Notizen aus … (4/2019)

 

… aus der Dreistadt

 Ich bin Deutscher Auf den 7. Mai hatte die Generalkonsulin der Bundesrepublik Deutschland in Danzig, Cornelia Pieper, zur Finissage der Foto-Ausstellung Ich bin Deutscher in das Konsulat eingeladen. Der Fotograf, Andrzej Walkusz, war bei dieser Veranstaltung anwesend. Er stammt aus Niederschlesien, hat in Breslau kinematographische Technik studiert und arbeitet seit 1992 als Kameraassistent und Tontechniker beim WDR in Köln. In den Fotografien, die in Danzig gezeigt worden sind, hat er sich bemüht, die vielfältigen Gesichter des heutigen Deutschlands zu erfassen und den Betrachtern die Frage nahezulegen, was ihnen wichtiger erscheint: die Verfassungstreue der Bürgerinnen und Bürger – oder deren Zugehörigkeit zu einem ethnisch homogenen „Staatsvolk“. – Anna Labudda

 

Erinnerungsort Im Wintersaal des Altstädtischen Rathauses ist eine Gedenkstätte für Paweł Adamowicz eingerichtet worden. Sie soll auf Dauer an den beliebten Stadtpräsidenten erinnern und ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Ausgestellt sind beispielsweise sein Schreibtisch, der Bürgermeister-Ornat und zahlreiche persönliche Gegenstände, die mit seiner Amtszeit in enger Verbindung stehen.

 

Dachstuhl-Brand Anfang Juni hat ein Feuer in der Pfarrkirche Sankt Peter und Paul erhebliche Schäden angerichtet: Der Dachstuhl wurde oberhalb der Sakristei auf einer Fläche von rund 200 m2 zerstört. Knapp hundert Feuerwehrleute waren im Einsatz und konnten ein Übergreifen der Flammen vom Dach eines Seitenschiffs auf das übrige Gebäude verhindern. Der Brand, der möglicherweise auf eine defekte Elektroinstallation zurückzuführen ist, wurde nach etwa zwei Stunden gelöscht; wertvolle Kunstwerke oder der Hauptaltar blieben unversehrt. Der Erzbischof von Danzig, Sławoj Leszek Głódź, dankte den „tapferen und mutigen Feuerwehrmännern“ für ihren Einsatz.

 

Giganten-Besuch Die Kreuzfahrt-Saison ist in Gdingen von der MSC Poesia, die unter panamesischer Flagge fährt, 293 m lang ist und über 12 Decks verfügt, sowie in Danzig von der etwas älteren (1983 gebauten) Magellan, deren Länge „nur“ 221 m misst und die unter der Flagge der Bahamas fährt, eröffnet worden. In den nächsten Monaten werden die beiden Häfen von 20 verschiedenen Passagierschiffen 51 Mal angelaufen; dabei können insgesamt 120.000 Passagieren an Land gehen und die Dreistadt und die umliegenden Sehenswürdigkeiten besuchen.

 

Arbeitsmarkt In der Region besteht ein erheblicher Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Diese Defizite betreffen die allermeisten Bereiche: vom Transport- und Baugewerbe und der IT-Branche über die See- und Hafenwirtschaft und Gastronomie bis zum Gesundheitswesen und den sozialen Berufen. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, dass Arbeitgeber zunehmend Ausländer beschäftigen: Das Arbeitsamt der Woiwodschaft teilte mit, dass im ersten Quartal des Jahres 34.400 Arbeitserlaubnisse für Ausländer erteilt worden seien, wovon die meisten allerdings Saisonarbeiten beträfen. Darüber hinaus sind die Arbeitgeber aber daran interessiert, die zurzeit geltende Bestimmung, nach der Ausländer höchstens für einen Zeitraum von sechs Monaten beschäftigt werden dürfen, grundsätzlich zu lockern. Herkunftsländer der Gastarbeiter sind vornehmlich die Ukraine, Weißrussland und Russland, aber auch Moldawien, Armenien und Georgien.

 

Organtransplantationen Im Universitätsklinikum wurde im Mai die 2.000. Nierentransplantation erfolgreich durchgeführt. Im zeitlichen Umfeld dieser Operation jährte sich zugleich – worauf der Direktor  des UCK (Uniwersyteckie Centrum Kliniczne), dr hab. n. med. Tomasz Stefaniuk, nicht ohne Stolz verwies – der Beginn der dortigen Transplantationsmedizin zum 40. Male. Zudem erläuterte er das breite Spektrum der Organe, die in der Klinik verpflanzt werden und betonte, welche große Bedeutung das Krankenhaus der psychologischen Betreuung der Patienten zumisst.

