Notizen aus … (4/2020)

 

… aus der Dreistadt

Lockerungen Die Dreistadt kehrt allmählich wieder zur Normalität zurück. Im Verlauf des Monats Juni wurden schon zahlreiche Strände geöffnet. Den Anfang machte Brösen; ab dem 1. Juli sind dann alle Strände entlang der Danziger Bucht für das Publikum zugänglich. Die Seestege in Brösen und Zoppot sind nicht mehr gesperrt, und auch die Ausflugsdampfer der „Weißen Flotte“ nehmen ihre Fahrten neuerlich auf. Der Zoo von Oliva hat inzwischen wieder seine Tore geöffnet, allerdings ist die Zahl der Besucher begrenzt, so dass die Tickets im Internet gebucht werden müssen. Langsam beginnen die Sommergäste, die Dreistadt in Beschlag zu nehmen, und alle Verantwortlichen hoffen, dass die Saison trotz der erschwerten Bedingungen ohne allzu große Probleme bewältigt werden kann.

 

Drive-In-Cinema Autokinos, die lange Zeit nur noch ein Schattendasein geführt haben, erfreuen sich auch in der Dreistadt einer wachsenden Beliebtheit. In der Nähe des Danziger Hauptbahnhofs hat jetzt ein weiteres Lichtspiel-Theater dieser Art seinen Betrieb aufgenommen. Dort werden auf einer 100 m2 großen Leinwand aktuelle Filme vorgeführt. Der Platz ist für über 100 Fahrzeuge ausgelegt, und der Eintritt beträgt lediglich 10 Złoty, und zwar unabhängig davon, wie viele Leute sich jeweils in dem Wagen befinden. Weitere Autokinos gibt es bereits in der Nähe der Zoppoter Waldoper sowie an der Arena in Gdingen.

 

Große Hafen-Expansion Ein ehrgeiziges Danziger Großprojekt zielt auf die Errichtung eines weiteren, großzügigen Zentralhafens. Darin spiegelt sich die rapide Entwicklung des gesamten Hafen-Komplexes wider, der im internationalen Güterverkehr immer erfolgreicher operiert und als Umschlagplatz sehr günstige Verbindungen zu zahlreichen Binnenländern wie z. B. Ungarn oder der Ukraine aufweist. In diesem Zusammenhang haben, wie Marek Gróbarczyk, der Minister für Meereswirtschaft und Binnenschifffahrt, bekanntgab, Gespräche zwischen Regierungsvertretern Polens und Singapurs stattgefunden, bei denen es gelungen ist, hinsichtlich des Hafenausbaus sowie des Seehandels mit dem Fernen Osten Perspektiven einer engeren Kooperation zu eröffnen.

 

Kleine Hafen-Expansion Der Hafen von Gdingen wird ebenfalls, wenn auch in erheblich bescheidenerem Maße, erweitert, und zwar sollen die Verbindungen nach Skandinavien verbessert werden: Der Terminal wird erweitert, damit dort Fähren bis zu einer Länge von 240 Metern anlegen können. Zudem werden – wie auch schon in Hamburg – zur Vermeidung von Schadstoff-Emissionen für die Passagierschiffe Strom-Anschlüsse gebaut, die dann während der Liegezeit ihre eigenen, mit Dieselkraftstoff betriebenen Stromgeneratoren abstellen können.

 

Złoty-Millionäre Mehr als 600 Einwohner von Danzig haben nach Angaben des Finanzamtes im vergangenen Jahr ein Einkommen von einer Mio. Złoty erzielt, wobei auf den Rekordhalter am Jahresende ein Betrag von fast 170 Mio. entfallen ist. Aufgrund dieser Daten hat sich Danzig in der gesamten Woiwodschaft Pomorze als Stadt mit den meisten Millionären erwiesen. Wenig überraschend ist, dass es sich dabei allermeist um erfolgreiche Geschäftsleute im Alter zwischen 40 und 50 Jahren handelt. Aber auch in anderen Städten der Region – wie in Karthaus oder Neustadt – leben jeweils etwa 200 Einwohner, die in die Kategorie der Złoty-Millionäre gehören. In dieser Statistik des Reichtums und beruflichen Erfolgs nimmt Gdingen übrigens erst den 6. Platz ein.

