Notizen aus … (5/2019)

 

… aus der Dreistadt

 Super-Sauger Der Saugbagger Leiv Eriksson, der unter der Flagge Luxemburgs fährt, ist gegenwärtig von fast allen Stränden der Danziger Bucht aus gut sichtbar, denn in diesem Bereich ist das Spezialschiff der belgischen Jan de Nul Group seit Juni im Einsatz. Es hat die Aufgabe übernommen, die Schiffbarkeit zwischen der Spitze der Halbinsel Hela und dem – östlich der Westerplatte gelegenen – Nord-Hafen nochmals zu verbessern. Über eine Länge von gut 6.000 m wird die 600 m breite Fahrrinne auf 18 m vertieft. Dadurch wird sie zugleich für eine Nutzung im Gegenverkehr tauglich. Der ausgebaggerte Sand wird zum Auffüllen der östlich von Danzig gelegenen Strände dienen. Das Vorhaben soll im April 2020 abgeschlossen werden.

 

Danzig konkurriert mit Hamburg Der Hafen der Stadt, der für die polnische Wirtschaft eine wichtige Rolle spielt, kann Jahr für Jahr steigende Umschlagmengen für sich verbuchen. Am Tiefwasser-Terminal, den die Singapur PSA International betreibt, wurden – in der Maßeinheit für Standardcontainer TEU (Twenty-foot Equivalent Unit) – in 2018 1.948.974 TEU umgeschlagen, 2017 waren es nur 1.58 Mio. TEU gewesen, und ein weiteres Jahr zuvor sind lediglich 1,3 Mio. TEU über die Kaikanten gegangen. Mit weiteren Investitionen wird nun das ehrgeizige Ziel angestrebt, in naher Zukunft an die Umschlagergebnisse Hamburgs und anderer europäischer Seehäfen heranzukommen. Danzig liegt nach eigenen Angaben unter den Containerhäfen Europas an 15. Stelle und will unter den Ostseehäfen im nächsten Jahr den bislang drittgrößten, das russische Primorsk (Fischhausen), übertreffen.

 

Gefährliches Wrack Am 8. April 1945 wurde die TMS Franken bei einem sowjetischen Tieffliegerangriff in der Danziger Bucht versenkt. Inzwischen bereitet sie den Behörden erhebliche Sorgen, weil sich hier eine ökologische Katastrophe anbahnen könnte. Das 180 m lange Wrack liegt unweit von Hela in 70 m Tiefe. In den letzten Kriegsmonaten diente die Franken vor allem der Treibstoffversorgung des schweren Kreuzers Prinz Eugen. Aus der Dokumentation ist bekannt, dass sie bis zu 4.000 t an Treibstoffen transportieren konnte. Außerdem befindet sich im Wrack noch Munition in unbekannter Menge. Fachleute berechneten, dass die Schiffswände in den 74 Jahren, in denen das Schiff auf Grund liegt, bereits 7 mm Stahl durch Korrosion eingebüßt hätten und es in absehbarer Zeit zum Bersten des Rumpfes kommen könnte. Der dann auslaufende Treibstoff würde in der Lage sein, die Danziger Bucht nachhaltig zu verunreinigen und die Strände für einige Zeit unbenutzbar zu machen. Das Abbergen der Schadstoffe und der Munition hat sich als schwierig erwiesen, ist jedoch keineswegs unmöglich. In jedem Falle ist inzwischen große Eile geboten.

 

Husarenstück Auf dem Seesteg von Zoppot ist einem Sportflugzeug eine spektakuläre Landung geglückt: Der bekannte polnische Pilot Łukasz Czepiela, der bei der Fluglinie LOT ansonsten als Kapitän einer „Boeing Triple Seven“ (B 777) tätig ist, hat sich für diese Meisterleistung viele Monate lang vorbereitet und betonte, dass selbst für ihn, der bei der „Red Bull Air Race“ den Weltmeistertitel in der Challenger Klasse errungen hat, die Landung auf dem Zoppoter Seesteg zu einer seiner schwierigsten Aufgaben gehörte. Die Spannweite seines Flugzeuges beträgt 10,5 m und entspricht damit dem Abstand zwischen den beiden (gegenüber den Tragflächen geringfügig niedrigeren) Geländern des Seesteges.

 

Erfolgreicher Markt Der 759. Domi­n­i­kanermarkt ist am 18. August zu Ende gegangen; er hat neuerlich sehr viele Besucher angezogen und lässt mehr als zufriedene Händler zurück, die an insgesamt 750 Verkaufsständen gute Umsätze erzielen konnten. Auch in diesem Jahr waren Händler und Schausteller nicht nur aus vielen europäischen Ländern, sondern auch aus Georgien, Indien und der Türkei zusammengekommen. – Am ersten Tage wurde des ermordeten Stadtpräsidenten Paweł Adamowicz gedacht, der ein Jahr zuvor noch den Dominikanermarkt eröffnet hatte.