 

Höchst erfolgreicher Start Magdalena Adamowicz, die Ehefrau des im Januar ermordeten Stadtpräsidenten, hat in Bonn und Cambridge studiert, ist promovierte Juristin und als Autorin zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen auf dem Felde des Seerechts hervorgetreten: Schwerpunkte bilden dabei beispielsweise der Schutz von Fahrgastrechten oder die Meerespolitik der Europäischen Union; und die Habilitationsschrift, die sie gegenwärtig vorbereitet, ist dem Thema Hafenrecht und Seeversicherung gewidmet. In der Politik hatte sie sich selbst bislang zwar noch nicht engagiert, und sie gehört auch keiner Partei an. Als sie nun aber bei der Europa-­Wahl kandidierte, errang sie auf Anhieb einen überragenden Erfolg. Sie vereinigte 99.000 Stimmen auf sich und zieht nun als unabhängige Kandidatin in das Europäische Parlament ein. – Peter Neumann

 

 

… Elbing

 

Abkühlung An zwei Punkten der Stadt, am Bahnhofsvorplatz und in der neuen Passage in der ehemaligen Johannisstraße, sind von der Stadtverwaltung zwei Wasservorhänge aufgestellt worden. Sie sollen mittelbar oder auch unmittelbar der Erfrischung der Passanten dienen und werden an heißen Tagen zwischen 10.00 und 18.00 Uhr betrieben. Es wird daran gedacht, noch weitere solcher Wasservorhänge zu installieren.

Flotte Bäckergesellen Mehr als 900 Läuferinnen und Läufer gingen am 2. Juni beim 11. Lauf der Bäckergesellen an den Start. 816 von ihnen standen die zehn Kilometer lange Strecke durch. Sieger wurde Valeriy Pavlichuk aus Königsberg (Kaliningrad) mit einer Zeit von 33:24 min. Als Zweit- und Drittplatzierte kamen Marcin Spustek aus Elbing und der Braunsberger Michał Prusinowski ins Ziel. Die Schnellste unter den Frauen, Magdalena Dias aus Gdingen, benötigte 37:57 min.

In neuen Händen Nachdem die Direktorin des Archäologisch-Historischen Museums in den Ruhestand getreten ist, steht jetzt fest, dass Lech Trawicki ihr Nachfolger wird. Er hat an der Nikolaus-Kopernikus-Universität Thorn studiert und dort ein Magisterexamen in Archäologie abgelegt. Er verfügt bereits über eine längere Berufserfahrung und war zuvor stellvertretender Direktor des Marinemuseums in Gdingen.

Geschnappt Gegen den Kapitän eines russischen Schiffes, das Kohle von Königsberg nach Elbing transportiert hat, sowie gegen ein Mitglied der Besatzung wurden Zoll- und Steuerverfahren eingeleitet. Bei einer genauen Kontrolle hatten Grenzschutzbeamte eine größere Menge von Zigaretten entdeckt, die, unter den Planken versteckt, nach Polen geschmuggelt werden sollten. Die beiden Täter waren geständig.Lech Słodownik

Grünanlagen Die Infrastruktur des ehemaligen Rosengartens, des heutigen Kajki-­Parks, soll weiterentwickelt werden. Zusätzlich zu dem schon vorhandenen Kinderspielplatz und den Angeboten von Tischtennisanlagen und Fitness-Stationen werden zusätzliche Turngeräte sowie ein Erholungsbereich mit Bänken und Bildungsspielen geplant. Das Ministerium für Sport und Tourismus will sich an den Gesamtkosten, die auf 75.000 Złoty geschätzt werden, beteiligen. – Der kleine ehemalige Kasinogarten, der im Volksmund „­Planty“ genannt wird und einen vernachlässigten Eindruck macht, soll ebenfalls verschönert werden. Sein Kennzeichen ist der sogenannte „Schneckenberg“, ein Überrest aus der früheren Befestigungsanlage. Bei einer Befragung hatten auch Besucher die Möglichkeit, eigene Gestaltungsideen zu entwickeln und zu äußern.