 

Me Too Vor dem Danziger Bezirksgericht ist ein langwieriger Prozess zu Ende gegangen, der von der Öffentlichkeit mit großer Aufmerksamkeit verfolgt worden ist. Natalia Nitek-Plażyńska, die als Angestellte in der Firma des deutschen Unternehmers Hans G. in Neustadt gearbeitet hatte, wehrte sich in diesem Verfahren gegen sexistische und rassistische Beleidigungen sowie üble Unterstellungen, mit denen sie ihr Chef im Internet und in Twitter-Kurznachrichten überzogen haben sollte. Die Beweislage war zunächst nicht eindeutig, zumal in Bezug auf die persönlichen Auseinandersetzungen – wie häufig in solchen Fällen – Aussage gegen Aussage stand. Im Verlaufe des Prozesses stellte sich aber heraus, dass sich Hans G. auch gegenüber fünf weiteren Angestellten höchst beleidigend verhalten hatte. Schließlich wurde der Geschäftsmann zu einer zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt. Peter Neumann

 Peter Neumann

 

 

… Thorn

 

Piłsudski-Brücke 2.0   Ende April began­nen die seit langem geplanten Ausbau- und Renovierungsarbeiten an der Piłsudski-Brücke, die im Laufe der nächsten 20 Monate durchgeführt werden sollen. Gegenwärtig ist eine der Auto- bzw. Bus-Spuren gesperrt, so dass nur zwei weitere zur Verfügung stehen. Fußgänger und Radfahrer müssen sich derzeit einen gemeinsamen Bürgersteig teilen. Ursprünglich sollten diese Verkehrsbehinderungen durch den Bau einer Behelfsbrücke über die Weichsel vermieden werden. Diese ließ sich aber nicht errichten, weil der Transport der Rammen, mit denen die 258 Stützpfähle hätten eingetrieben werden müssen, einen Mindest-Wasserstand von 2,5 m erforderlich gemacht hätte. Der Pegel war aber längere Zeit nicht über die Marke von 1,4 m gestiegen. – Bei der Sanierung werden Teile der stählernen Brückenkonstruktion repariert bzw. ausgetauscht, die Bürgersteige und Radwege erhalten auf beiden Seiten eine Breite von 4,2 m, und letztlich werden die Fahrbahnen sowie die Entwässerung und die Straßenbeleuchtung erneuert. Darüber hinaus umfasst das Projekt eine Neugestaltung der Brückenköpfe mit Treppenanlagen, den Einbau von Fahrstühlen für Rad- und Rollstuhlfahrer sowie die Einrichtung von Aussichtspunkten auf der Brücke. Die Gesamtkosten der Investition betragen fast 123 Mio. Złoty. Diese Summe wird sich durch den Verzicht auf die Behelfsbrücke um immerhin gut drei Mio. Złoty verringern.

Corona-Abitur Nach einer langen und belastenden Phase der Unsicherheit, in der alle Beteiligten auf die Entscheidungen und Verfahrensregelungen des Bildungs­ministeriums warten mussten, begannen am 8. Juni tatsächlich – wie in ganz Polen – die Reifeprüfungen, und zwar mit der Klausur in Polnisch; an den beiden nächsten Tagen wurden ebenfalls noch landeseinheitlich die Arbeiten in Mathematik und Englisch geschrieben, und dann folgten individuell die anderen Fächer. Aus Präventionsgründen wurde in diesem Jahr grundsätzlich auf alle mündlichen Prüfungen verzichtet; und die Klausuren unterlagen – wie auch in Deutschland – sehr strengen Sicherheits­vorkehrungen. Zudem wurde in allen Schulen ein Isolationsraum eingerichtet. Die Prüflinge durften beim Betreten und Verlassen der Schulgebäude auch nur bestimmte Zugänge nutzen. Das größte Problem für die Verantwortlichen bestand schließlich darin, vor und nach den Klausuren bei den Zusammenkünften der Schülerinnen und Schüler im Außenbereich das Einhalten der Verhaltensregeln durchzusetzen.

Piotr Olecki

 

 

Kompass (Adobe Stock) Danzig (Adobe Stock)
Galerie (Adobe Stock) Historisierende Collage (Adobe Stock)
Wahlprognosen und Stimmzettel (Adobe Stock) Kopernikusdenkmal in Thorn (Adobe Stock)