Notizen aus … (2/2021)

 

… aus der Dreistadt

Nachfolger Die Danziger Katholiken haben einen neuen Erzbischof. Dazu ist von Papst Franziskus der Erzbischof von Białystok, Tadeusz Wojda, ernannt worden. Er löst den bisherigen Amtsinhaber, Erzbischof Sławoj Leszek Głódź, ab, der gerade in den letzten Jahren mehrmals durch eine – vorsichtig ausgedrückt – unflexible Haltung sowie durch fragwürdige Entscheidungen und Äußerungen in einem wenig günstigen Licht erschienen ist und dessen altersbedingter Rücktritt der Papst im August des vergangenen Jahres angenommen hatte. „Ich vertraue darauf, das seine seelsorgerischen Erfahrungen, die er in Białystok erworben hat, sich auch in Danzig bewähren werden“, kommentierte der Vorsitzende des polnischen Episkopats, der Posener Erzbischof Stanisław Gądecki, die Berufung von Tadeusz Wojda. Viele Gläubige und Priester in der ganzen Diözese hoffen zuversichtlich, dass durch das Wirken des neuen Oberhirten die inzwischen aufgestauten Spannungen und Konflikte endlich gemildert, wenn nicht gar abgebaut werden können. Er scheint in der Lage zu sein – wie der Pfarrer Tadeusz Isakowski äußerte –, die Wogen zu glätten und dabei Probleme offen anzusprechen, anstatt sie im Gegensatz zu anderen „unter den Teppich“ zu kehren.

 

Schleppende Ermittlungen Bei der Danziger Abschluss-Veranstaltung zum „Großen Orchester der Weihnachtshilfe“, die am 13. Januar 2019 auf dem Kohlenmarkt stattfand, wurde der damalige Stadtpräsident, der bekannte und überaus beliebte Politiker Paweł Adamowicz, auf offener Bühne von einem Attentäter angegriffen und durch Messerstiche so schwer verletzt, dass er am nächsten Tag im Krankenhaus verstarb. In diesem Fall, der auch international große Bestürzung hervorrief, sind die Ermittlungen bis heute nicht abgeschlossen. Der Täter, Stefan W., sitzt seit seiner Tat in Untersuchungshaft, und es wurden über ihn bereits zwei psychiatrische Gutachten erstellt. Der Zeitpunkt, an dem tatsächlich Anklage erhoben wird, ist aber, wie die Familie des Ermordeten mitteilte, immer noch nicht abzusehen. In einer von 300 renommierten Persönlichkeiten unterzeichneten Petition an die Danziger Justiz ist deshalb jetzt öffentlich die Forderung erhoben worden, nach einer ungewöhnlich langen Verzögerung endlich dafür zu sorgen, dass das Strafverfahren eröffnet werden kann.

 

Verbesserte Impf-Angebote ­Danzig und Zoppot haben gemeinsam ein neues Impf-Zentrum in Betrieb genommen. Es befindet sich in der Ergo Arena, der größten Veranstaltungsstätte in der Dreistadt. Geimpft wird an sechs Tagen pro Woche jeweils zwischen 8.00 und 18.00 Uhr. Es stehen insgesamt sieben Impfgassen mit Kabinen zur Verfügung, und das Personal stellen die Danziger Krankenhäuser und der Sanitätsdienst der polnischen Armee. Mit diesem neu eingerichteten Zentrum soll es jetzt möglich sein, innerhalb der Woiwodschaft Pomorze wöchentlich 200.000 Personen zu impfen.

 

Batterie-Produktion Der schwedische Konzern Northvolt wird in Danzig auf einer Fläche von 50.000 m2 eine Produktionsstätte für Batterien errichten. Die Investitionskosten betragen 200 Mio. US-Dollar, der Baubeginn ist für den Herbst geplant, und die Produktion soll schon im Jahre 2022 anlaufen. Einschließlich der Forschungsabteilung werden hier 500 neue Arbeitsplätze entstehen. Die Fabrikationsanlage soll Akkumulatoren für den Europäischen Markt herstellen, und diese Produkte werden aufgrund der rasanten Zunahme der E-Mobilität dort optimale Absatzchancen finden. Die Verknüpfung des Bauvorhabens mit der technisch-innovativen Entwicklung des Autobaus zeigt sich nicht zuletzt daran, dass das schwedische Unternehmen Northvolt 2015 von Peter Carlsson gegründet worden ist, der zuvor fünf Jahre lang als Tesla-Manager beschäftigt war und eng mit Elon Musk zusammengearbeitet hat.

