Notizen aus … (5/2020)

 

… aus der Dreistadt

Ein  großer  Pole  und  Europäer Am 5. Juli wurde vor dem Rathaus von Zoppot ein Denkmal zu Ehren von Władysław Bartoszewski enthüllt. An den Feierlichkeiten nahmen der ehemalige polnische Präsident und EU-Ratsvorsitzende Donald Tusk sowie Aleksander Kwaśniewski teil, der von 1995 bis 2005 als dritter Staatspräsident der Dritten Polnischen Republik amtiert hatte. Der 1922 geborene und 2015 verstorbene Bartoszewski war eine bedeutende Persönlichkeit der jüngeren polnischen Geschichte, die sich um die Aussöhnung zwischen Polen und Deutschen große Verdienste erworben hat. Er hatte während der deutschen Besatzung zum Widerstand gehört und aktiv am Warschauer Aufstand teilgenommen. Nach dem Kriege wurde er von den Kommunisten verfolgt und zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt. 1955 rehabilitiert, machte er sich bald als Historiker und Publizist einen Namen. 1980 engagierte er sich in der freien Gewerkschaft Solidarność, in der er rasch leitende Funktionen übernahm – und geriet daraufhin wieder mit der Staatsmacht in Konflikt. Nach dem Umbruch 1989/1990 trat er bis ins hohe Alter als allseits geachteter Politiker hervor und wurde in Regierungsämter berufen. – Der Stadt Zoppot fühlte sich Władysław Bartoszewski zeitlebens verbunden. Er hatte Danzig – worauf Stadtpräsident Jacek Karnowski in seiner Ansprache hinwies – schon vor dem Krieg, als Zwölfjähriger, besucht und sich von da an immer wieder in der Dreistadt aufgehalten; und Zoppot hatte ihm auch schon vor längerer Zeit seine Ehrenbürgerschaft verliehen.

 

Horyzont II Die Danziger Werft (Gdańska Stocz­nia) Remontowa hat neuerlich eine komplexe Aufgabe bewältigt, indem sie das von ihr gebaute Schul- und Forschungsschiff Horyzont II der Seefahrt-Universität Gdingen wartete. Für den Klassenerhalt müssen alle fünf Jahre Inspektionen durchgeführt und Zertifizierungen vorgenommen werden. Während der diesmaligen Werftliegezeit wurde die Antriebsanlage erneuert. Desgleichen waren zahlreiche elektronische Elemente zu ersetzen, und die gesamte Kommunikationseinrichtung und die Radaranlage mussten auf den technisch aktuellen Stand gebracht werden. Das weltweit operierende Schiff hat eine Länge von knapp 60 m und entwickelt eine Geschwindigkeit von 12 Knoten. Es hat eine Besatzung von 16 Mann und kann zusätzlich insgesamt 40 Wissenschaftler und Studenten mit an Bord nehmen. 

 Peter Neumann

 

 

… Elbing

 

Corona-Lage Vom Beginn der Pandemie an waren in der Stadt insgesamt ca. 30 Erkrankungsfälle gemeldet worden. Nachdem sich am 23. Juli herausgestellt hatte, dass zwei aus Portugal stammende Gäste des am Alten Markt gelegenen Hotel Elbląg infiziert waren, wurde das Hotel vorläufig geschlossen. Etwa 40 Hotelgäste sowie einige Hotelmitarbeiter wurden unter Quarantäne gestellt. Nach Angaben der staatlichen Gesundheitsbehörden vom 27. Juli standen in Elbing 74 und im Elbinger Kreis 10 Personen unter häuslicher Quarantäne. Insgesamt wurden davon neun Personen positiv getestet; eine von ihnen musste sogar ins Krankenhaus eingewiesen werden. Nachdem schon im Juni die „Elbinger Tage“ ausgefallen waren, wurde nun auch das für September geplante „Fest des Brotes“ abgesagt. Kleinere Veranstaltungen dürfen stattfinden, man muss aber die Teilnehmerzahl beschränken und die Maskenpflicht strikt durchsetzen. Bis auf Weiteres wurden auch Führungen im Archäologisch-Historischen Museum unterbunden; desgleichen dürfen die bei den Besuchern sehr beliebten Stationen, die zu einem Ausflug in eine virtuelle Wirklichkeit einladen, nicht genutzt werden. Auf der Frischen Nehrung, die schon wieder von Touristen überlaufen ist, mussten von der Polizei und dem Gesundheitsamt in Gaststätten und anderen Etablissements Stichprobenkontrollen durchgeführt werden, weil dort viele Gäste das Ansteckungsrisiko immer wieder bagatellisiert und die Hygiene-Vorschriften gänzlich missachtet haben.

