Notizen aus … (3/2020)

 

… aus der Dreistadt

Bürger-Dialog  Das Bemühen, den Einwohnern von Danzig die Zugänge zur Verwaltung zu erleichtern und insbesondere auch eine Gelegenheit zum Äußern individueller Anliegen zu schaffen, hat sich als äußerst erfolgreich erwiesen. Das vor einem Jahr eingerichtete städtische Kontakt-Zentrum bietet die Möglichkeit, 24 Stunden lang und gleichermaßen an Werk- wie Sonn- und Feiertagen kompetente Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter telefonisch, per Mail oder auf Facebook anzusprechen, von ihnen Informationen zu erhalten oder ihnen auch eigene Anregungen zu übermitteln. Dabei geht es vornehmlich um Hilfestellungen beim Umgang mit einzelnen Behörden, aber auch um Fragen des Verkehrs, des Tourismus oder des gesellschaftlichen Zusammenlebens im Allgemeinen. Während des einjährigen Probelaufs haben die Mitarbeiter über 30.000 persönliche Telefonate geführt und mehr als 40.000 Meldungen erhalten. Angesichts dieser ausgezeichneten Bilanz wird das Kontakt-Zentrum seine Arbeit auch weiterhin fortsetzen.

 

Expansion  Das Danziger Stadt- und Einzugsgebiet dehnt sich immer weiter nach Süden hin aus. Deshalb werden Planungen von entsprechenden Eisenbahnverbindungen, insbesondere mit der Kaschubei, energisch vorangetrieben: Die Danziger Stadtpräsidentin Aleksandra Dulkiewicz hat gemeinsam mit Vertretern der anliegenden Gemeinden Praust (Pruszcz Gdański), Kahlbude (Kolbudy) und Zuckau (Zukowo) sowie dem Vorstandsvorsitzenden der – speziell auf die Strukturen der Dreistadt zugeschnittenen – S-Bahn (PKP SKM) eine Absichtserklärung unterzeichnet, in der sich die Partner darauf verständigen, das Konzept des Netzausbaus bis zum Ende des laufenden Jahres fertigzustellen. Dieser Termin soll unbedingt eingehalten werden, weil nur dann noch rechtzeitig ein EU-Antrag auf eine finanzielle Förderung für den Zeitraum von 2021 bis 2027 eingereicht werden kann.

 

„Neuer“ Hauptbahnhof  Der denkmalgeschützte Danziger Hauptbahnhof wird gegenwärtig tiefgreifend umgebaut. Dabei geht es vor allem um die vollständige Renovierung der Außenfassade, die Wiederherstellung der Empfangshalle nach historischem Vorbild und den behindertengerechten Ausbau der gesamten Anlage. Im Rahmen dieser Maßnahme wurde auf der Fläche zwischen dem Fernbahnhof und den Haltestellen der S-Bahn ein kleines „Container-Dorf“ aufgestellt, in dem vorübergehend die Fahrgäste betreut werden. Der Verkehr am Bus-Bahnhof und an den vom Hauptgebäude aus zugänglichen Straßenbahn-Haltestellen soll – wie Krzysztof Mamiński, der neuberufene Präsident der Polnischen Staatsbahnen (PKP) bei der Vorstellung des Projekts erläuterte – während der Umbauarbeiten weitgehend störungsfrei verlaufen. Die Tunnelverbindung zu den weiteren Haltestellen des ÖPNV wird jedoch in die Maßnahmen einbezogen, so dass hier Behinderungen der Fußgänger nicht ausgeschlossen sind. Den Zuschlag für die Ausführung erhielt das Bauunternehmen Mostostal Warszawa. Da das Angebot niedriger war als dasjenige anderer Bewerber, aber trotzdem noch oberhalb des bereits von 70,6 auf 83,4 Mio. Złoty (19,5 Mio. EUR) angehobenen Budgets lag, wurde für die Auftragserteilung eine nochmalige Anhebung des Finanzvolumens erforderlich. Die Bauarbeiten sollen Ende 2021 abgeschlossen sein.

