Notizen aus … (3/2021)

 

… aus der Dreistadt

Zukunftssicher Der Ausbau des Danziger Hafens ist erfolgreich abgeschlossen. Das Wegenetz wurde in einer Länge von 10 km mit der notwendigen Infrastruktur von Rohrleitungen, Entwässerungskanälen und Zufahrten ausgestattet. Das Schienennetz wuchs – vor allem zum Anschluss des Kohle- und des Container-Hafens – um 7 km an. Vom Terminal für flüssige Ladungen aus entstanden zusätzliche Leitungen zu den Raffinerien. Der Leiter des Gesamtprojekts, Maciej Szymański, wies in einer Presseerklärung auf die besonderen logistischen Probleme hin, die aus der Notwendigkeit resultierten, die Arbeiten beim fortwährenden Betrieb der Hafenanlagen zu bewältigen.

 

Nullemission Elektrobusse von Mercedes werden schon im kommenden Jahr auf den Straßen von Gdingen zu sehen sein. Der Kaufvertrag ist bereits unterzeichnet. Die 24 Elektrobusse, die zunächst in Betrieb genommen werden, liefert der polnische Zweig von EvoBus, der größten europäischen Daimler-Tochter. Die Fahrzeuge entsprechen dem aktuellen Stand der Technik und bieten neben einer Klimaanlage auch hochwirksame Luftfilter. Sie sind zudem behindertengerecht und haben einen Defibrillator an Bord. – In Danzig hat sich ebenfalls schon eine vergleichbare „elektrische Revolution“ ereignet. Für die Zukunft ist hier die vollständige Elektrifizierung des gesamten ÖPNV in Planung, wobei die Finanzierung allerdings noch nicht abschließend geklärt werden konnte.

 

Mehr Zweiräder Die Anzahl der Radfahrer in Danzig hat im Jahre 2020 trotz oder gerade wegen der Covid-19-Pandemie deutlich zugenommen. Zu dieser Entwicklung hat gewiss der Ausbau des immer umfangreicheren Netzes von Fahrradwegen beigetragen. Die beliebtesten Routen führen entlang der Küste der Danziger Bucht von Neufahrwasser bis nach Zoppot sowie entlang der Hauptverkehrsader, die die beiden Orte miteinander verbindet, von Danzig nach Oliva. Zu den Favoriten gehören schließlich auch noch die Radwege auf der Insel Bohnsack. – Einen großen Erfolg hat auch die im letzten Herbst durchgeführte Kampagne „Mit dem Fahrrad zur Arbeit“ erzielt, die sich in einer deutlich geringeren Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs niedergeschlagen hat.

 

Lebenslänglich Das  ­Danziger Berufungsgericht musste sich mit einer Untat befassen, die bereits im Jahre 2014 begangen worden war. Michał S. und Krzysztof M., die inzwischen 36 bzw. 45 Jahre alt sind, haben damals den bekannten Geschäftsmann Zbigniew O. aus dem niederen Beweggrund der Habgier auf eine entsetzliche Weise umgebracht, indem sie ihn verletzt und bei lebendigem Leibe begraben haben. Als das Opfer von seiner Familie als vermisst gemeldet worden war, befand sich Michał S. wegen eines anderen Vergehens im Gewahrsam der Verfolgungsbehörden, geriet nun auch wegen dieser Tat in Verdacht – und führte die Ermittler, nachdem viele Monate vergangen waren, zu der Stelle, an der der Ermordete dann in eineinhalb Meter Tiefe aufgefunden wurde. Während zwei der Mittäterschaft Angeklagte in diesem Verfahren freigesprochen wurden, bestätigte das Gericht angesichts der eindeutigen Beweislage und der Ungeheuerlichkeit dieses Verbrechens für die beiden Hauptbeschuldigten das Urteil der Vorinstanz auf eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Peter Neumann

 

 

… Elbing

 

Garten des Gedenkens Auf einem Geländestreifen des Elbinger Musesums ist ein – auch gärtnerisch gestaltetes – Lapidarium entstanden. Es vereinigt Grabsteine von verschiedenen Elbinger Friedhöfen, die nach 1945 geschlossen und allermeist zerstört wurden. Hier hat nun auch das Grabdenkmal des Orgelbaumeisters Eduard Wittek einen würdigen Platz gefunden. Es befand sich ursprünglich auf dem Gottesacker von St. Marien und war im letzten Jahr per Zufall bei Bauarbeiten entdeckt worden. Der kleine Garten wurde überdies dem Andenken an die im Juni dieses Jahres verstorbene Kunsthistorikerin Wiesława Rynkiewicz-Domino gewidmet, die am Archäologisch-Historischen Museum gearbeitet und in dieser Zeitung einen umfangreichen Beitrag über dessen jetzige Heimstatt, das traditionsreiche Elbinger Gymnasiumsgebäude, veröffentlicht hat (DW 6 /2019).