 

Abschied Nach 46 Jahren sind in Danzig die letzten Straßenbahnzüge des Typs 105N (bzw. 105Na) aus dem Fahrbetrieb genommen worden. Diese Bahnen, die von Konstal in Königshütte (Chorzów) seit 1977 gebaut wurden, kamen in Danzig ab 1981 zum Einsatz und waren den Bewohnern über 40 Jahre lang vertraut. Deshalb fiel einigen bei der offiziellen Außerdienststellung am 8. März der endgültige Abschied nicht ganz leicht – auch wenn die modernen Niederflur-Fahrzeuge von der Bromberger Firma Pesa, die von nun an ausschließlich genutzt werden, in Bezug auf Sicherheit, Geschwindigkeit und Fahrgastkomfort über erhebliche Vorzüge verfügen.

 

London direkt British Airways hatte ab 1998 schon einmal eine Route nach London – zum Flughafen Gatwick – bedient, 2001 aber eingestellt. Nun nimmt die Gesellschaft im Sommer wieder einen regulären Dienst zwischen Danzig und London auf, und zwar sollen Flüge zwischen dem 2. Juli und dem 26. September dreimal pro Woche (Mi, Fr und Sa) stattfinden. Dabei kommt ein Airbus A-320, der über 180 Sitze verfügt, zum Einsatz. Tomasz Kloskowski, der Direktor des Lech-Wałęsa-Airports, wertet diesen Entschluss der weltweit operierenden britischen Fluggesellschaft als großen Erfolg. Durch die Verbindung mit London-Heathrow böten sich den Passagieren dort Möglichkeiten, mannigfache Destinationen in allen Kontinenten zu erreichen. Dies gelte beispielsweise auch für den Transfer von Seeleuten, die ihre Einsatzorte erreichen müssen. Zudem rechnet das Management damit, dass nun auch britische Touristen verstärkt die Dreistadt besuchen werden. Nicht zuletzt würden wohl auch die zahlreichen polnischen Gastarbeiter in Großbritannien diese Verbindung für ihren Heimaturlaub nutzen.

 

Fahndungserfolg Dank einer engen Kooperation zwischen polnischen und deutschen Ermittlungsbehörden ist es gelungen, einer weiträumig operierenden Bande von Autodieben das Handwerk zu legen. Sie hatte Lastkraftwagen mit Sattelaufliegern in Deutschland gestohlen und in die Kaschubei gebracht, dort meistens umlackiert und sie – ebenso wie oft auch die Ladung – mit gefälschten Papieren weiterverkauft. Der von ihr angerichtete Schaden beläuft sich auf etwa 12 Mio. Złoty. Neben zwei Hauptbelasteten sitzen noch 23 weitere Personen – im Alter zwischen 32 und 80 Jahren – auf der Anklagebank. Die Bande war hervorragend organisiert, arbeitete in verschiedenen selbstständigen Gruppen und unterhielt zum Zwecke der Geldwäsche eine Reihe von Scheinfirmen. Die Anklageschrift umfasst 15.000 Seiten, und den Angeklagten, die ihre Taten bislang noch nicht gestanden haben, drohen im Falle einer Verurteilung Gefängnisstrafen von bis zu 15 Jahren. 

Peter Neumann

 

 

… Elbing

 

Jubiläum einer großen Tat Die wohl bekannteste Elbinger Erzählung handelt von einem jungen Bäckergesellen, der während des „Reiterkrieges“ die Stadt vor einem Angriff des Deutschen Ordens gerettet haben soll, indem er am Markttor die Arretierung des Fallgatters mit einer Schaufel aufgehoben und dadurch das Gitter geschlossen hat. Dieses Ereignis wird auf den 8. März 1521 datiert und jährte sich somit jüngst zum 500. Male. Heute steht – wie jeder Elbing-Besucher weiß – an jener Stelle eine sympathische Skulptur des umsichtigen Jungen, und im Mauerwerk des Tores befindet sich das Symbol einer Schaufel. – Der Magistrat der Stadt hat sich entschlossen, trotz der Corona-Pandemie öffentlich dieses Jubiläums zu gedenken. Am 8. März hat Stadtpräsident Witold Wróblewski ein Halteseil am Markttor durchschlagen und damit die Feierlichkeiten eröffnet. Nun folgt eine Reihe von Veranstaltungen und Symposien; der Abschluss soll Ende August/Anfang September beim großen jährlichen „Brot-Fest“ stattfinden; und während dieser Zeit wird das Tor illuminiert.

