Notizen aus … (2/2019)

 

… aus der Dreistadt

Sturmschäden­  An der Küste der Danziger Bucht ist – ebenso wie in den anderen an der Ostsee gelegenen Regionen – mit der Beseitigung der schweren Schäden begonnen worden, die die Winterstürme angerichtet haben: Auf der Halbinsel Hela wurden beispielsweise Betonplatten an den Zugängen zum Badestrand verschoben, in Zoppot wurden der Seesteg und die daneben liegenden Marina in Mitleidenschaft gezogen – der Schaden beläuft sich allein hier auf einen Betrag von 100.000 Złoty –, und in Stutthof und Kahlberg sind größere Strandabschnitte von den Wellen verkürzt, wenn nicht gänzlich weggerissen worden. Die Hafeneinfahrt von Gdingen sowie die angrenzende Marina haben ebenfalls unter den schlechten Wetterbedingungen gelitten; hier ist der Umfang der Schäden bislang aber noch nicht aufgenommen worden.

 

Zukunft in Sicht Die Crist-Werft in Gdingen hat einen neuen Bankkredit erhalten und kann damit ihre Produktion zunächst fortführen. Sie ist 1990 gegründet worden und sowohl im Schiffbau als auch im Bereich von anspruchsvollen Offshore-Konstruktionen tätig. Europaweit ist sie beispielsweise die einzige Werft, die bereits drei Installationsschiffe für das Errichten und die Wartung von Meereswindparks entwickelt und gebaut hat. Dank der Entscheidung der Bank sind in der Dreistadt zugleich zahlreiche Arbeitsplätze gesichert worden.

 

70. Geburtstag Die M. S. Sołdek, die den meisten Danzig-Besuchern bekannt ist, weil sie schon seit vielen Jahren ihren Liegeplatz gegenüber dem Krantor gefunden hat, ist 70 Jahre alt geworden. Das zunächst mit Kohle betriebene Dampfschiff hatte Ende 1948 als erstes nach dem Kriege gebautes Schiff die Danziger Werft verlassen und war dann im Herbst 1949 in Dienst gestellt worden. Benannt wurde es nach dem Werftarbeiter Stanisław Sołdek, der sich im Sinne der damaligen kommunistischen Ideologie durch eine vorbildliche Normerfüllung hervorgetan hatte. Bis zum Tage ihrer Stilllegung, am 2. Januar 1981, unternahm die Sołdek in ihrer 31-jährigen Dienstzeit 1.479 Fahrten, beförderte mehr als 3,5 Mio. t Fracht, zumeist Kohle und Erz, und lief 60 Häfen an. Seit dem 17. Juli 1985 liegt sie nun fest vertäut am Mottlau-Ufer und bildet dort eine der Attraktionen des Nationalen Maritimen Museums.

 

Gasbeleuchtung Bei Ausgrabungsarbeiten in der Unterstadt sind in der ul. Toruńska Reste eines Gasbehälters entdeckt worden, der zur ersten Gasanstalt der Stadt gehört haben dürfte. Diese Gasfabrik nahm ihren Betrieb im Jahre 1853 auf. Der Fund erinnert somit an die Zeit, in der die Straßen von Gaslicht erleuchtet wurden und ein Kubikmeter Gas 25 Pfennige kostete. Schon bald gab es 312 Gaslaternen, und das Netz wurde ständig ausgebaut. Im Zweiten Weltkrieg weitestgehend zerstört, wurden die Anlagen nach 1945 rasch wiederhergestellt und funktionstüchtig gemacht. Im Jahre 1958 brannten 1.345 Gasstraßenleuchten, 1966 war ihre Zahl allerdings schon unter 100 gesunken, und bereits 1970 war ihre Zeit zu Ende gegangen.

 

Pflegenotstand Überall in der Woiwodschaft Pomorze fehlen in erheblichem Umfang Kräfte für den Pflegedienst. Nun sind die Krankenhausleitungen mit Beginn des neuen Jahres verpflichtet worden, bis zum 1. Juni 2019 alle vorhandenen Planstellen auch tatsächlich zu besetzen. Dieses Ziel lässt sich freilich kaum erreichen, was dann zu der Konsequenz führen müsste, dass die Anzahl der Krankenhausbetten dementsprechend reduziert wird. Die Regionalvorsitzende der Gewerkschaft für die im Gesundheitswesen Beschäftigten, Anna Czarnecka, wies darauf hin, dass dieser Notstand seit langem bekannt sei, und führte ihn vor allem auf zwei Ursachen zurück: Zum einen leide das Pflegewesen unter erheblichem Nachwuchsmangel. Das Durchschnittsalter der Pfleger und Schwestern betrage zurzeit 50 Jahre. Zum anderen vollziehe sich in dieser Berufsgruppe seit Jahren geradezu ein Massenexodus in westliche europäische Länder, in denen die Bezahlung weitaus besser sei als in Polen.