 

Spuren  eines  mächtigen  Bauwerks Im Juni wurden im Innenhof des Archäologisch-Historischen Museums Untersuchungen durchgeführt, bei denen ein Bodenradar zum Einsatz kam. Mit diesem neueren Verfahren bemühte sich ein Forschungsteam, das der Archäologe Prof. Dr. Fabian Welc von der Kardinal-Stefan-Wyszyński-Universität in Warschau leitete, die Topographie der Elbinger Ordensburg detailliert zu bestimmen; und es gelang ihm tatsächlich, das Fundament eines Wehrturms der Vorburg aufzuspüren. Das 1454 von den Bürgern der Stadt zerstörte und danach völlig abgetragene Schloss war bis 1309 ein Sitz der Landmeister von Preußen. Aufgrund der archäologischen Erkenntnisse, die sowohl in der Vorkriegs- als auch der Nachkriegszeit erzielt und jetzt nochmals eindeutig bestätigt worden sind, lässt sich annehmen, dass der trutzige und prachtvolle Wehrbau allen späteren im Ordensstaat entstandenen Burgen, nicht zuletzt der Marienburg, zum Vorbild gedient hat.

Joanna Szkolnicka

 

… Marienburg

 

Vandalen Vor den Burgmauern ist mit erheblichem finanziellem Aufwand ein Museumsbereich eingerichtet worden, der die restaurierte Stadtmauer, historische Informationstafeln und einige Exponate umfasst. Dieses Angebot für Touristen, sich vor dem Besuch des Schlosses mit der Geschichte der Burg und der Stadt vertraut zu machen, kann nur noch in höchst eingeschränktem Maße genutzt werden; denn an diesem Ort haben Hooligans gewütet: überall haben Flaschen herumgelegen, Tafeln sind zerstört, und die Belagerungsmaschinen erwecken den Eindruck, als wären sie tatsächlich in einer regelrechten Schlacht eingesetzt worden. Da sich keine Zeugen der Vorgänge finden ließen, bemüht sich die Polizei jetzt, die Täter dank den Aufzeichnungen von Überwachungskameras zu ermitteln.

 

Wohlverdienter  Ruhestand Nach 43-­jähriger Tätigkeit im Schlossmuseum wurde dessen langjähriger Direktor Mariusz Mierzwiński verabschiedet. Er hatte als Assistent in der archäologischen Abteilung begonnen, durchlief dann alle Stufen der wissenschaftlichen und administrativen Hierarchie – Assistenzprofessor (Adjunkt), Kurator, leitender Kurator, stellvertretender Leiter, Leiter der Abteilung für Schlossgeschichte, Vizedirektor für wissenschaftliche und konservatorische Angelegenheiten – bis er ab 1987 die Position des Direktors bekleidete. Diese Aufgabe versah er mit großer Energie und erwies sich bald – auch über Polen hinaus – als allgemein anerkannter muse­o­logischer Experte. Er wurde Mitbegründer und Vize­präsident der Internationalen Vereinigung der Baltischen Schlösser und Museen und zum Mitglied zahlreicher Organisationen und wissenschaftlicher Gesellschaften berufen – darunter das Polnische Nationalkomitee des Internationalen Rates für Denkmalschutz und der Internationale Museumsrat. Ende 2017, nach gut 30 Jahren, verließ er den Direktorenposten, hielt aber für die nachfolgenden beiden Jahre seine Tätigkeit noch als Spezialist für die Instandhaltung des Schlosses aufrecht.  Marek Dziedzic