 Peter Neumann

 

 

… Elbing

 

UnterQuarantäne  Die strengen Einschränkungen, denen das Leben in Elbing unterworfen worden ist, scheinen Erfolge zu zeitigen. Bis Anfang April lag nach Auskunft des Kreis-Gesundheitsamtes die Anzahl der nachweislich am Corona-Virus Erkrankten im Stadtgebiet unverändert bei nur 14 Personen. Weitere 57 Menschen waren zu diesem Zeitpunkt unter Quarantäne gestellt worden, und 126 wurden epidemiologisch überwacht. Glücklicherweise waren bislang noch keine Todesfälle zu beklagen. Das ehemalige Städtische Krankenhaus in der Pott-Cowle-Straße (ul. S. Żeromskiego) ist inzwischen speziell für die Bekämpfung der Corona-Pandemie eingerichtet worden.

 

Keine Wahl  Stadtpräsident Witold Wróblewski hat offiziell beantragt, die für den 10. Mai dieses Jahres geplanten Präsidentschaftswahlen auf einen späteren Termin zu verschieben. Ein entsprechendes Schreiben ging sowohl an den Sprecher des Sejm als auch den Premierminister in Warschau sowie an den Leiter der Wahlkommission in Elbing. Darin wies Wróblewski auf das erhebliche Risiko hin, dem die Menschen bei der Organisation und Durchführung solch einer Wahl ausgesetzt seien, und lehnte es ab, unter den gegebenen Gefährdungen die Verantwortung für Leib und Leben der Bürgerinnen und Bürger zu übernehmen. Die Sicherheit der Stadt habe, sagte er, für ihn die allerhöchste Priorität.

 

Kein „Hosianna“  Zum ersten Male seit vielen Jahrzehnten ging in der Stadt niemand am Sonntag vor Ostern Palmwedel schwenkend zu seiner Kirche; und es fand auch kein einziger Gottesdienst statt. Dieser – gerade für Polen schwer zu akzeptierende – Verzicht war aufgrund der staatlichen Bestimmungen unausweichlich geworden. Zudem hatte der Elbinger Bischof Jacek Jezierski bei den Gläubigen um Verständnis für diese gravierende Entscheidung geworben und auch seinerseits gebeten, sich von allen gesellschaftlichen Aktivitäten fernzuhalten und auf Treffen mit Freunden oder sogar Mitgliedern der eigenen Familie zu verzichten. 

Lech Słodownik

 

… Marienburg

 

Pandemie Aufgrund der Verordnung, die der polnische Gesundheitsminister angesichts der Corona-Krise am 13. März erlassen hat, gelten seitdem auch in Marienburg strenge Abstandsregelungen und Kontakt-Sperren. Zudem ist ab dem 16. April das Tragen eines Mundschutzes in der Öffentlichkeit verpflichtend geworden. Das rasche Handeln der Behörden findet bei der Bevölkerung weitgehende Zustimmung, denn das Bewusstsein, dass alle ausnahmslos und in hohem Maße gesundheitlich gefährdet sind, ist weit verbreitet. Ob bzw. wann die Einschränkungen schrittweise gemildert werden, ist gegenwärtig nicht abzusehen. Immerhin wurde in der Stadt bis Mitte April noch keine bestätigte Corona-Infektion gemeldet. – Der soeben erwähnte Erlass des Gesundheitsministers hat Bürgermeister Marek Charzewski dazu veranlasst, auch den Städtischen Markt unbefristet zu schließen.

 

Terminverschiebung Ebenso wie Witold Wróblewski in Elbing haben auch die Bürgermeister Marek Charzewski und Leszek Tabor in Marienburg bzw. Stuhm dafür plädiert, die auf den 10. Mai angesetzte Wahl des polnischen Staatspräsidenten aufgrund der Corona-Krise zu verschieben. In Schreiben an die staatliche Wahlkommission in Warschau und den regionalen Wahlkommissar in Danzig haben sie erklärt, dass sie sich im Blick auf die gesundheitlichen Risiken, die für die Wähler und Wahlhelfer bestünden, außerstande sähen, die Wahl in angemessener Weise zu organisieren und durchzuführen.

 

Flugschau Auf dem Flughafen Königsdorf wurde nach einer längeren Pause der Flugbetrieb mit MIG-29-Maschinen wieder aufgenommen. Dadurch ist eine wichtige Voraussetzung dafür erfüllt, dass die beim Publikum äußerst beliebte, mit der Vorstellung neuer Waffensysteme verbundene Flugschau neuerlich organisiert werden kann. Nach der letzten Veranstaltung dieser Art, die 2018 erfolgreich durchgeführt worden war, stürzte 2019 einer der MIG-29-Jäger ab; deshalb mussten die Flugbegeisterten in jenem Jahr auf die spektakuläre Flugschau verzichten. Ob sie 2020 tatsächlich am 12. September wird stattfinden können, ist gegenwärtig – im Blick auf die Corona-Krise – allerdings keineswegs sicher.