 

Schändlich Henryk Jankowski, der frühere Beichtvater des Solidarność-Führers Lech Wałęsa und ehemalige Pfarrer der St. Brigitten-Kirche, war einer der bekanntesten Danziger Seelsorger. Nun aber scheint der 2010 verstorbene Geistliche endgültig seine Reputation zu verlieren. Aufgrund von (damals letztlich unbewiesenen) Vorwürfen sexueller Belästigungen war um seine Person bereits 2004 eine heftige Kontroverse zwischen Kritikern und Verteidigern entbrannt. Danach entschloss sich Erzbischof Gocłowski, die von ihm ausgesprochene strikte Amtsenthebung abzumildern und Jankowski zumindest den Verbleib in seiner Pfarrei sowie in seiner Dienstwohnung zu gestatten. Seit 2018 aber sind neue massive Anschuldigungen aufgetaucht. Dazu gehört nicht nur, dass ein vom Priester geschwängertes Mädchen Suizid begangen haben soll, sondern es werden auch noch weitere bedrängende Details kolportiert, die massive sexuelle Übergriffe auf Jugendliche wahrscheinlich machen. Diese öffentliche, auch international beachtete Diskussion hat Anfang des Jahres dazu geführt, dass sich der inzwischen verstorbene Stadtpräsident Paweł Adamowicz dafür ausgesprochen hatte, den nach Jankowski benannten Platz umzubenennen, das zu seinen Ehren errichtete Denkmal zu entfernen und ihm die Ehrenbürgerwürde der Stadt, die ihm im Dezember 2000 verliehen worden war, abzuerkennen.Peter Neumann

­ Peter Neumann

 

 

… Elbing

 

Servicevertrag  Mitarbeiter der Stadtverwaltung suchen für die beiden Zugbrücken am Elbing-Fluss (die – in unserer Abbildung gezeigte – Hohe und die Leege Brücke) einen neuen Betreiber. Die Frist des aktuellen Vertrags läuft in kurzem aus und soll nun für drei Jahre neu abgeschlossen werden. Die Ausschreibung nennt eine Fülle anspruchsvoller Aufgaben. Sie umfassen sowohl das Schließen und Öffnen beider Brücken, die Instandhaltung und Reparatur von sämtlichen mechanischen und elektrischen Anlagen sowie die Gewährleistung der ganzjährigen Sauberkeit und Verkehrssicherheit der Einrichtungen. Nicht zuletzt muss der Betreiber sicherstellen, dass permanent ein Stromgenerator für die Notöffnung der Brücken bereitgehalten wird.

 

Neues Depot   Die Modernisierung des alten Straßenbahndepots wird jetzt in Angriff genommen und soll nach Aussage von Andrzej Sawicki, dem Direktor der Elbinger Straßenbahn (Tramwaje Elbląskie) im nächsten Jahr abgeschlossen werden. Die alte Halle im Depotbereich an der ul. Browarna (der ehemaligen Ziesestraße) wird demontiert, und an ihrer Stelle tritt eine neue, geräumige Konstruktion mit einer Grundfläche von etwa 800 m2. In dem zweiteiligen Bau wird es Wartungs- und Reparaturräume sowie eine Straßenbahn-Waschanlage geben. Einen Eindruck von dem zukünftigen Zustand vermittelt der vorstehende virtuelle Entwurf.

Lech Słodownik

 

Entscheidungen Über die Maßnahmen, für die aus dem grenzüberschreitenden polnisch-russischen Förderprogramm Gelder beantragt worden waren, ist nun nach einigen Verzögerungen entschieden worden. (DW hat davon in 02/2017 und 12/2017 berichtet.) Dabei wurde allerdings der Antrag auf Mittel für die Sanierung der Parkanlage „Dolinka“ abgelehnt. Berücksichtigung fand demgegenüber aber das Archäologisch-historische Museum. Es kann das gemeinsam mit dem Königsberger Museum „Friedländer Tor“ konzipierte Projekt „Museen über die Grenzen“ weiterentwickeln. Das Vorhaben „Zeugnisse. Geschichte in Gesichtern – Geschichtsgesichter“, bei dem Kindheitserinnerungen der ehemaligen Bewohner von Elbing gesammelt und in einer Ausstellung, einem Film und auf einer Homepage präsentiert worden sind, soll jetzt mit den Polinnen und Polen fortgesetzt werden, die ab 1945 in Elbing angesiedelt wurden und nun gebeten werden, von ihren Erfahrungen und Erlebnissen in dieser Zeit zu berichten.

