Notizen aus … (6/2019)

 

… aus der Dreistadt

Touristische Magnete Die Region um Danzig kann eine weitere Steigerung des Fremdenverkehrs verbuchen. Mit 1,1 Mio.  kamen 3 % mehr Gäste als im Vorjahr. Der Anteil der Touristen aus dem Ausland betrug 36 %, wovon die meisten aus Deutschland kamen. Besondere Attraktionen mit deutlich mehr als jeweils 500.000 Besuchern bildeten der Zoppoter Seesteg, das Europäische Solidarność-Zentrum, das Schlossmuseum Marienburg und das Museum des II. Weltkrieges.

 

Erfolgreiche Region Pomorze Bei einer internationalen Konferenz in Houston / Texas, die Fragen der Offshore-­Technologien gewidmet war, wurde deutlich, dass Unternehmen, die in der Dreistadt beheimatet sind, in diesem Bereich in die Weltklasse aufgestiegen sind. Dies betrifft zum einen Nischenprodukte wie Versorgungsschiffe für Offshore-Plattformen oder Kabelleger. Vergleichbare Leistungen erbringen auch die Schiff-Reparaturwerften. So ist beispielsweise jüngst der größte Autotransporter der Welt, die City of St. Petersburg, schon zum wiederholten Male zu Instandsetzungs- und Modernisierungsarbeiten in Danzig eingelaufen.

Blockade-Versuch­ Das Flaggschiff der Umweltorganisation Greenpeace, die Zweimaster-Yacht Rainbow Warrior, erschien unlängst im Danziger Hafen. Die Umweltaktivisten hinderten einen Frachter mit Kohle aus Mosambik durch die Blockade des Terminals daran, seine Ladung zu löschen. Zuvor war die Parole „Stoppt Kohle“ in großen weißen Buchstaben auf dem Schiffsrumpf angebracht worden. In einer Nachtaktion schleppte eine Sondereinheit des Grenzschutzes die Yacht aus dem Hafen, nahm die Besatzung fest und behielt den Kapitän und ein weiteres Mitglied zunächst in Haft.

 

Lust aufs Militär? Das polnische Verteidigungsministerium führt zurzeit unter dem Motto „Werde Soldat für einen Tag“ eine Werbekampagne durch, die alle zum Wehrdienst fähigen Bürgerinnen und Bürger ansprechen will. Der Hintergrund dieser Aktion ist die Nachwuchswerbung für die Armee zur Territorialverteidigung (Wojska Obrony Terytorialnej). Im Rahmen dieser Aktion können sich Interessenten unverbindlich darüber informieren, ob sie für diesen Dienst überhaupt geeignet sind. – Seit dem vergangenen Jahr sind schon mehrere neue Divisionen aufgestellt worden wie z. B. Motorisierte Infanterie-Divisionen in Stettin oder Elbing. Insgesamt beträgt die Sollstärke etwas über 100.000 Mann. Die Notwendigkeit dieser weitreichenden Bemühungen wird offiziell aus der russischen Annexion der Krim sowie durch die Lage in der Ost-Ukraine begründet.

 

Tödlicher Tauchgang Die sterblichen Überreste von Robert Szlecht, einem in Polen sehr bekannten Taucher, sind – wie Patryk Wegner von der Lauenburger Staatsanwaltschaft mitgeteilt hat – von der Gerichtsmedizin in Danzig sowie auch von der Familie aufgrund des Tauchanzuges und einer Reihe persönlicher Gegenstände einwandfrei identifiziert worden. Szlecht war schon seit dem Jahre 2012 vermisst worden, und im Juni hatte man seine Leiche nun im Inneren des Wilhelm-Gustloff-Wracks entdeckt. Er hatte damals das Wrack des Tankers Terra als Ziel seines Tauchgangs angegeben, wo er trotz intensiver Suche freilich nie gefunden wurde. Stattdessen ist er, wie sich nun herausgestellt hat, in die Wilhelm Gustloff eingedrungen und hat sich über das strikte Zugangsverbot hinweggesetzt, das für die Untergangsstelle des Flüchtlingsschiffs gilt: Sie ist als letzte Ruhestätte der vielen dort ertrunkenen Menschen zum Ehrengrab erklärt worden.