Bartosz Skop

 

 

… Marienburg

 

Erinnerung an Ferdinand Schulz Der 1892 in Pissau, Kr. Rößel, geborene Flugzeugkon­strukteur, Flugsportler, Segelflieger und Segelfluglehrer Ferdinand Schulz, der „Ikarus von Ostpreußen“, stellte in den 1920er Jahren eine Reihe von Höhen- und Dauerflug-Rekorden auf, war 1927 Inhaber sämtlicher Segelflug-Weltrekorde und ist der Nachwelt nicht zuletzt dadurch in Erinnerung geblieben, dass er bei einer Kunstflug-Demonstration 1929 gemeinsam mit seinem Kopiloten Bruno Kaiser über dem Marktplatz von Stuhm abstürzte und dabei zu Tode kam. – 1927 war Schulz zum technischen und sportlichen Leiter des in Marienburg beheimateten Westpreussischen Vereins für Luftfahrt berufen worden. Deshalb lag es nahe, dass die Ausstellung Ferdinand Schulz und der Segelflug im früheren Ost- und Westpreußen nun vom 17. Juni bis zum 31. Juli in dieser Stadt, und zwar in der Galeria Nova des städtischen Kultur- und Bildungszentrum im Jerusalem-Hospital, gezeigt worden ist: Auf 43 Tafeln wurden Fotos, Gemälde und Dokumente aus den 1920er und auch 1930er Jahren präsentiert, und eine attraktive Ergänzung bildete ein Modell der von Ferdinand Schulz entwickelten F. S. 3, der berühmten „Besenstielkiste“, das vom Deutschen Segelflugmuseum nach den Original-Plänen im Maßstab 1 : 2 gefertigt worden ist. – Die Wanderausstellung ist aus einer Kooperation des Ostpreußischen Landesmuseums mit mehreren polnischen Partnern entstanden und soll eine noch umfangreichere Schau sowie eine Buchpublikation vorbereiten, die beide zu Schulz’ 130. Geburtstag im kommenden Jahr geplant sind.

 

In neuem Glanz Zwei kommunal verwaltete

Wohnhäuser sind im Rahmen des von der EU mit geförderten Programms, das der Revitalisierung der historischen Altstadt gewidmet ist, aufwändig saniert und renoviert worden. Dies betrifft neben Dämm-Maßnahmen sowohl die Außenfassaden als auch die Treppenaufgänge. Auf diese Weise wird Stück für Stück die alte Bausubstanz der Stadt erhalten und im besten Sinne ansehnlich gemacht. Die Gesamtkosten beider Investitionen beliefen sich auf über 600.000 Złoty.

 

Die Hoffnung bleibt Schon im letzten Jahr war eine Neugestaltung der Grünfläche bzw. des ehemaligen Friedhofs am Jersualem-Hospital geplant worden, die bei den Bürgern ein äußerst positives Echo gefunden hatte: Das Terrain soll durch das Anlegen von Wegen sowie die Installation von Leuchten und Überwachungskameras erschlossen und gestaltet werden. Zudem sind Bänke, Sitzecken, Fahrradständer und Müllbehälter sowie ein kleiner Spielplatz mit Schaukeln, Wippen, einem Karussell und einem Sandkasten vorgesehen; und nicht zuletzt ist mit Trimm-Dich-Geräten und einem Twister auch an die Aktivierung von Jugendlichen und Erwachsenen gedacht worden. Überdies soll der Park noch ein Lapidarium von erhaltenen Grabsteinen des ehemaligen Friedhofs umfassen. 

 Diese Pläne ließen sich im vergangenen Jahr aber nicht realisieren, weil die Gelder, die die Stadt für diese Maßnahme in ihren Haushalt eingestellt hatte, nicht einmal der Hälfte der Kosten von 1,6 Mio. Złoty entsprachen, auf die der günstigste Anbieter in seiner Kalkulation gekommen war. In den nächsten Wochen soll, wie die Stadtverwaltung verlautbart hat, die Ausschreibung nochmals wiederholt werden – sofern möglicherweise noch ergänzende Mittel vom Marschall der Woiwodschaft eingeworben werden können. So bleibt es für die Bürger fraglich, ob dieses neue Verfahren tatsächlich zu einem besseren Ergebnis zu führen vermag.