 

Pfade­ Gegenwärtig werden drei Wege durch die Stadt entworfen, auf denen Baudenkmäler, urbane Lebensräume sowie Grünanlagen kennengelernt und erkundet werden können. Diese didaktisch konzipierten Parcours werden 69 Objekte bzw. Orte erschließen und eine Gesamtlänge von 16 km umfassen. Auf diese Art wird den Einwohnern und Touristen eine Möglichkeit geboten, sich über die Geschichte und Kultur der Stadt zu informieren und dabei Spaziergänge im Freien zu genießen. Den Erholungsaspekt wollen die Initiatoren noch dadurch verstärken, dass sie kleine Ruheplätze mit venezianischen Bänken oder auch mit Entenfutter-Automaten einrichten. Im Rahmen des Vorhabens sollen einige der Attraktionen saniert und drei andere illuminiert werden. Von der Einrichtung dieser Pfade, die bis Ende September abgeschlossen werden soll, verspricht sich die Stadt eine weitere Erhöhung ihrer touristischen Anziehungskraft.

 

Rekonstruktion Die Bauunternehmung Mytych soll ein weiteres Altstadt-Gebäude nach dem Vorbild der Elbinger Giebelhäuser wiedererrichten. Dabei geht es um das im Jugendstil erbaute Bürgerhaus in der Fischerstraße, dessen prunkvolle Fassade – wie die oben stehende Fotografie dokumentiert – u. a. mit Putten und allegorischen Gestalten verziert war. Die Wohnungen und Nutzflächen stehen bereits seit Anfang des Jahres zum Verkauf; und schon Ende 2019 soll das Haus bezugsfertig sein. Einen zusätzlichen Komfort wird schließlich eine Tiefgarage bieten, eine Anlage, die bei den bisherigen Bauten in der Altstadt noch nicht vorgesehen worden war.

 

Technisches Denkmal – ­virtuellDas Regionale Digitalisierungszentrum in Elbing beabsichtigt, bis zum Ende des Jahres den Oberländischen Kanal in einer interaktiven virtuellen Umgebung zu präsentieren. Dazu werden einzelne Bestandteile dieses Denkmals der Ingenieurkunst dreidimensional gescannt werden. In der virtuellen Realität werden Besucher dann partienweise am Kanal spazieren gehen und auch ein Maschinenhaus besuchen können. Gerade in diesem geschlossenen Raum-Arrangement soll der Eindruck, die Wirklichkeit und ihre physikalischen Eigenschaften in Echtzeit wahrzunehmen, mit besonderer Perfektion hervorgerufen werden. – Überdies verfolgt das Zentrum noch ein Projekt, das den „Mittelalterlichen Sammlungen in Ermland und Masuren“ gewidmet ist und bei dem neben der Kirche in Marienfelde bei Pr. Holland u. a. 100 wertvolle Artefakte aus acht regionalen Museen digitalisiert werden.

Joanna Szkolnicka

 

… Marienburg

 

Stopp dem Hass! Mehrere hundert Bürger sind dem Aufruf des Bürgermeisters und des Starosten gefolgt und nahmen unter dem Motto „Stopp dem Hass!“ im Zentrum der Stadt an einer Gedenkveranstaltung für den ermordeten Danziger Stadtpräsidenten Paweł Adamowicz teil.

 

Internationale Partnerschaft Am 29. Januar 2019 unterzeichneten Bürgermeister Charzewski, der Vorsitzende des Stadtrats, Paweł Dziwosz, sowie Murty Brennan und Anna Adamowska als Repräsentanten der irischen Stadt Kilkenny (sowie der „Twilight Community Group“) feierlich einen Partnerschaftsvertrag. Bei dieser Gelegenheit trafen die Gäste aus Irland auch mit dem Direktor des Marienburger Schlossmuseums, dr hab. Janusz Trupinda, sowie mit Vertretern der Marienburger Schulen Nr. 5 und 6 zusammen und sprachen mit ihnen über die Vorbereitung des für den Monat Juni geplanten gemeinsamen Kulturfestivals in Marienburg. – Am 31. Januar 2019 wurde der Partnerschaftsvertrag dann in Warschau auch noch durch die irische Botschafterin Emer O'Connell gegengezeichnet.