 

Standesgemäß Einer der bekanntesten Tennisspieler der Welt, der Spanier Rafael Nadal, hat der Danziger Werft Sunreef Yachts den Auftrag erteilt, für ihn einen Luxus-Katamaran vom brandneuen Typ 80 Sunreef Power zu bauen. Der Gründer und Geschäftsführer der Werft, Francis Lapp, bezeichnete es als große Ehre, diese 24 m lange und 12 m breite Yacht bauen zu dürfen. Rafael Nadal stammt von den Balearen, hat dort auch seinen Wohnsitz und freut sich schon darauf, ab 2020 mit diesem supermodernen Schiff in See stechen zu können.

 

Prozess-Marathon­ Bei der „Amber-­Gold“-Affäre, die in mehreren Verfahren vor dem Danziger Bezirksgericht verhandelt wird, ist in absehbarer Zeit kein Ende zu erwarten. Das Finanzdienstleistungsunternehmen, das seit 2009 angeblich auf Edelmetalle spezialisierte Investmentfonds betrieb, war, da es primär Schneeball-Systeme einsetzte, schon drei Jahre später zusammengebrochen. Der Gründer, Marcin Plichta, und seine Ehefrau Katarzyna kamen in Haft und wurden unter Anklage gestellt. Der Prozessverlauf wird dadurch verlangsamt, dass das Gericht sich gezwungen sieht, die Fälle aller 18.000 geschädigten Anleger einzeln zu verhandeln und die individuellen Verluste jeweils detailliert und gerichtsfest zu ermitteln.

 Peter Neumann

 

 

… Elbing

 

Es geht los! Der Vertrag über den Bau des Kanals, der die Frische Nehrung durchstechen soll, ist unterzeichnet worden. Nun wird das polnisch-belgische Konsortium, dem das Seeamt in Gdingen den Auftrag erteilt hat, die Baustelle einrichten und mit den Arbeiten beginnen. Die Maßnahme soll zweieinhalb Jahre in Anspruch nehmen, und die Kosten betragen 992 Mio. Złoty.

 

Antidiskriminierung Am Sonntag, dem 29. September, hat der erste Elbinger Gleichstellungsmarsch stattgefunden. Die etwa 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wollten auf Defizite im gesellschaftlichen Umgang mit Minderheiten – von LGBT-Personen bis zu Obdachlosen oder Geflüchteten – hinweisen und setzten sich für deren Rechte ein. Die Veranstaltung wurde von Bewohnern der Stadt sehr positiv aufgenommen, stieß bei einigen von ihnen aber auch auf Ablehnung, wenn nicht gar Aggressionen.Lech Słodownik

 

Sozialzentrum In einem wiederhergestellten Industriegebäude aus dem Jahre 1905, das am Schleusendamm (ul. Stawidłowa), am Westufer des Elbing-Flusses, liegt und in der Vorkriegszeit u. a. eine Seifenfabrik beherbergte, wurde Mitte September das Sozialzentrum „Dom pod Cisem“ (Haus unter der Eibe) eröffnet. In dem Gebäude sind mehrere Werkstätten – für Tischler-, Schneider- und Kunsthandwerk-Arbeiten –, eingerichtet worden, in denen behinderte Menschen und Langzeitarbeitslose berufliche Erfahrungen sammeln können. Darüber hinaus befinden sich hier ein Second-Hand-Sozialladen, in dem die in den Werkstätten reparierten Gegenstände verkauft werden sollen, sowie ein Fahrradservice und eine kleine preisgünstige Herberge. Da das Zentrum vorhat, auch die Einwohner dieses Stadtviertels zu integrieren und ihnen einen – zwischen eigenem Zuhause und Arbeitswelt angesiedelten – Dritten Ort zu bieten, gibt es im Haus ein Café und draußen auch einen Garten mit einer Erholungszone.

 

Rollen-Kunst Am 27. September wurde unter dem Titel „D'rollka“ im Zentrum für europäische Begegnungen Światowid eine Ausstellung eröffnet, die einem einzigen Werk gewidmet ist. Es handelt sich um ein 40 m langes Papierband, das mit Wasserfarben bemalt ist. Dabei entfaltet sich ein bunter Reigen von sich wechselseitig überlagernden bzw. durchdringenden Körpern: Menschen, Tieren und Phantasiegestalten. Dieser traumartige Umzug wurde von Jerzy Domino entworfen und geschaffen, einem im Elbinger Künstlermilieu sehr bekannten und hochgeschätzten Maler, Graphiker und Kunsthistoriker. 

