Damals war’s (4/2019)

 

Als die Flüchtlingskrise im Jahre 2015 ihren Höhepunkt erreichte, engagierten sich nicht zuletzt auch deutsche Heimatvertriebene und ihre Nachfahren in der Betreuung der hilfesuchend nach Deutschland gelangenden Menschen. Zugleich wurde in der Öffentlichkeit über die Vergleichbarkeit des historischen ostdeutschen Vertreibungsschicksals und heutiger Zwangsmigration diskutiert. So sprachen auf Einladung der Kulturstiftung Westpreußen im September 2015 bei einer Podiumsdiskussion, die unter dem Titel Angekommen. Flüchtlinge und Vertriebene :  damals – und heute. Begegnungen über Ländergrenzen und Generationen hinweg stand, im Westpreußischen Landesmuseum u. a. der Ehrenvorsitzende der Landsmannschaft Westpreußen, Siegfried Sieg, sowie Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak über gemeinsame Erfahrungen des Heimatverlusts und der Neubeheimatung.

Im Interview mit dem Westpreußen betonte der Zeithistoriker Manfred Kittel wiederum die – bei allen Gemeinsamkeiten individueller Erfahrung bestehenden – Unterschiede :  „Der kulturelle Aspekt stellt tatsächlich nur einen Gesichtspunkt dar. Der staatsrechtliche ist aber ebenfalls wichtig :  Die gute Hälfte der Flüchtlinge und Vertriebenen, die am Ende des Zweiten Weltkriegs und danach in den Rest Deutschlands kamen, waren von vornherein bereits deutsche Staatsbürger – genauso wie diejenigen, die sie aufnehmen mussten.“

Deutsche Heimatvertriebene im Kontext der Gesamtheit  der – heute sogar globalen – Zwangsmigrationen zu betrachten, ist jedoch eine Perspektive, die sich nicht erst den letzten Jahren verdankt. Nebenstehender Aufruf und Hintergrundbericht zum Weltflüchtlingsjahr 1959/1960 der Vereinten Nationen zeigt eindrücklich, dass bereits vor 60 Jahren ein Bewusstsein unter den von Flucht und Vertreibung betroffenen Deutschen vorhanden war, zu einer nationale und ethnische Grenzen übergreifenden Schicksalsgemeinschaft zu gehören. Hierzu mag gewiss beigetragen haben, dass – wie es auch aus der paraphrasierten Stellungnahme von Bundesvertriebenenminister Theodor Oberländer hervorgeht – zu dieser Zeit der soziale Aspekt des ostdeutschen Kriegsfolgenschicksals noch ein drängendes gesellschaftliches Problem darstellte.

Die globale Dimension der politischen Herausforderung Zwangsmigration prägte nicht zuletzt auch die Ästhetik der Sondermarken (10 und 40 Pfennig), die von der Deutschen Bundespost zum Weltflüchtlingsjahr herausgegeben wurden :  Sie zeigen einen stilisierten Baum in einer Weltkugel.         ■