 

Im Aufwind Im Jahre 2018 verzeichnete das Marienburger Schlossmuseum mit 741.510 Besuchern einen neuen Rekord. Von den Gästen kamen 140.000 aus dem deutsch- bzw. englischsprachigen Ausland; und auch diesmal bestätigte sich die Tendenz, dass die Zahl der Touristen aus Ostasien von Jahr zu Jahr weiter steigt. Die große Resonanz des Museums kann einerseits auf die gut gestaltete und breit gestreute Werbung zurückgeführt werden, andererseits dürfte hier auch die Tatsache, dass die Republik Polen weltweit als sicheres Land gilt, ins Gewicht fallen. – Für die Saison 2019 plant das Burgmuseum u.a. eine Ausstellung zum Thema Der Deutsche Orden und sein Staat in Preußen. Darüber hinaus verfolgt die Direktion das Vorhaben, die Vorburg neuerlich zu bebauen und dort ein forschungsorientiertes Museum des Deutschen Ordens einzurichten. Die Gewährung der erforderlichen Mittel soll beim Norwegischen Staatsfond beantragt werden.

 

Widerstandsfähig In der Vergangenheit ist das in der Nähe der Marienburg befindliche Burg-Modell schon mehrmals durch Vandalismus beschädigt worden. Daraufhin soll jetzt bis zum Beginn der Hauptreisezeit ein neues Modell aufgestellt werden, das aus widerstandsfähigem Material besteht und nun den Bauzustand aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg wiedergibt. Zur Förderung dieses Zweckes will Bürgermeister Charzewski eine finanzielle Förderung von Sponsoren einwerben.

 

Erfolgreiche Kontrollen In einem Großeinsatz ging die Polizei gegen Raser vor. Sie konnte 18 Anzeigen wegen erheblicher Geschwindigkeitsüberschreitungen erstatten – und zog bei dieser Gelegenheit auch gleich noch etliche Kraftfahrzeuge wegen technischer Mängel aus dem Verkehr.Bodo Rückert

 Bodo Rückert

 

 

… Thorn

 

Copernicus Cup 2019­ Am 6. Februar fand zum fünften Male das Hallensportfest „Orlen Copernicus Cup“ der Leichtathleten statt. Dabei handelt es sich um die einzige Sportveranstaltung in Polen, die zur renommierten „IAAF World Indoor Tour“ zählt. Neuerlich wurden die Wettkämpfe in zwölf Disziplinen durchgeführt. Siegreich waren z. B. international herausragende Sportler wie der russische Hochspringer Ilya Dm. Ivanyuk oder der US-Amerikaner Sam Kendricks, der Weltmeister im Stabhochsprung. Aus deutscher Sicht waren insbesondere die Leistungen von Weltmeisterin Christina Schwanitz sowie von Pamela Dutkiewicz erfreulich, die die Frauen-Wettbewerbe im Kugelstoßen bzw. im 60-Meter-Hürdenlauf für sich entscheiden konnten. Mit großer Spannung verfolgte das Publikum den letzten Wettkampf, den 1.500-Meter-Lauf. Zwar ging der Äthiopier Samuel Tefera als Erster durchs Ziel, dem Zweiten aber, dem Polen Marcin Lewandowski, gelang es noch, mit seinem Ergebnis von 3 '36"50/100 einen neuen nationalen Hallenrekord aufzustellen. Sein Preisgeld für diese Teilnahme stiftete er übrigens wie schon im letzten Jahr für karitative Zwecke.

 

Zum halben Preis Am Wochenende vom 5. bis zum 7. April wird in Thorn schon zum 16. Male die stadtweite Aktion „Toruń za pół ceny“ (Thorn zum halben Preis) durchgeführt. Im Laufe der Jahre hat sie bei den Bürgern wie bei den Unternehmern eine große Popularität gewonnen. Im vergangenen Jahr hatten sich bereits 223 Hotels, Restaurants, Cafés und Läden sowie kulturelle und sportliche Institutionen daran beteiligt; und 2019 wird sich die Zahl gewiss noch erhöhen. Anmelden kann sich jeder, dessen wirtschaftliche Aktivitäten regional an Thorn oder die Umgebung gebunden sind, und er muss sich zugleich verpflichten, während dieser drei Tage die Preise für bestimmte Waren oder Dienstleistungen um 50 % zu reduzieren. Aushänge weisen auf die Teilnehmer hin; zudem werden die Namen auch im Internet genannt, so dass sich die Kunden frühzeitig über die besonderen Angebote informieren können. 

Piotr Olecki

 

 

 

Kompass (Adobe Stock) Danzig (Adobe Stock)
Galerie (Adobe Stock) Historisierende Collage (Adobe Stock)
Wahlprognosen und Stimmzettel (Adobe Stock) Kopernikusdenkmal in Thorn (Adobe Stock)