Kultur-Informationen
aus dem »Land am Meer«
(6/2019)

 

Nereide Mit einer relativ kurzen Laufzeit – vom 12. September bis zum 3. November – ist im Nationalen Maritimen Museum in Danzig eine Ausstellung mit Werken von Wojciech Weiss (1875–1950) veranstaltet worden, in denen sich der „polnische Renoir“ mit Sujets des Meeres und der Küste auseinandergesetzt hat. Unter dem Titel Dwa morza [Zwei Meere] wurden Ansichten der Ostsee denjenigen des Mittelmeers gegenübergestellt. Während die mediterrane Welt zu den „obligatorischen“ Motiven gehörte, die sich in der Sammelmappe jedes Malers in dieser Zeit fanden, bemühte sich Weiss in der Zwischenkriegszeit, auch Impressionen von der Ostsee einzufangen und dadurch nicht zuletzt auch für die attraktive polnische Küstenregion zu werben. Eines der markantesten Ausstellungsstücke bildet dabei das Gemälde Die Nereide, ein Halbakt einer jungen Frau vor dem Hintergrund des Meeres. – Da der Oktober international als Monat der Brustkrebsprävention gilt und gerade in Polen die Erkrankungsraten immer noch erschreckend hoch sind, kamen die Kuratoren auf den Gedanken, das Bildnis der verführerischen, üppigen Nymphe für einen guten Zweck zu nutzen: Frauen, die die Ausstellung besuchten, erhielten ein Notizbuch, auf dem das Gemälde abgebildet war und das sie daran erinnern sollte, ärztliche Untersuchungen und andere vorbeugende Maßnahmen wahrzunehmen.

 

Zofia auf dem Kunstmarkt Großes Interesse erregt das Porträt von Zofia Bagniewska, geb. Małecka, das im Jahre 1927 von Stanisław Ignacy Witkiewicz (1885–1939) geschaffen wurde: Es wird gegenwärtig zur Saisoneröffnung vom „Zoppoter Versteigerungshaus“ zum Kauf angeboten. Ein anderes, ebenfalls von Witkiewicz gemaltes Porträt der schönen Salonlöwin aus der Zwischenkriegszeit war von diesem Auktionator bereits im Jahre 2017 als Los ausgerufen worden, wobei erst ein – für diesen Maler sensationell hohes – Gebot von 140.000 Złoty den Zuschlag erhielt. Dazu dürfte beigetragen haben, dass zuvor das Gerücht aufgekommen war, dass es sich bei der abgebildeten Person nicht um die Bagniewska, sondern um Jadwiga Jan­­czewska handeln könnte, der Witkacy in einer tragischen Liebesbeziehung verbunden war. Damit ist ein weiterer Beweis erbracht worden, dass sich romantische Legenden sehr gut vermarkten lassen.

 

Erinnerungsstücke gesucht Zwei Museen der Region bemühen sich intensiv um die Rekonstruktion der lokalen Mikrogeschichte. Das Museum von Danzig hat die Aktion „Danziger Mosaik“ gestartet, bei der die Einwohner gebeten werden, persönliche sowie familiäre Geschichten zu erzählen und jeweils dazugehörige Erinnerungsstücke abzugeben. Diese Materialien sollen dann bei der im Auf bau befindlichen Dauerausstellung zur Danziger Nachkriegs­geschichte verwendet werden. Die Interessentinnen und Interessenten werden zu regelmäßigen Workshops eingeladen, bei denen sie ihre Beiträge persönlich vorstellen können und zugleich die Gelegenheit haben, sich über das Konzept der Ausstellung zu informieren und eigene Ideen und Anregungen zu äußern. – Das Archäologisch-Historische Museum in Elbing hinwieder setzt das Projekt „Zeugnisse. Geschichte in Gesichtern – Geschichtsgesichter“ fort. Im Rahmen der ersten Etappe entstand vor einigen Jahren eine Ausstellung, die die Kindheitserinnerungen der ehemaligen deutschen Einwohner thematisiert hat. Nun soll die Ausstellung um die Schicksale von denjenigen ergänzt werden, die diese ehemals deutsche Stadt im ersten Nachkriegsjahrzehnt besiedelten und zu ihrer Heimat machten.

Joanna Szkolnicka

 

Kompass (Adobe Stock) Danzig (Adobe Stock)
Galerie (Adobe Stock) Historisierende Collage (Adobe Stock)
Wahlprognosen und Stimmzettel (Adobe Stock) Kopernikusdenkmal in Thorn (Adobe Stock)