 

Hingucker Der Magistrat hat an einem markanten Punk der Altstadt, vor der Nikolai-Kirche am Elbing, den Namen der Stadt in großen, dreidimensional gestalteten Lettern errichten lassen, deren Wirkung sich, zumal in Verbindung mit der vorangestellten Herzform, vor allem am Abend entfaltet, sobald die Leuchtbuchstaben hell erstrahlen. Eine vergleichbare Illumination befindet sich auch in Danzig an der Baltischen Philharmonie. Die Elbinger Variante hat ca. 65.000 Złoty gekostet und wird von den Einwohnern durchweg als originelle Ergänzung des Altstadt-Ensembles begrüßt.

 

 

Verkehrsfluss oder Ökologie? Der Magistrat versucht seit vielen Jahren, den Straßenverkehr in der Stadtmitte zu verbessern, denn auf den Hauptverkehrsadern, auf der Weingarter Straße (Łeczycka) bzw. Hindenburg-Straße (Bema), der Tannenberg-Allee (Grunwaldzka) und dem Grunauer Weg (Rawska) kommt es tagsüber allenthalben zu einem regelrechten Infarkt. Diese Probleme ließen sich durch den Bau einer weiträumigen Umgehungsstraße vermeiden, die sich allerdings aufgrund der geringen Investitionsmittel, die der Stadt zur Verfügung stehen, keinesfalls realisieren lässt, denn die Kosten beliefen sich immerhin auf etwa 200 Mio. Złoty. Deshalb wurde überlegt, eine „kleine“ Lösung anzustreben: Dabei soll die Wschodnia (Oststraße) in ihrem schon bestehenden Verlauf genutzt und dann ab der Weingarter Straße durch den Kommunalpark „Bażantarnia“ (ehem. Vogelsang) bis zur Königsberger Straße weitergeführt werden. Dadurch könnte der Verkehrsfluss nach Einschätzung der Stadtplaner deutlich verbessert werden.

  Der Nachteil dieses Konzepts liegt freilich darin, dass es vor ungefähr zehn Jahren schon einmal entwickelt worden ist, die Umsetzung damals aber an Protesten von Umweltschützern und Bürgern scheiterte: Sie bewahrten die „grüne Lunge“ Elbings davor, von einer Umgehungsstraße zerschnitten und geschädigt zu werden. Trotzdem ist der jetzige Magistrat im letzten Jahr auf diese alte Idee zurückgekommen und stellte auch einen Antrag auf Finanzierung der notwendigen Mittel in Höhe von 24 Mio. Złoty aus dem Fonds für Lokale Investitionsvorhaben. Doch bei der Zuweisung der Fördergelder wurde dieses Vorhaben nicht berücksichtigt – und es schien sich dabei zu bestätigen, was mittlerweile schon etliche Verwaltungen polnischer Städte vermuten: dass aus diesem Fonds fast ausschließlich Kommunen bedacht werden, in deren Stadtrat die PiS-Fraktion über die Mehrheit verfügt. – Nun ist vor kurzem aber doch ein (deutlich kleinerer) Förderbetrag in Höhe von 7 Mio. Złoty zugesagt worden, so dass man auf die Ausbau-Überlegungen zurückkommen konnte. Dadurch drohen freilich auch sogleich die alten Konflikte zwischen der Stadt und den Umweltschützern wiederaufzuflammen: Sie warten schon gespannt auf die Einladung zum ersten Bürgerdialog.

 

Neue Bauvorhaben in der Altstadt Der Magistrat hat die Genehmigung erteilt, auf dem Eckgrundstück zwischen der Kalkscheunstraße und dem Hermann-Balk-Ufer einen neuen Gebäudekomplex zu errichten. Er wird das Panorama am Elbing-Fluss in hohem Maße bereichern, auch wenn er nun den Ort einnimmt, an dem sich im Mittelalter bis zum Jahre 1454 die westliche Vorburg des Ordensschlosses befand, und auch wenn die Fassade vorgeblich einer früheren Einteilung der Parzellen folgt, die in dieser Weise überhaupt nicht bestanden hat. – Auf der diametral entgegengesetzten Seite der Altstadt wird vor der damaligen Auguste-Victoria-­Schule ebenfalls eine Baumaßnahme vorbereitet: Das Gelände, auf dem sich bis in die 1970er Jahre hinein auch ein Pfarrhaus der St. Marien-Gemeinde befunden hat, ist bereits eingezäunt und wird nun vor weiteren konkreten Planungen zunächst noch eingehend von Archäologen untersucht.