Marek Dziedzic

 

… Marienwerder

 

15 Minuten schneller Die aufwändigen Arbeiten am Bahnhof der Stadt sind erfolgreich abgeschlossen worden, und auch die Modernisierung der Eisenbahnlinie Nr. 207 ist weit vorangeschritten. Schon im Juni ist der Zugverkehr auf dem Abschnitt von Marienburg bis Marienwerder in Betrieb genommen worden, und ab Ende Dezember soll die Weiterfahrt bis Garnsee wieder möglich sein. Erneuert wurden zudem die Haltestellen von Braunswalde (Gościszewo), Stuhmsdorf (Sztumska Wieś), Rehdorf (Ryjewo) und Rachelshof (Brachlewo), die bequeme Zugangsrampen sowie Bänke, Wartehäuschen, eine LED-Beleuchtung und elektronische Informationstafeln erhalten haben. Inzwischen haben auch schon die Arbeiten am Gebäude und am Gleissystem des Bahnhofs von Stuhm Fortschritte gemacht. Die Strecke wird in Zukunft mit höheren Geschwindigkeiten befahren werden. Statt der bislang zugelassenen 60 bis 80 werden dann im Frachtverkehr 100 und im Personenverkehr bis zu 120 km/h möglich sein. Die Kosten für die Erneuerung der Strecke von Marienburg bis an die Woiwodschaftsgrenze belaufen sich auf 212 Mio. Złoty, von denen fast 85 % aus EU-Mitteln stammen. – Im März erhielt die Multiconsult Polska von der Bahngesellschaft PKP Polskie Linie Kolejowe S.A. zudem den – mit einem Volumen von 4,33 Mio. Złoty dotierten – Auftrag, bis zum zweiten Quartal 2023 ein Planungskonzept für die Renovierung der Bahnlinie 207 von der Woiwodschaftsgrenze bis zum Bahnhof Graudenz zu entwickeln. Die dafür entstehenden Kosten werden zum größten Teil aus Mitteln der Woiwodschaft Kujawien-Pommern bestritten. Die Umsetzung dieses Vorhabens ist bereits in der PKP-Haushaltsplanung der Jahre von 2021 bis 2027 berücksichtigt. Nach der Fertigstellung der gesamten Strecke von Marienburg nach Graudenz wird sich die Fahrtzeit um immerhin 15 Minuten verkürzen.

Marek Dziedzic

 

… Strasburg

 

In luftiger HöheBereits vor einigen Wochen  haben die Renovierungsarbeiten an der Pfarrkirche St. Katharina begonnen. In diesem prachtvoll ausgestatteten Gotteshaus, das auf das späte 13. Jahrhundert zurückgeht, blieben beachtenswerte sakrale Kunstwerke wie etwa zwölf Apostelfiguren und das Kruzifix aus der Gotik oder barocke Altäre bewahrt. Nun gilt es, das schützende Dach des Presbyteriums von Grund auf zu sanieren. Nach der Instandsetzung des Dachstuhls konnte mit der Erneuerung der Dachziegel begonnen werden. Allein der stattliche Betrag von 560.000 Złoty musste für diese Maßnahmen veranschlagt werden, wobei der Eigenanteil der Kirche 152.000 Złoty beträgt. Weitere Kosten müssen darüber hinaus für die notwendigen Erdarbeiten am Presbyteriumsgebäude und für die Konservierung des Mauerwerks eingeplant werden.

Rafał Grosch

 

 

… THORN

 

Aufwändige Erneuerung Anfang Juli besuchte Piotr Całbecki, der Marschall der Woiwodschaft, Ciechocinek (Hermannsbad) bei Thorn, um dort den Fortschritt der Ende März 2020 begonnenen Modernisierungs- und Ausbauarbeiten an den berühmten Gradierwerken zu inspizieren. Diese sind für die Stadt von erheblicher Bedeutung, denn sie bilden für die Kurgäste und Touristen ganz besondere Attraktionen. Die ersten beiden Anlagen wurden in den Jahren von 1824 bis 1828 nach dem Entwurf von Professor Jakub Graff von der Bergbauakademie in Kielce gebaut. Die dritte entstand im Jahre 1859. Sie dienten anfänglich zur wirtschaftlichen Exploration der unterirdischen Salinen. Da sich physikalische Medizin- und Therapie-Ansätze während des 19. Jahrhunderts immer stärker verbreiteten, wurden die Gradierbauten späterhin vornehmlich für die Behandlung von Lungen- und Atemwegserkrankungen durch Salzluft-Inhalation eingesetzt.