 

Impfmüdigkeit Besorgnis hat die Mitteilung ausgelöst, dass es bis Ende Juni 1.070 Elternpaare abgelehnt haben, ihre Kinder impfen zu lassen. In der ganzen Woiwodschaft Pomorze lag die Zahl – wie die Pressesprecherin der Gesundheitsbehörde, Anna Obuchowska, bekanntgab – sogar bei 4.072. In Polen können, wie die Sprecherin weiterhin erläuterte, Impfverweigerer zwar mit einem Bußgeld bis zu 1.000 Złoty belegt werden; diese Strafe würde bislang aber nur selten verhängt.

 

Unliebsame Entdeckung Gerade in der touristischen Hochsaison sind vermehrt Ratten auf der Speicherinsel gesehen worden. Das erst seit kurzem wieder neu bebaute Gebiet im Zentrum der Altstadt ist an drei Seiten vom Wasser umgeben, so dass sich in den naturgemäß feuchten Kellern leicht solche unangenehmen Schädlinge ansiedeln können. Zugleich ist die Speicherinsel für Besucher allerdings auch sehr attraktiv, zumal sich dort zahlreiche gastronomische Betriebe befinden. Deshalb hat sich der städtische Gesundheitsdienst sogleich des Problems angenommen; und sogar die Stadtpräsidentin soll diese Angelegenheit zur Chefsache erklärt haben.

 Peter Neumann

 

 

 

… Elbing

 

Staatssymbol Im Zweiten Weltkrieg wurde der Ort Bircza, ein Dorf im Karpatenvorland, gegen einen Angriff ukrainischer Nationalisten verteidigt. Der Erinnerung an diesen militärischen Erfolg, die „Verteidigung von Bircza“, dient der Name eines Kreisverkehrs – „Rondo Obrónców Birczy“ –, der sich im Norden der Stadt befindet. Diese Benennung hat ein (angetrunkener) Ukrainer offenbar als Provokation empfunden, denn er riss die polnische Flagge im Januar dieses Jahres herunter und versuchte sie in Brand zu stecken. Sein Angriff auf ein Staatssymbol wird jetzt gerichtlich aufgearbeitet, und dem Täter droht eine Gefängnisstrafe.Lech Słodownik

 

Zeichenschule Vom Juni bis zum ­August fand in Elbing für ganz junge, aber auch für etwas ältere Adepten der bildenden Kunst wiederum die „Szkicologia“ statt. Unter diesem Titel bot die Galeria EL neuerlich eine Reihe von kostenlosen Workshops zur Kunst des Zeichnens an. Die Kurse fanden an verschiedenen Stellen der Stadt, am Alten Markt, am Ufer des Elbing-Flusses, im Hof des Stadt-Museums oder im Innenraum der Galerie statt. Dadurch hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, sich künstlerisch mit sehr unterschiedlichen Sujets und Motiven auseinanderzusetzen.

 

Kleine Oase Das hinter der Stadtbibliothek befindliche Gelände ist saniert und gärtnerisch gestaltet worden. Auch die dortigen Fragmente der mittelalterlichen Stadtmauer wurden konserviert. Gepflasterte Wege erschließen jetzt das Terrain, Bänke laden zum Verweilen ein, und neben Sträuchern und Zierpflanzen befinden sich Beete mit Nutzpflanzen. Sie alle sollen noch mit kleinen botanischen Erklärungstafeln versehen werden.

 

Kunstwettbewerb Zum 30. Male findet in diesen Wochen der „Elbinger Salon“ statt, der, an eine frühere Tradition anknüpfend, wieder als Wettbewerb konzipiert worden ist und zu dem mehr als 100 Werke von 52 Künstlern zugelassen wurden. Die Arbeiten sind seit dem 4. Juli in der Galeria EL ausgestellt und können dort bis zum 8. September betrachtet werden. Drei Tage zuvor, am 5. September, werden die Namen der Preisträgerinnen und Preisträger bekanntgegeben. Die Entscheidungen fällen zwei Instanzen: einerseits eine Gruppe von Fachleuten, andererseits das Publikum, das ebenfalls seine Voten abgeben kann.