 

Erneuerter Klangraum Die im November 2020 aufgenommenen Arbeiten an der Konzertmuschel im Vogelsang wurden im April abgeschlossen. Dieser Ort, an dem jedes Jahr Sommerkonzerte stattfinden, liegt den Bürgerinnen und Bürgern am Herzen. Deshalb entschieden sie sich bei der diesjährigen Abstimmung über das Budget, bei dem sie die Prioritäten der städtischen Vorhaben festlegen können, für diese dringend notwendige Renovierung, die Kosten in Höhe von insgesamt 745.000 Złoty verursacht hat. Bei der Untersuchung des kleinen Bauwerks stellte sich überraschenderweise heraus, dass es in früherer Zeit rot angestrichen war. Deshalb wurde dieser Farbauftrag jetzt wiederhergestellt.

 

Ein weiteres Denkmal Eine neue Gedenkstätte soll an das Wiedererstehen des polnischen Staates erinnern und wird den politischen Akteuren gewidmet, die in der entscheidenden Phase – die während des Ersten Weltkrieges einsetzte und dann, nach der im November 1918 formell erreichten Unabhängigkeit, über die Verhandlungen von Versailles bis zur Konsolidierung des Staates führte – den geschichtlichen Prozess förderten und deshalb als Väter der Zweiten Republik gelten dürfen, und zwar Ignacy Daszyński, Wincenty Witos, Ignacy Paderewski sowie Roman Dmowski. Deren Namen sollen dort ebenso auf Steinblöcken angebracht werden wie derjenige von Marschall Józef Piłsudski, der durch die Position in der Mitte und zusätzlich durch eine aus Metall gefertigte Halbfigur hervorgehoben wird. Dies erklärt sich zum einen aus dem historischen Rang, der Piłsudski in Polen zukommt, dürfte aber auch damit zusammenhängen, dass als Hauptinitiator dieses Unabhängigkeitsdenkmals der „Piłsudski-Verband der Polnischen Republik“ (Związek Piłsudczyków Rzeczpospolitej Polskiej) auftrat. An dessen Spitze steht Maria Kosecka, die zur Zeit des Antrags Mitglied des Stadtrats gewesen ist.

­­  Sowohl die Idee als auch die konkreten Pläne haben bei vielen Bürgern keine sonderlich gute Resonanz hervorgerufen. Bei Umfragen lehnte sogar eine deutliche Mehrheit das Vorhaben ab, nicht zuletzt, weil gerade in der gegenwärtigen krisenhaften Zeit der Pandemie der Mangel an Geldmitteln sonst zur Blockade etlicher wichtiger Investitionen führt. Auch der Standort, die Grünfläche zwischen der Mauerstraße und der damaligen Friedrichstraße, auf der sich bis Ende des 18. Jahrhunderts die Stadtbefestigungen und vor 1945 die Städtische Sparkasse befunden hatten, wurde als nicht sonderlich günstig beurteilt. Trotz der bedenkenswerten Einwände hat Stadtpräsident Witold Wróblewski den Vorschlag, dessen Umsetzung Kosten von etwa 150.000 Złoty verursachen wird, enthusiastisch befürwortet und dabei Ratsmitglieder, die eine gegenläufige Meinung vertraten, heftig kritisiert. Im Ergebnis hat der Stadtrat nun am 29. April die Zustimmung zur Errichtung des neuen Denkmals gegeben. 

Bartosz Skop

 

 

… Marienburg

 

Dringende Hilfsaktion Die 1276 erstmals urkundlich erwähnte St. Johannis-Pfarrkirche ist seit dem Mittelalter die Hauptkirche der Stadt und wurde bald nach ihrer Zerstörung während des Dreizehnjährigen Krieges auf den früheren Fundamenten als Hallenkirche wiederaufgebaut. Auch die schweren Beschädigungen, die sie im letzten Krieg erlitten hatte, konnten beseitigt werden. Inzwischen bedarf die Kirche aber dringend einer Renovierung, denn die Netzgewölbe, die 1534 fertiggestellt worden waren und bis heute erhalten sind, befinden sich in einem denkbar schlechten Zustand. Stellenweise haben sich bis zu einem Zentimeter breite Risse ergeben; durch sie kann Feuchtigkeit eindringen und letztlich zum Einsturz der Gewölbe führen.