Joanna Szkolnicka

 

… Marienburg

 

Altes Rathauses bald neu Seit Jahren hat sich die Stadt – wenn bislang auch leider vergeblich – bemüht, Gelder für die Sanierung des historischen Rathauses aufzutreiben. Nun aber konnte sie überraschender Weise mitteilen, dass für diesen Zweck 2,4 Mio. Euro zur Verfügung bereitlägen. Zu 90 % könnten diese Kosten im Rahmen einer Ko-­Finanzierung des Projekts zur „Entwicklung des Tourismus und Erholungspotentials“ sowie aus Mitteln des binationalen Vorhabens zur Förderung des Wassertourismus in Marienburg und dem im Königsberger Gebiet liegenden Ort Zimmerbude (Swetly) bestritten werden. Mit der öffentlichen Ausschreibung des Bauauftrages ist schon in Kürze zu rechnen.

 

Internationales Schachturnier 75 Schachspieler aus Polen, der Ukraine, aus Russland und der Tschechischen Republik haben am 22. Turnier um den Burg-Pokal teilgenommen, das im Karwan, dem Zeughaus der Vorburg, ausgetragen wurde. Der Sieger war (mit 7,5 Punkten) Michał Bugalski aus Ober Kahlbude (Kolbudy / Kôlbùdë) in der Kaschubei. Die beste Spielerin, Lidia Czarnecka aus Elbing, erzielte 5,5 Punkte. Als bester Teilnehmer aus Marienburg erwies sich (mit 5 Punkten) Witold Przeperski. Alle Spieler bis zum 20. Platz erhielten ansteigend gestaffelte Geldprämien; bei den beiden Erstplatzierten betrug sie jeweils 1.000 Złoty.

 

Schutzzaun Mit dem Ziel, die Ausbreitung der Schweinepest einzudämmen, hat die veterinärmedizinische Aufsichtsbehörde in Danzig die Errichtung eines insgesamt 19 km langen Zauns angeordnet, der an der Grenze zwischen dem Landkreis Elbing und der Gemeinde Altfelde verlaufen soll. Er besteht aus einem speziellen Netz, das unter elektrische Spannung gesetzt werden kann. Die Investitionskosten in Höhe von 130.000 Złoty werden von der Behörde übernommen.

 

Teurer Müll Der Magistrat hat die Gebühren für die Müllabfuhr ab Januar 2020 moderat erhöht. Zugleich fordert er aber auch, dass der Müll zukünftig getrennt wird. Ansonsten kann es richtig teuer werden, weil bei Zuwiderhandlungen Ordnungsstrafen drohen. Die Behörde behält sich ausdrücklich die Durchführung entsprechender Kontrollen vor.

 

Neue Sportstätte Termingerecht zum Beginn des neuen Schuljahrs übergab Bürgermeister Marek Charzewski der Marienburger Grundschule im Rahmen einer kleinen Feier eine neu errichtete Turnhalle. Sie wird die Möglichkeiten des Schul- und Vereinssports in der Stadt insgesamt wesentlich bereichern.

 

MiG-29 bleiben im Einsatz Im Jahre 2002 kaufte Polen von der Bundesrepublik Deutschland zum symbolischen Preis von insgesamt einem Euro MiG-29-Kampfflugzeuge, die zuvor dem Taktischen Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff“ in Laage (Mecklenburg-Vorpommern) angehört hatten und nun auf dem Marienburger Fliegerhorst stationiert wurden. Daran werden auch die seit geraumer Zeit diskutierten polnischen Pläne zum Ankauf des amerikanischen Kampfflugzeuges F-35 nichts ändern: Die MiG-29 werden nach Auskunft des polnischen Verteidigungsministeriums keineswegs ausgemustert, sondern weiterhin zur Luftverteidigung eingesetzt.

