sogar die erforderliche Baugenehmigung beantragt. Daraufhin entstanden die Fundamente sowie der Bürgersteig, der die Fläche umschließt. Die Hoffnung, dass die Einrichtung noch 2019 abgeschlossen werden könnte, erwies sich freilich als trügerisch. Desgleichen wurden verschiedene Termine, die für 2020 angekündigt worden waren, inzwischen wieder abgesagt. Jüngst gab nun Jarosław Filipczak, der Präsident des Wirtschaftsrats, bekannt, dass die Miniatur im Frühjahr 2021 eingeweiht werden soll. 

  Als Baumeister der Miniatur-Burg hat sich der Künstler Piotr Banasik gewinnen lassen. Er wurde in Elbing geboren und wuchs in Königsdorf und Marienburg auf. Hierher kehrte er nach seinem Studium in Warschau zurück und ist der Öffentlichkeit im Laufe der Jahre durch mehrere Arbeiten bekannt geworden. Er entwarf beispielsweise eine Gedenkmedaille, die eine Delegation von polnischen Universitätsrektoren Papst Johannes Paul II. überbrachte, oder schuf Gemälde, auf denen er nach vorliegenden Bildquellen die berühmten Schauspieler Władysław Hańcza (1905–1977) und Zby­szek Cybulski (1927–1967) darstellte. In ähnlicher Weise malte er auf Wunsch des polnischen Botschafters in Dänemark ein Porträt von Königin Margrethe II., das er ohne eine persönliche Begegnung allein aufgrund fotografischer Abbildungen fertigte.

  Der Blick auf die Aufgabe, die bei der Neuerrichtung des Miniatur-Schlosses zu bewältigen ist, zeigt rasch, dass die früheren kurzfristigen Termin-Prognosen unrealistisch waren. Jedes einzelne Element muss sorgfältig modelliert, als Form aus Silikon fixiert und dann aus Beton gegossen werden. Hinzu kommen Ziegel und Bauelemente aus Holz, Stein, Stahl und Bronze. Darüber hinaus müssen Details wie Fugen-Verläufe oder leicht konkave Wandflächen gestaltet werden; die Tore sollen natürlich nicht nur aus Holz gefertigt, sondern zudem beweglich sein; und die unterschiedlichen Maßwerke, die die Fenster des Hochmeisterpalastes aufweisen, werden getreulich imitiert. Schließlich soll das Modell auch noch möglichst präzise dem historischen Zustand entsprechen, den Conrad Steinbrecht (1849–1923), der „Retter der Marienburg”, geschaffen hatte. 

  Nun aber scheint für Piotr Banasik die Zeit für eine seriöse Prognose des Projekt-Abschlusses gekommen zu sein: Er rechnet damit, dass das Schloss-Modell im nächsten Frühjahr fertig aufgestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann, und weist ergänzend darauf hin, dass er die vielen Monate, die er bislang für diese Arbeiten investieren musste, nicht bedauert und diese Aufgabe in Kenntnis der Konsequenzen sogar ein zweites Mal übernehmen würde. – In jedem Falle haben die Bürger der Stadt nun einen neuen Zielpunkt, auf den hin sie ihre gespannten Erwartungen richten können.

Marek Dziedzic

 

 

… Kujawien-Pommern

 

Stadtbild mit Wolkenkratzern? Die Thorner Ratsherren haben einen Entwicklungsplan für das Stadtviertel Winnica (Weinberg) angenommen. Es geht dabei um das östlich der neuen General-Elżbieta-Zawacka-Brücke an der Weichsel gelegene Terrain. Vier Hektar der insgesamt 45 ha großen Fläche sollen für Wohnhäuser verplant werden, 30 für Grünanlagen und drei für Dienstleistungen. Zwei Thorner Architektinnen vom Büro A-Symetria, Agata Kołodzińska und Anna Trzeciak, haben bereits zwei Hochhäuser entworfen. Die Gebäude wären mit 32 Stockwerken 150 m bzw. mit 27 Stockwerken 130 m hoch. Die Nutzfläche der beiden Häuser würde 36.000 m² betragen. Dieser Entwurf entspricht aber noch keinem konkreten Projekt, sondern entspringt zunächst nur einer Vision, die freilich in der virtuellen Entwurfsskizze schon durchaus zu beeindrucken vermag. Die Entscheidung liegt nun beim Investor, der Firma Calor, und der städtischen Planungsabteilung, denn zunächst geht es um die Klärung, ob in dieser Gegend überhaupt solche „Skyscraper“ errichtet werden dürfen.