Umwelttag Am internationalen Tag der Umwelt, am 5. Juni, stand für die Bewohner der Stadt eine „grüne Straßenbahn“ bereit. Die Waggons hatten sich in eine regelrechte Oase von Grünpflanzen verwandelt; die Fahrgäste erhielten besondere Fahrscheine sowie Setzlinge von Topfpflanzen und konnten sich über verschiedene Aspekte des Umweltschutzes, der Pflanzenwelt und der Ökologie kundig machen. Außerdem war vom Elbinger Forstamt an der Wendeschleife in der Ogólna-Straße ein eigener Info-Punkt eingerichtet worden. Zu dieser Aktion hatte sich Elbing von vergleichbaren Ideen anderer polnischer Städte, insbesondere derjenigen, die wie Kattowitz in den Ballungszentren des oberschlesischen Industriereviers liegen, anregen lassen.

Erkundungen Das bisher brachliegende Grundstück zwischen der Wilhelm- und der Spiering-Straße (heute ul. Studzienna bzw. Bednarska) soll in naher Zukunft bebaut werden. Zuvor muss das Gelände allerdings archäologisch untersucht werden, und deshalb haben sich jetzt Spezialisten an die Arbeit gemacht. Entdeckt wurden bisher vor allem Geschirr und Geschirrscherben; die Archäologen stießen allerdings auch schon auf einen Gehsteig aus der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert sowie auf Latrinen, die sich auch sonst schon regelmäßig als regelrechte „Tresore“ erwiesen haben. Da in beiden Straßen vornehmlich Patrizier wohnten, ist aber noch mit erheblich interessanteren Entdeckungen zu rechnen.

Joanna Bator Die Schriftstellerin Joanna Bator, deren Bücher wie Dunkel, fast Nacht sich gerade in Deutschland großer Beliebtheit erfreuen, besuchte am 30. Mai die Elbinger Bibliothek. Sie erzählte von ihrer Kindheit in einer von den Deutschen verlassenen Wohnung in Waldenburg, in die ihre, selbst von den Schrecken des Krieges gezeichneten Großeltern hatten einziehen müssen, und ging dabei dem Problem transgenerationeller Traumata nach, die sich auch auf sie „vererbt“ hätten. Zudem sprach sie über Schlesien und die Fülle seiner inspirierenden Erinnerungsorte wie versunkene Stollen, Fürstenstein mit seinen sagenumwobenen unterirdischen Korridoren oder den mythischen Gold-Zug. – Joanna Szkolnicka

… Marienburg

 

Eine Glocke für Altfelde Im Rahmen eines feierlichen, vom ­Elbinger Bischof D. Jacek Jezierski abgehaltenen Stiftungsgottesdienstes in der Muttergotteskirche von Altfelde übergab der aus Wien angereiste Stifter Joachim Hildebrandt der Gemeinde eine Glocke, verbunden mit der Aufforderung: „Lasset die Glocke der Gemeinschaft und den Bewohnern dienen!“ Die Glocke trägt den Namen „Joachim“ und wird ihren Platz im Glockenstuhl des Kirchturms finden. – Die Mutter des Stifters, Charlotte Agnes Hildebrandt, geborene Büttner, wurde in Altfelde, der Stifter selbst 1938 in Berlin geboren. Der Urgroßvater Max Wunderlich war in Altfelde und Königsdorf Herr über einen seit mehr als dreihundert Jahren angestammten Familienbesitz. Daraus ergab sich, dass auf dem Friedhof Altfelde ein eigenes Mausoleum für die Familien Wunderlich und Hildebrandt errichtet wurde, das sich dank einigen Restaurierungsarbeiten in einem baulich sehr guten Zustand befindet (vgl. DW 4/2016). Nach dem Stiftungsgottesdienst suchten Bischof Jezierski, Joachim Hildebrandt und zahlreiche weitere Gäste der Feier auch das Familien-­Mausoleum auf. – Bodo Rückert

 

Gefähricher Brand    Am 28. Mai brach gegen 8.00 Uhr im Chemielager eines Brennstoffunternehmers in der Hafenstraße (im Ortsteil Sandhof) ein Feuer aus. Bald fielen brennende Teile des Dachs herab und drohten, mehrere außerhalb des Gebäudes lagernde Tanks mit Glycol, Glycerin und anderen chemischen Stoffen zu entflammen. Durch den umgehenden Einsatz einer zehn Mann starken Spezialeinheit aus Elbing konnte der Brand gelöscht und eine Explosion der Tanks verhindert werden.

 

Sportliche Erfolge Am 25. Mai fand in Dirschau ein Langstreckenlauf-Wettbewerb über die Viertel-Marathon-Distanz von 10,5 km statt. Drei Aktive aus Marienburg belegten Podiumsplätze, und zwar in der Altersgruppe der 35- bis 39-Jährigen bei den Frauen Agata Barnas die Gold- und bei den Männern Lukasz Godlewski die Bronzemedaille. Zudem errang Wojciech Orlinski in der Altersgruppe der 50- bis 54-jährigen Männer die Goldmedaille.