Bodo Rückert

 

 

… Thorn

 

Besuch schottischer Jugendlicher Vom 10. bis zum 14. September kamen, begleitet von ihrem Lehrer, 17 zwischen 14 und 18 Jahre alte Jugendliche aus der schottischen Region Fife nach Thorn. Es handelte sich um Schüler verschiedener Oberschulen, die aus gefährdeten gesellschaftlichen Milieus stammen und am Erziehungsprojekt „Rising Stars” teilnahmen. Sie trafen sich während ihres Aufenthalts mit gleichaltrigen polnischen Schülern, lernten eine Reihe von Sehenswürdigkeiten kennen und legten Blumengebinde am Denkmal für die Kriegsgefangenen des Stalag XXC Thorn nieder, wo während des Zweiten Weltkriegs viele schottische Kriegsgefangene interniert waren. – Die Woiwodschaft Kujawien-Pommern arbeitet mit der schottischen Grafschaft Fife seit 2016 enger zusammen. Gemeinsam führen die Partner verschiedene historisch-kulturelle Projekte durch, und zum 80. Jahrestag des Kriegsbeginns, am 1. September 2019, weilte beispielsweise eine offizielle Delegation unter Leitung des Provost von Fife, Councillor Jim Leishman, in der Stadt.

 

ToMUN 2019 Vom 27. bis zum 29. September fanden im Rathaus wieder hochpolitische diplomatische Verhandlungen und Beratungen statt: Wie schon seit 2003 kamen auch in diesem Jahr Schüler aus Polen und dem Ausland zusammen, um innerhalb des MUN (Model United Nations), eines Modells der Vereinten Nationen, nach strengen Regeln und in festgelegten Rollen über aktuelle soziale, wirtschaftliche, politische, rechtliche und kulturelle Probleme zu debattieren. Das Treffen 2019 war – unter dem Titel „Hope for Refugees” – Fragen der internationalen Migrationsbewegungen gewidmet. Neben Leiden (LEMUN) und Den Haag (HagaMUN im Gymnasium Haganum) in den Niederlanden bildet Thorn einen dritten jährlichen Veranstaltungsort der MUN.

 

Feierliches Gedenken Am 2. Oktober kamen im Gedächtnispark der Stadt Einwohner und Hunderte von Pfadfindern zusammen, um gemeinsam mit Piotr Całbecki, dem Marschall der Woiwodschaft, der Bürger zu gedenken, die in den Monaten nach Beginn des Zweiten Weltkriegs insbesondere von Mitgliedern des „Volksdeutschen Selbstschutzes“ ermordet worden sind. Zur Erinnerung an die Opfer war im Herbst 2018  (wie DW 6/2018 berichtete) ein von Zbigniew Mikielewicz gestaltetes Denkmal errichtet worden. – Aufgrund einer jüngst erschienenen Publikation fand in diesem Zusammenhang auch das Schicksal des Psychiaters Józef Bednarz besondere Beachtung: Als Direktor der Nervenheilanstalt in Schwetz entschied sich Bednarz während der „Aktion T-4”, die auf die Ermordung psychisch Kranker und Behinderter abzielte, gemeinsam mit seinen Patientinnen und Patienten in den Tod zu gehen.

Piotr Olecki

 

 

… Bromberg

 

Verbesserte Anbindung Die polnische Fluggesellschaft LOT bietet seit dem 28. Oktober regelmäßige Flüge zwischen Bromberg und Warschau an. Dies trägt dazu bei, dass der Flughafen noch weiter an Bedeutung gewinnt. Die Passagierflugzeuge Bombardier Q400 können 70 Fluggäste an Bord nehmen. Sie werden täglich, auch an Wochenenden, starten, und zwar zehnmal pro Woche jeweils in beide Richtungen. Die Strecke wird in 50 Minuten bewältigt und bringt die Passagiere unmittelbar zum internationalen Chopin-Flughafen. Der Plan ist so eingerichtet, dass die Fluggäste aus Bromberg problemlos Anschlussflüge in andere europäische Länder sowie nach Asien und Amerika erreichen. – 2019 sind schon etwa 250.000 Passagiere in Bromberg abgeflogen, und nachdem in diesem Jahr bereits eine neue Verbindung nach Glasgow eröffnet wurde, soll im nächsten Jahr auch Edinburgh regelmäßig angeflogen werden. 

Piotr Olecki

Kompass (Adobe Stock) Danzig (Adobe Stock)
Galerie (Adobe Stock) Historisierende Collage (Adobe Stock)
Wahlprognosen und Stimmzettel (Adobe Stock) Kopernikusdenkmal in Thorn (Adobe Stock)