Konkrete Maßnahmen Schon seit mehr als zehn Jahren bemühen sich die Liebhaber der alten Bausubstanz von Thorn darum, das Mietshaus in der Bromberger Straße 50/52 vor dem Verfall zu retten. Diese lange Zeit hat endlich ihr Ende gefunden, denn die Renovierung wird nun tatsächlich vorgenommen. Fünf Firmen haben bereits auf die Ausschreibung reagiert. Die Kostenkalkulationen der Angebote variierten zwischen 16,5 und 19,5 Mio. Złoty. Den Zuschlag erhielt die Thorner Bauunternehmung Bud-Eko, die das niedrigste Gebot eingereicht hatte. Die Stadtverwaltung wird dieses Vorhaben im Rahmen des Gemeinde-Revitalisierungsprogramms finanzieren. In einer ersten Etappe wird das Gebäude Nr. 50 wiederhergestellt. Es soll zukünftig der Toruńska Agenda Kulturalna zur Verfügung stehen und somit Zwecken der städtischen Kultur-Förderung dienen. Das Gebäude Nr. 52 hingegen wird der Sozialarbeit gewidmet: Nach der Renovierung nimmt dort das Städtische Sozialhilfe-Zentrum seinen Sitz. Für die Durchführung und Fertigstellung wurde ein Zeitrahmen von 14 Monaten vereinbart.

  Die Geschichte dieses bemerkenswerten Gebäudes begann im Frühling 1899. Damals kaufte der bekannte Thorner Bauunternehmer Konrad Schwarz das Grundstück und errichtete dort das zu dieser Zeit größte Gebäude in der Bromberger Vorstadt. Den Entwurf verfertigten speziell für ihn die renommierten Berliner Jugendstil-Architekten Gustav Erdmann und Ernst Spindler. Das Haus mit der Nr. 50 bezog der Besitzer mit seiner Familie, im Nebengebäude mit der Nr. 52 befanden sich hingegen Mietwohnungen. Nach 1920 blieb die Familie Schwarz in Thorn, und Konrad Schwarz verstarb erst kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges.

 

Gleichgewicht Fast allen Brombergern und Besuchern der Stadt ist die Skulptur des jungen Mannes vertraut, der auf einem Seil über der Brahe balanciert. Vom 6. Oktober bis zum 15. November haben jetzt die Einwohner von Thorn die Gelegenheit, in der Breiten Straße sechs Arbeiten zu bewundern, die von demselben Künstler geschaffen worden sind. Sie stammen von Jerzy „Jotka“ Kędziora, einem bekannten Bildhauer, Maler und Dozenten, der nach seinem Studium an der Kunstakademie in Danzig eine Vielzahl von Werken schuf, bei Ausstellungen in Polen wie im Ausland – von Dubai, über Long Island und Palm Beach sowie über Amsterdam, Berlin und Prag bis nach Singapur – große Beachtung fand und etliche renommierte Preise gewann.

  Die Skulpturen, die unter dem Titel „Zum Gleichgewicht“ präsentiert werden, resultieren aus Überlegungen des Künstlers zu den Systemtransformationen in den späten 1980er und den anschließenden 1990er Jahren. Mit ­einiger Besorgnis ging er der Frage nach, wie sich die Menschen – im Schwebezustand zwischen dem Alten und dem Neuen – in der neuen Realität mit ihren veränderten Regeln zurechtfinden. Zunächst hatte er sich für kinematische Künste interessiert und Formexperimente unternommen. Seine Auseinandersetzung mit Phänomenen des Wandels und Übergangs führte ihn dann schließlich zu seiner Gestaltungsweise der „balancierenden Skulpturen“.

Piotr Olecki

 

 

 

Kompass (Adobe Stock) Danzig (Adobe Stock)
Galerie (Adobe Stock) Historisierende Collage (Adobe Stock)
Wahlprognosen und Stimmzettel (Adobe Stock) Kopernikusdenkmal in Thorn (Adobe Stock)