 

Unglück In Simonsdorf ist eine mit zwei Eisenbahnern besetzte Draisine von einer Lokomotive erfasst und über vierhundert Meter mitgeschleift worden. Beide Personen erlitten tödliche Verletzungen. Die Eisenbahnstrecke musste wegen der Unfallaufnahme für mehrere Stunden gesperrt bleiben. Bodo Rückert

Bodo Rückert

 

 

… Kujawien-Pommern

 

Barrierefrei Die PKP, die Staatlichen Polnischen Eisenbahnen, haben, mit einem Finanzierungs­anteil aus EU-Mitteln, 100 Mio. Złoty für die Modernisierung von 15 Bahnstationen bereitgestellt. Dabei geht es darum, die Bequemlichkeit und Sicherheit der Fahrgäste z. B. durch neue Bahnsteigüberdachungen und -markierungen zu verbessern und vor allem durch Rampen oder den Einbau von Fahrstühlen Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Nutzung der Züge zu erleichtern oder überhaupt zu ermöglichen. In früheren Phasen des Programms sind bereits die Hauptbahnhöfe von Stettin, Danzig oder Rzeszów modernisiert worden. Nun finden acht Bahnstationen in Kujawien-Pommern Berücksichtigung. Für die Einwohner von Thorn ist dabei besonders interessant, dass auch die Bahnhöfe Thornisch Papau (Papowo Toruńskie), Tauer (Turzno) und Kamionki-See dazugehören, denn sie liegen an der Strecke, die zu einem der beliebtesten sommerlichen Ausflugsziele führt.

 

Burg-Pflege Ein regionales Förderprogramm der Woiwodschaft Kujawien-Pommern verfolgt mit einem Gesamtvolumen von 23 Mio. Złoty das Ziel, Baudenkmäler zu erhalten und für Besucher zu erschließen. Von dieser Summe geht ein Betrag von rd. 2,5 Mio. Złoty als Zuschuss an die Schwetzer Burg. Mit diesen Mitteln soll neben dem 34 m hohen Turm – der mit einer vertikalen Abweichung um 106 cm übrigens der höchste schiefe Turm in Polen ist – das Gebäude saniert werden, damit es in Zukunft das Museum des Schwetzer Landes beherbergen kann. Zudem wird das Gelände im Umfeld der Burg neu gestaltet. Den Planern schwebt vor, dass hier für die Bürger wie für die Touristen ein attraktiver Ort entsteht.

 

Tiermedizin Auch wenn im ganzen Land die Corona-Pandemie herrscht, vermag sie die Realisierung langfristiger Zukunftspläne nicht gänzlich zu verzögern. Die Nikolaus-Kopernikus-Universität unterzeichnete den Vertrag über den Bau ihres neuen veterinärmedizinischen Zentrums. Das Gebäude mit der Gesamtfläche von 6.412 m2 entsteht an der Bromberger Chaussee. Im Untergeschoß wird neben der Tiefgarage und der Hauptgarderobe die klinische Abteilung für Schweine eingerichtet. Im Erdgeschoß finden die Aufnahme, der Warteraum und die klinische Abteilung für die anderen Großvieh-Gattungen (Rinder und Pferde) ihren Platz. Das Obergeschoss wird Raum bieten für die Kleintier-Klinik und vier Operationssäle sowie für die Bereiche der wissenschaftlichen Forschung und der Lehre. Auf dem Dach schließlich wird eine großzügige Aussichtsterrasse angelegt. Den Auftrag für die Errichtung dieses dann modernsten tiermedizinischen Zentrums in ganz Polen erhielt die österreichische Strabag SE, die sich verpflichtet hat, den Bau binnen 600 Tagen fertigzustellen. Das Finanzvolumen beträgt fast 31 Mio. Złoty. Im nächsten Jahr wird die medizinische Ausstattung öffentlich ausgeschrieben, die beispielsweise CT- und MRT-Geräte umfasst. Zudem soll ein innovatives System zum Transport der Tiere innerhalb der Anlage entwickelt werden.

Piotr Olecki

 

 

 

 

 

Kompass (Adobe Stock) Danzig (Adobe Stock)
Galerie (Adobe Stock) Historisierende Collage (Adobe Stock)
Wahlprognosen und Stimmzettel (Adobe Stock) Kopernikusdenkmal in Thorn (Adobe Stock)