 

… Kujawien-Pommern

 

Drewenz-Brücke Auf ein ungeteilt positives Echo ist das Vorhaben gestoßen, bei Leibitsch (Lubicz) – gut zehn Kilometer östlich von Thorn – eine Brücke über die Drewenz zu errichten. Geplant ist eine einfache Stahlbeton-Konstruktion mit einer Länge von 96 m, zwei Fahrspuren und einem jeweils zwei Meter breiten Radweg und Bürgersteig an beiden Seiten. Als Bauzeit sind die Jahre von 2021 bis 2023 ins Auge gefasst worden. Die hier wiedergegebene Planskizze zeigt, dass die Brücke von der ul. Promowa in Neudorf (Nowa Wieś) aus über den Fluss bis zur ul. Antoniewo in Niederleibitsch führen wird. Dort soll, wie das Gemeindeamt in Leibitsch mitteilte, auch noch eine neue Straße in Richtung Thorn entstehen. Dieses ambitionierte Projekt wird zum einen den lokalen Autoverkehr ganz wesentlich entlasten, denn alle Anwohner der umliegenden Orte haben dann endlich eine lange ersehnte Möglichkeit, den wohl gerade in Leibitsch unvermeidlichen permanenten Stau auf der Landesstraße 10, der viel befahrenen Strecke von Stettin nach Warschau, zu umgehen. Zum anderen dient dieses Vorhaben der deutlichen Verbesserung der Infrastruktur. Daran knüpft sich zugleich die Hoffnung, dass sich Investoren für diese Gegend interessieren lassen und dann schließlich auch neue Arbeitsplätze entstehen könnten. Für die Maßnahme sind Kosten in Höhe von 20 Mio. Złoty – 14 Mio. für die Brücke und sechs Mio. für die Zufahrtsstraßen – kalkuliert worden.

 

Ein Strand in der Neustadt Für sieben Tage, vom 20. bis zum 26. Juli, verwandelte sich der Neustädtische Markt in einen Sportplatz: Schon zum elften Male fand hier das Beach-Volleyball-Turnier „Plaża Gotyku” [Strand der Gotik] statt. Diese Sportart hat in Polen eine hohe Bekanntheit und Beliebtheit gewonnen. In diesem Jahr kamen nicht nur polnische Stars, sondern auch Spieler aus Österreich und der Tschechischen Republik, die schon mehrmals an der Turnierserie der „FIVB World Tour“ teilgenommen haben. Die Nachfrage nach Eintrittskarten war sehr groß und konnte aufgrund der notwendigen Corona-Einschränkungen nicht gänzlich befriedigt werden. Die Veranstalter waren aber froh, dass das Turnier – im Unterschied zu etlichen anderen Sportveranstaltungen in Polen – nicht vollständig abgesagt werden musste. – In eigenen Klassen nahmen auch Volleyballspielerinnen und -spieler der Nikolaus-Kopernikus-Universität sowie jugendliche und erwachsene Amateursportler teil; Kinder konnten zudem eine eigene „Volleyball-Schule“ besuchen. Als Sieger bei den Profis wurden zwei polnische Spielpaare ermittelt: Katarzyna Kociołek und Kinga Wojtasik bei den Frauen und bei den Männern Piotr Kantor und Maciej Rudol.

Piotr Olecki

Kompass (Adobe Stock) Danzig (Adobe Stock)
Galerie (Adobe Stock) Historisierende Collage (Adobe Stock)
Wahlprognosen und Stimmzettel (Adobe Stock) Kopernikusdenkmal in Thorn (Adobe Stock)