  Der Orden der Orioniten, der „Filii Divinae Providentiae” (Söhne der göttlichen Vorsehung), dem die Kirche 1957 übergeben worden ist, bemühte sich deshalb, die notwendigen Rettungsarbeiten in Gang zu setzen. Ein Team von Sachverständigen hat 2020 Untersuchungen vorgenommen und empfohlen, die beschädigten Gewölbe im nördlichen Mittelschiff bei der Reparatur mit Hilfe von thermoplastischen Kunststoffen (Polycarbonaten) zu verstärken. Diese Arbeiten wurden im gleichen Jahr aufgenommen und dauern bis heute an. Dabei sind eingehende Untersuchungen des Bauwerks vorgenommen worden, die beispielsweise ergeben haben, dass seit der in Resten nachweisbaren mittelalterlichen Polychromie durch die Zeiten 23 weitere verschiedene Farbschichten auf die Wände und Gewölbe aufgetragen worden sind. Die gegenwärtige Renovierung wird vom Ministerium für Kultur und nationales Erbe finanziell unterstützt und genießt oberste Priorität: Demgegenüber müssen andere wichtige Restaurierungen verschiedener Ausstattungsgegenstände oder der beschädigten Orgel, die seit dem letzten Jahr sogar verstummt ist, noch zurückstehen.

Bartosz Skop

 

… THORN

 

In luftiger Höhe Ab dem 19. August wird der Coupe Aeronautique Gordon Bennett, der weltbekannte Wettbewerb für Heißluftballons, in Thorn stattfinden. Er ist das älteste und bedeutendste Sportereignis für Ballonfahrer und wird 2021 zum 64. Male ausgetragen. Erstmals wurde der Coupe 1906 in Paris durchgeführt, und schon während der 1930er Jahre war Polen dreimal Gastgeber. Polnische Mannschaften konnten den Gordon-Bennett-Pokal bislang sechsmal erringen, so auch 2018. Die Sieger haben das Recht, die im übernächsten Jahr nachfolgende Veranstaltung in ihrem Land auszurichten. Deshalb wurde der 64. Coup für 2020 in Breslau geplant, musste wegen der Pandemie aber um ein Jahr verschoben werden; und schließlich änderte sich auch der Ort. Die Wahl fiel nun auf Thorn. Der vorzügliche Sportflughafen der Stadt war schon oft Schauplatz internationaler Kunstflug-Meisterschaften für Flugzeuge wie Segelflugzeuge. Am 10. Mai haben Piotr Całbecki, der Marschall der Woiwodschaft Kujawien-Pommern, sowie Jerzy Makula und Jerzy Wiśniewski, die Geschäftsführer des nationalen bzw. regionalen Aeroklubs, eine Absichts­erklärung zur gemeinsamen Organisation des Wettbewerbs unterzeichnet.

  Gemeldet sind insgesamt 20 Ballonfahrer aus Europa, Nordamerika und Australien, darunter jeweils drei Teams aus Polen sowie aus Deutschland. Nach der Eröffnung kann der Start je nach der Wetterlage zwischen dem 20. und dem 22. August erfolgen. Das Kräftemesser endet am 27. oder 28. August mit der Siegerehrung und der Schlussfeier. Am Beginn des Rennens heben die Ballons in einem fünfminütigen Abstand voneinander ab und werden dabei jeweils mit ihrer Nationalhymne verabschiedet. Sodann besteht die Aufgabe darin, eine möglichst weite Strecke zurückzulegen. Dafür erhalten die Piloten exakt die gleichen Mengen an Gas und Ballast und müssen ihre – in keiner Weise vorgegebene – Route dann möglichst geschickt planen und sie, abhängig von den Wind- und Witterungs­bedingungen, möglichst optimal bewältigen. Die Gewinner legen in der Regel weit über 1.000 km zurück. Es wäre nicht einmal ausgeschlossen, dass von Thorn aus erstmals die 2.000-Kilometer-Marke überschritten wird, was einer Landung z. B. in Irland oder der Türkei entspräche.

Piotr Olecki

 

 

 

 

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