 

„Marienburg um 1800“ Am 28. und 29. Mai fand im Schlossmuseum eine polnisch-deutsche Konferenz statt, die dem Thema „Marienburg um 1800" gewidmet und von der Technischen Universität Berlin organisiert worden war. – Bodo Rückert

 

 

… Thorn

 

Stalag XXC (32) Am 8. Mai ist für die Opfer der Thorner Kriegsgefangenenlager in Glinke (Glinki) ein Denkmal eingeweiht worden. Auf der Tafel steht: „Zum Gedenken an Tausende von Opfern des deutschen und sowjetischen Totalitarismus, an Soldaten vieler Armeen sowie an Zivilisten aus Thorn und der Umgebung, die im Kriegsgefangenenlager Glinke während und nach dem 2. Weltkrieg starben oder getötet wurden“. Zudem ist eine Informationstafel aufgestellt worden, die in vier Sprachen, in Polnisch, Englisch, Russisch und Deutsch, über die Geschichte des Ortes informiert. Das gemeinsame ökumenische Gebet sprachen Priester Ryszard Domin, Pfarrer der römisch-katholischen Kirche in Glinke, und Pastor Michał Walukiewicz, Pfarrer der evangelisch-augsburgischen Kirche in Thorn, gemeinsam mit dem Popen der Thorner orthodoxen Kirche, Mikołaj Hajduczenia. Danach weihten sie das Denkmal ein, der stellvertretende Bürgermeister von Thorn, Zbigniew Fiderewicz, hielt eine Ansprache und Dr. Michał Targowski von der Kopernikus-Universität skizzierte die Geschichte dieses Lagers. Das Stalag XXC (312) war 1941 von der Wehrmacht für sowjetische Kriegsgefangene errichtet worden. Mit der Zeit kamen noch britische Kriegsgefangene und italienische Internierte hinzu. Im Februar 1945 übernahmen die Sowjets das Lager. Die Baracken füllten sich nun mit deutschen Kriegsgefangenen sowie mit deutschen, aber auch polnischen Zivilisten. Sie starben – wie zuvor die Rotarmisten – zumeist an Verwundungen, Krankheiten oder Hunger. – Im Frühjahr 2017 konnte die Mehrzahl der deutschen Soldaten exhumiert und im Juli desselben Jahres auf dem deutschen Militärfriedhof in Bartossen (Bartosze) bei Lyck (Ełk) bestattet werden.

 

Asien im Blick Am 17. Mai ging der dreitägige VI. Internationale Asien-Kongress zu Ende, der neuerlich von der Fakultät für Politikwissenschaft und Internationale Studien an der Nikolaus-Kopernikus-Universität, dem Marschall der Woiwodschaft, dem Stadtrat von Thorn sowie dem städtischen Zentrum für Wirtschaftsförderung ausgerichtet worden war. Diese Veranstaltung bildet in Mitteleuropa die bedeutendste Kontaktstelle zur Kultur, Wirtschaft und Politik Asiens. In diesem Jahr standen die ökonomischen und sozialen Potentiale der asiatischen Länder sowie die seit 30 Jahren bestehenden diplomatischen Beziehungen zwischen Polen und Südkorea im Mittelpunkt des Interesses, wobei das Programm mit immerhin 50 Panels freilich auch eine Fülle weiterer Themen berücksichtigte. 600 Wissenschaftler, Politiker, Diplomaten, Geschäftsleute und Vertreter des Kulturlebens waren aus 20 Ländern – aus Europa, Asien und den USA – angereist und debattierten über Politik und Ökonomie ebenso wie über Fragen technologischer Innovationen und Entwicklungen oder über Modelle einer tragfähigen globalen Zusammenarbeit von Staaten in der Zukunft. Den Eröffnungsvortrag hielt Kim Joon Hyung von der südkoreanischen Handong Global University, dessen wissenschaftlicher Arbeitsschwerpunkt bezeichnenderweise auf den chinesisch-­amerikanischen Beziehungen liegt.  – Piotr Olecki

 

 

 

 

Kompass (Adobe Stock) Danzig (Adobe Stock)
Galerie (Adobe Stock) Historisierende Collage (Adobe Stock)
Wahlprognosen und Stimmzettel (Adobe Stock) Kopernikusdenkmal in Thorn (Adobe Stock)