 

Der „Elbinger Vorfall“ Im Juli jährte sich zum 70. Male der sogenannte „Elbinger Vorfall“ – ein Schauprozess, den der Sicherheitsapparat des damaligen stalinistischen Staates inszeniert hatte: eine Gruppe von Elbingern, die nach dem Kriege aus Frankreich nach Polen zurückgekehrt waren, wurde als angebliche Saboteure für den Brand einer Produktionshalle des Betriebs Zamech (der vormaligen Schichau-Werft) verantwortlich gemacht und zu langjährigen Haftstrafen, in drei Fällen sogar zum Tode verurteilt (glücklicherweise wurden die Todesstrafen nicht vollgestreckt, und 1956 wurden alle Verurteilten freigelassen). Die damit verbundenen Vorgänge sind in einer Tagung erschlossen worden, die zum ersten Male ausschließlich diesem Thema gewidmet war. In diesem Rahmen wurde auch ein Dokumentarfilm gezeigt, der auf den Erinnerungen von Maria Pawlik, einer in Frankreich lebenden Witwe eines der Verurteilten, basiert. Deren Enkelin war aus Kanada angereist, um an der Konferenz teilzunehmen. Die Veranstaltung fand im Rathaus statt. Dort wurde auch eine Tafel-Ausstellung von Grażyna Wosińska gezeigt – einer Journalistin und Autorin eines populärwissenschaftlichen Buches über den „Elbinger Vorfall“. Die meisten der etwa 100 von ihr zusammengetragenen Aufnahmen, die beispielsweise die niedergebrannte Halle, Feuerwehrmänner, Angeklagte und Prozessurkunden festhalten, sind bislang der Öffentlichkeit noch nicht bekannt gewesen. 

Joanna Szkolnicka

 

… Marienburg

 

Geldsegen In diesem Jahr hat der polnische Staat die vom Landkreis beantragten Mittel für die Restaurierung sakraler Denkmäler nicht gekürzt, sondern vielmehr in fast dreifacher Höhe gewährt: Statt der erhofften 80.000 sind überraschender Weise 220.000 Złoty freigegeben worden. Dadurch ist es möglich geworden, dass die Gemeinden Notzendorf, Altmünsterberg, Großmontau und Mausdorf geplante Instandsetzungs- bzw. Restau­rie­rungs­maßnahmen in Auftrag geben konnten. Überdies wurden in diesem Zuge auch Haushaltsmittel für die Restaurierung des Eingangstores zum ehemaligen St. Georgenfriedhof an der Fleischergasse zur Verfügung gestellt.

 

Marienburg en miniature Eigentlich sollte im Eingangsbereich des Schloss-­Museums schon zum Beginn der touristischen Saison ein neues Miniatur-Modell der Marienburg aufgestellt werden. Als sich bei diesem Projekt Verzögerungen ergaben, wurde der Marienburger Künstler Piotr Banasik mit dieser Aufgabe betraut. In seinem Atelier stellt er jetzt einen Rohentwurf vor, der die Sponsoren derart überzeugte, dass man geduldig auf die Fertigstellung seiner Arbeiten zu warten bereit ist.

 

Neue Städtepartnerschaft Bereits seit 2011 arbeiten Marienburg und die russische, am Frischen Haff gelegene kreisfreie Stadt Swetly (Oblast Kaliningrad) erfolgreich zusammen. (Bis 1946 hieß dieser Ort „Zimmerbude“.) Am 19. Juli wurde in Anwesenheit der russischen Konsulin in Danzig sowie der Delegationen von sieben weiteren Marienburger Partnerstädten das entsprechende Abkommen von den beiden Bürgermeistern unterzeichnet.

 

Gedenktafel enthüllt Während des Zweiten Weltkriegs befand sich in Mielenz (Miłoradz) ein Arbeitskommando des deutschen Stalag XX-B Marienburg/Danzig. Im Bereich der ehemaligen Remise – die aufgrund der Initiative von Jan und Katarzyna Burchardt wiederhergestellt worden ist und vom Verein „Dawna Wozownia“ betreut wird – wurde zur Erinnerung an die Opfer am 29. Juni eine Gedenkstätte eingeweiht. Susan Howes, die Tochter eines Soldaten, der neben anderen Orten auch im Lager Mielenz gefangen gehalten worden war, enthüllte die Gedenktafel. Sie gemahnt ausdrücklich auch an den „Todesmarsch“, den alle Gefangenen im Januar 1945 antreten mussten und der, wie Susan Howes unter Berufung auf das Zeugnis ihres Vaters berichtete, bis zum Kriegsende dauerte und unter entsetzlichen Bedingungen stattgefunden haben muss.