 Die Kosten der laufenden Maßnahme werden mit 21,6 Mio. Złoty beziffert, von denen 15 Mio. aus regionalen Fördermitteln der Woiwodschaft Kujawien-Pommern stammen. Mit diesen Geldern können zwei der Konstruktionen, von denen jede 15 m hoch und 10 m breit ist und auf 7.000 Eichenpfählen steht, saniert werden. Sämtliche Holzelemente waren zu prüfen und nötigenfalls zu erneuern. Sodann wurde damit begonnen, die mächtigen Anlagen mit Schlehen-Reisigbündeln zu verfüllen, die eigens aus dem ukrainischen Bieszczady-Gebirge herangebracht wurden. Da die Bauarbeiten bislang trotz einiger unvermeidlicher Covid-19-Einschränkungen insgesamt störungsfrei verlaufen sind, sollten sie plangemäß bis Ende dieses Jahres abgeschlossen werden können.

 

Akrobaten der Lüfte Vom 29. Juli bis zum 6. August fanden am Thorner Flugplatz die 14. World Advanced Aerobatic Championship (WAAC) – die Internationalen Meisterschaften im Kunstflug für Fortgeschrittene – statt, die ursprünglich nach Tschechien vergeben worden waren, aber aufgrund der dort geltenden Corona-Beschränkungen nun in Polen ausgerichtet wurden. Es nahmen 35 Piloten aus neun europäischen Ländern teil. Am Himmel waren nun mehrere Tage lang Flugzeugtypen wie die Extra 330SC, die Sukhoi 31MX oder die AVA432MXS zu beobachten und zu bewundern. Den Einzelwettbewerb entschied Dmitrij Samokhvalov aus Russland für sich, gefolgt von Oliver Bax aus Deutschland und Robin Picard aus Frankreich. Die erstplatzierte Mannschaft kam ebenfalls aus Russland. Thorn war nach der Weltmeisterschaft im Segel-Kunstflug 2017 und der Kunstflug-Europameisterschaft 2019 nun schon zum dritten Mal Ausrichter solch eines internationalen Wettbewerbs.

 

„Freiheit” In den Tagen des „Weichsel-Festivals“ konnten die Besucher der Stadt eine zwischen dem Rathaus und Artushof schwebende – und abends illuminierte – Installation bewundern: ein Luftschiff, das Łysz.Ka, d. h. Dr. Katarzyna Łyszka Łyszkowska, geschaffen hat und dem die Künstlerin von der Fakultät der Schönen Künste der Kopernikus-Universität den Namen Wolność (Freiheit) gegeben hat. Der Zeppelin hat statt der Gondel ein Herz, und die gesamte Außenhaut ist mit unterschiedlichsten Zeichnungen bedeckt. Die Ideen zu den Entwürfen gewann Łysz.Ka aus Anregungen, die sie aufgrund eines Aufrufs im Internet von vielen Menschen aus Polen erhielt. Sie alle teilten der Künstlerin mit, was für sie jeweils „Freiheit“ ausmacht, so dass letztlich eine kollektive, generationenübergreifende Vision dieses gesellschaftlichen Leitbegriffs entstanden ist.

 Zugleich spielt die Form des Kunstwerks auf die Thorner Geschichte an: Seit 1909 waren hier deutsche Militär-Luftschiffe und Beobachtungsballons stationiert; und im Jahre 1922 besuchte LECH, der erste, in Frankreich erworbene polnische Zeppelin, die Stadt, um hier für die Bildung einer Ballontruppe zu werben. Aus diesem Anlass wird für das nächste Jahr eine Jubiläumsfeier vorbereitet.

 

 

Weichsel-Festival Vom 13. bis zum 15. ­August fand in Leslau (Włocławek) und Thorn schon zum fünften Mal das „Festival der Weichsel“ statt, das die beiden an der Weichsel gelegenen Städte miteinander verbindet. Hier geben sich so viele historische Boote und Schiffe ein Stelldichein wie sonst nirgendwo in Polen; dazu zählte beispielsweise die Nasuta, ein mittelalterlicher Frachtkahn, der aufgrund einer Darstellung auf einem zeitgenössischen Gemälde nachgebaut worden ist. Das vielfältige Veranstaltungsprogramm mit Konzerten, Möglichkeiten zu Schifffahrten, der Einladung zu Flissaken-Tanzabenden oder nicht zuletzt Marktständen von Krämern und Vertretern alter Handwerke oder mit speziellen kulinarischen Angeboten lockten viele Menschen an die Weichsel. Großes Interesse fand auch die Langstreckenregatta von Nieszawa (Nessau) nach Thorn, die zum ersten Male bereits 1936 durchgeführt worden war.

Piotr Olecki

 

 

 

 

Danzig (Adobe Stock) Danzig (Adobe Stock)
Kompass (Adobe Stock) Galerie (Adobe Stock)
Historisierende Collage (Adobe Stock) Wahlprognosen und Stimmzettel (Adobe Stock)