Kultur-Informationen
aus dem »Land am Meer«
(2/2020)

 

Lech Bądkowski Deutschen Lesern dürfte der Name des Schriftstellers Lech Bądkowski (1920–1984) nur wenig sagen – in Polen hingegen genießt er eine derart hohe Wertschätzung, dass der Danziger Stadtrat ihn, dessen Geburtstag sich 2020 (am 24. Januar) zum 100. Male gejährt hat, zu einem „Schutzpatron“ des laufenden Jahres ernannt hat. Das Leben und Wirken dieses Autors, Übersetzers und politischen, kaschubisch-pommerschen Aktivisten nimmt eine am 24. Januar eröffnete Ausstellung in den Blick, die das Museum für kaschubische Literatur und Musik in Neustadt konzipiert hat. Dort werden Fotos, Urkunden, familiäre Andenken und persönliche Gegenstände gezeigt, von denen ­einige – wie z. B. sein Schreibtisch oder seine Schreibmaschine – dem Museum von Bądkowskis Tochter, Sławina Kosmulska, geschenkt wurden. Aus ihrer Feder stammt auch eine Biographie ihres Vaters, die bei der Ausstellungseröffnung präsentiert wurde. – Am 31. Januar wurde dann das Bądkowski-Jahr festlich im Danziger Johannis-Zentrum eingeleitet. Die prominenten Gäste, zu denen Donald Tusk und die Stadtpräsidentin Aleksanda Dulkiewicz gehörten, erinnerten an den Publizisten und äußerten sich über seine Texte aus einer aktuellen Perspektive heraus, in der auch die gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Probleme zur Sprache kamen. Musikalisch wurde die Veranstaltung durch Beiträge des Chores Discantus aus Göbeln (Gowidlino) bereichert. – Der dichterischen Dimension Bądkowskis hat wenige Tage danach, am 3. Februar, der kaschubisch-pommersche Verband eine Reverenz erwiesen, indem er im Danziger Theater Wybrzeże das 1958 entstandene Bühnenwerk Sąd nieostateczny [Das un-jüngste Gericht] aufführte. In diesem Drama tritt deutlich die Affinität des Autors zur regionalen Kultur hervor: die Hauptakteure, zwei Dämonen sowie zwei hartnäckige, listige Bäuerinnen, sind unverkennbar als „kaschubische“ Figuren konzipiert.

 

Musen Zum Valentinstag, am 14. Februar, hatte der Danziger Verein der Kunstfreunde zu einem rezitatorisch-musikalischen Abend „In Liebe versunken“ eingeladen. Das Motto verweist auf Frédéric Chopin, dessen Todestag sich in diesem Jahre zum 170. Male jährt, oder – besser und genauer gesagt – auf dessen Frauen und Geliebten, von denen George Sand (1804–1876) aufgrund ihres eigenen, vielbeachteten schriftstellerischen Œuvres die weitaus berühmteste ist. Neben Aurore Dudevant, wie George Sand nach ihrer Hochzeit 1822 zunächst hieß, rückten aber auch Konstancja Gładkowska, Maria Wodzińska und Delfina Potocka in den Fokus, denn auch sie waren nicht nur Chopin verbunden, sondern auch berühmten Dichtern wie Juliusz Słowacki und Zygmunt Krasiński, die ihre Musen ihrerseits besungen haben und deren Gedichte nun – umrahmt von Kompositionen Chopins – rezitiert wurden. Eine Sonderstellung nahm innerhalb des Programms die „Melodeclamation“ „George Sand“ ein, die Marian Hemar (1901–1972) erst Jahrzehnte nach dem Tode der Schriftstellerin verfasst hat.

 

Cyber-Liebe Eine alternative Perspektive auf den Valentinstag eröffnete Dr. Agata Kołodziejczyk im Danziger Zentrum Hevelianum. Dort erläuterte die Astrobiologin, Raumfahrt-Trainerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Europäischen Weltraumorganisation ESA den Einfluss von „Liebe“ auf die neurochemischen Prozesse im Gehirn – und stellte sogar Gedankenspiele zu der Frage an, wie es wohl wäre, einen Roboter zu heiraten. 

Joanna Szkolnicka

 

Kompass (Adobe Stock) Danzig (Adobe Stock)
Galerie (Adobe Stock) Historisierende Collage (Adobe Stock)
Wahlprognosen und Stimmzettel (Adobe Stock) Kopernikusdenkmal in Thorn (Adobe Stock)