 

Belagerung der Marienburg Turniere und heftige Gefechte zwischen tapferen Rittern, nächtliche Besichtigungen des Schlosses und die abendliche „Belagerung der Marienburg“, bei der Ereignisse des Sommers 1410 nachgespielt werden – an Attraktionen hat es dem dreitägigen Fest für Freunde der Living History auch in diesem Jahr nicht gefehlt. Dabei fand diese erfolgreiche Veranstaltung jetzt schon zum 20. Male statt. Das Fest wurde neuerlich von Aleksandr Krempecia vorbereitet und lockte wieder viele Besucher an. In besonderer Weise kamen die Fans der TV-Serie Korona królów (Die Krone der Könige), die auch in Marienburg gedreht worden ist, auf ihre Kosten; denn einige der Filmlieblinge beteiligten sich an der Parade, die über die Straßen rund um das Schloss führte, und zeigten sich huldvoll ihrem Publikum.

 

Digitalisierung von Quellen Dem Marienburger Stadtmuseum ist im Rahmen des Programms Digitale Kultur 2019 ein finanzieller Zuschuss für sein Projekt „Marienburg/Malbork – Förderung des städtischen Kulturerbes“ gewährt worden. Gleichzeitig erhielt das Stadtmuseum den Auftrag, bis zum Ende des laufenden Jahres die Digitalisierung aller Dokumente und Exponate, die aus dem Hamburger Marienburg-Archiv des Heimatkreises nach Malbork verlagert worden sind, vorzunehmen und sie ab 2020 im Internet zur Verfügung zu stellen.

 

 

… Thorn

 

Fest der Weichsel Mitte August fand in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern schon zum dritten Male das Weichsel-Festival statt, das in Thorn, Leslau (Włocławek), Hermannsbad (Ciechocinek), Osiek a. d. Weichsel und Obrowo ausgerichtet worden ist. In allen Schwerpunkt-Orten wurden den Besuchern viele Attraktionen geboten. Neben der Vorführung alter, oft fast vergessener Handwerke konnten z. B. auch Gerichte aus der regionalen Küche probiert werden. Für musikalische Unterhaltung wurde durch zahlreiche Konzerte – von klassischen Werken bis zu Festivals von Volks- und Seemannsliedern – gesorgt. Kurse führten in den Bau von traditionellen Booten ein, und kleine kostenfreie Schiffsausflüge fanden großen Zuspruch. Herausragende Programmpunkte bildeten eine Schiffsparade auf der Weichsel und das Multimedia-Event „Licht-Wasser-Sound” in Thorn. Freilich nahmen an dem Fest auch andere Ortschaften mit eigenen Beiträgen teil. In Nessau (Nieszawa) wurde beispielsweise eine Hl. Messe für die Flößer bzw. Flissaken gefeiert; oder in Lentzen (Włęcz), Kr. Thorn, konnte man an einem – nach speziellen Rezepten zubereiteten – „Mennonitischen Frühstück“ teilnehmen.

 

Justiz-Palast Am Platz des Sieges macht der Bau des neuen Amtsgerichts erkennbare Fortschritte. Seine Nutzfläche wird etwa 17.000 m² betragen, und es wird über 40 Verhandlungssäle verfügen. Gegenwärtig sind verschiedene Verwaltungseinheiten des Gerichts noch innerhalb der Stadt auf fünf verschiedene Stellen verstreut. Nun werden endlich alle zwölf der insgesamt bestehenden Abteilungen einen gemeinsamen Ort finden. Dies wird sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Bürger viele Vorteile bringen, zumal die Anlage über eine Tiefgarage verfügen wird und im unmittelbaren Umkreis weitere Parkplätze eingerichtet werden sollen. – Das neue Amtsgericht ist vom Danziger Architekturbüro „AA“ entworfen worden. Die Architekten bemühten sich, es harmonisch in das städtebauliche Umfeld einzupassen; sie entschieden sich für das Konzept eines zeitgemäß-modernen Bürogebäudes, das in der gegenüberliegenden repräsentativen, aus dem Jahre 1904 stammenden Villa einen stilgeschichtlichen Kontrapunkt findet. Das Gebäude – mit repräsentativen Glas-­Fassaden, großzügigen Verkehrsräumen sowie wärmehaltenden und optisch ansprechenden Holzverkleidungen – wird von der Warschauer Unternehmung Warbud S. A. errichtet. Die Eröffnung ist für 2021 geplant. Mit etwa 150 Mio. Złoty handelt es sich bei diesem Projekt übrigens um eine der größten staatlichen Investitionen, die seit Jahrzehnten in Thorn getätigt worden sind.

Piotr Olecki

 

Kompass (Adobe Stock) Danzig (Adobe Stock)
Galerie (Adobe Stock) Historisierende Collage (Adobe Stock)
Wahlprognosen und Stimmzettel (Adobe Stock) Kopernikusdenkmal in Thorn (Adobe Stock)