Notizen aus … (3/2022)

 

… aus der Dreistadt

Windpark-Terminal Der Hafen von Danzig bietet nicht nur immer mehr Möglichkeiten für die Bedienung auch ganz großer Containerschiffe und baut die dafür notwendigen Anlagen zügig aus. Jetzt soll auch ein Zentrum für Dienstleistungen zur Versorgung der Windparks vor der Küste entstehen. Anfang Juni konnten nach einer entsprechenden Ausschreibung die ersten Gebote bei der Hafenverwaltung eingereicht werden. Als Standort für einen Offshore-Windpark-Terminal ist ein Areal im Außenhafen vorgesehen. Ziel ist es, die nationale Energiesicherheit des Landes zu verbessern und gleichzeitig für das Wachstum der heimischen Wirtschaft zu sorgen. Nicht zuletzt benötigt auch Polen mehr Offshore-Windenergie, um die Ziele der Energiepolitik bis 2040 zu erreichen.

Mit freundlicher Genehmigung des MarineForums (5/2022)

 

Brösener Kleinod Das im 19. Jahrhundert erbaute und inzwischen denkmalgeschützte Kurhaus in Brösen hatte seit dem Zweiten Weltkrieg verschiedenen Zwecken gedient. Es wurde zunächst als Konzertaula und späterhin auch kurzfristig als Hotel genutzt, dann aber Ende der 1950er Jahre zu einem Wohngebäude umgestaltet. Im Laufe der Zeit war es baufällig geworden. Die letzten Mieter zogen im Jahre 2016 aus. Von 2019 bis Ende 2021 sind das Haupthaus und die beiden Seitenflügel zum Teil umgebaut und von Grund auf renoviert worden. Die feierliche Eröffnung fand am 18. Dezember 2021 statt. Auch der kleine Park zur Stadtseite hin wurde neu angelegt, wobei die mehr als 20 alten Bäume – Linden, Eichen und Kastanien – ebenfalls gepflegt und saniert wurden. Der gesamte Komplex ist von der Stadt Danzig bereits 2017 dem Centrum Hevelianum übereignet worden und dient nun als Bildungsstätte und Zentrum für Ökologie und Umweltschutz. Überdies sind dort ein Restaurant und ein Hotel mit 21 Zimmern untergebracht. 

Anna Labudda

 

… Elbing

 

Große Pläne­ An der Ostbahnstrecke von Marienburg nach Elbing, die am 19. Oktober 1852 eröffnet wurde, liegt nach gut der halben Strecke das Dorf Grunau (Gronowo Elbląskie); dort ist an der Station ein historisches Bahnhofsgebäude, ein unterkellertes zweistöckiges Fachwerkhaus, erhalten geblieben, das vermutlich noch aus der Zeit des Bahnbaus stammt. Es ist bedauerlicherweise in einem schlechten Zustand.

  Anfang August hat die Polnische Staatsbahn (PKP) dieses Baudenkmal nun in ihr Programm für ­Investitionen in Bahnhofsgebäude aufgenommen. Die geplante Sanierung, die ca. 2024 stattfinden soll, umfasst neben der gesamten Station auch die Zufahrtsstraße. Diese Maßnahme steht im Zusammenhang mit dem Vorhaben, die Bahnlinie von Marienburg über Elbing bis nach Braunsberg insgesamt zu modernisieren.

 

Wem gehört der Elbinger Hafen? Der Durchstich durch die Frische Nehrung wird am 17. September, dem 83. Jahrestag des Überfalls sowjet-russischer Truppen auf Ostpolen, festlich eröffnet. Dieses – nicht zuletzt demonstrativ gegen die Russische Föderation gerichtete – Projekt bliebe ohne die Vertiefung und Erweiterung des Elbinger Hafens gänzlich sinnlos. Diese Maßnahmen werden nach dem Urteil der Warschauer Regierung vom Magistrat der Stadt allerdings nicht mit hinlänglicher Ernsthaftigkeit vorangetrieben. Deshalb wurde in der Hauptstadt die Überlegung angestellt, dass der Hafen aus Mitteln des Staatshaushalts erworben und damit der Kontrolle der Staatsregierung unterstellt werden sollte. Die Stadt verfügt tatsächlich kaum über die finanziellen Möglichkeiten für solch eine erhebliche Investition. Gleichwohl hat die Opposition dieses Konzept im polnischen Parlament abgelehnt. Namentlich der Elbinger Senator Jerzy Wcisła wandte sich gegen eine Nationalisierung des Hafens, die für die Stadt zwangsläufig zu einem massiven Aufsichtsverlust führen und ein Tor zu weiteren finanziellen und unternehmerischen Einflussnahmen Warschaus aufstoßen würde.

  Die PiS-Regierung hat dem Magistrat daraufhin angeboten, eine Aktienmehrheit der Hafen-Gesellschaft in Höhe von 100 Mio. Złoty zu übernehmen, wobei diese Summe späterhin aus dem Staatshaushalt in die Hafenerweiterung investiert werden soll. Dieses Angebot könnte zu denjenigen gehören, die der Begünstigte besser nicht ablehnen sollte: Wenn sich der Stadtpräsident dazu entschließen würde, bestünde durchaus die Gefahr, dass die Regierung – nach dem Verfahren, das bereits in Bezug auf die Westerplatte angewendet worden ist – die Anlagen kraft eines vom Parlament beschlossenen Gesetzes entschädigungslos übernimmt – und die Stadt damit dann jegliches Mitspracherecht verlöre.

 

Musiksommer Das Elbinger Kulturangebot zeichnete sich nach den Einschränkungen der letzten beiden Jahre wieder durch eine große Vielfalt aus. Dazu gehörten beispielsweise das „Elbinger Musikfest“, die Jam-Session, die neuerlich, verbunden mit einem Picknick im Freien, von der Galeria EL veranstaltet wurde, oder der Konzertzyklus „Sommer in Vogelsang“, bei dem die im letzten Jahr renovierte Konzertmuschel (DW 2/2021) besonders vorteilhaft zur Geltung kam.

  Eine Neuerung boten Auftritte von Ensembles, die Musik an unterschiedlichen Orten des städtischen Raums erklingen ließen. Das Elbinger Kammerorchester trat z.B. im Rosengarten oder im Park zum Kleinen Tal auf, andere Gruppen konzertierten im Planty-Park, dem früheren Park der Ressource Humanitas, an der großen Treppe der ehemaligen Jahn-Schule oder auf der Speicherinsel. Die Idee zu dieser Form einer möglichst breiten Vermittlung von Musik stammt von Elbinger Privatpersonen und Vereinen, die für dieses Projekt eine Förderung durch das Bürger-Budget beantragt hatten und späterhin bei der Auswahl erfolgreich waren.

Bartosz Skop

 

 

… Marienburg

 

Freifahrt Aufgrund eines keineswegs unum­strit­tenen Stadtratsbeschlusses vom 20. Mai werden bei den Öffentlichen Verkehrsmitteln seit dem 1. Juli keine Fahrpreise mehr erhoben. Diese Maßnahme soll den ÖPNV für die Bevölkerung attraktiver machen und weitere Kreise veranlassen, das eigene Auto stehenzulassen. Zu den erwartbaren Vorteilen dieser Neuregelung gehören neben der Erhöhung der Verkehrssicherheit und der Verringerung der Parkraumnot auch ökologische Verbesserungen wie die Reduzierung der Lärm- und Abgas-Emissionen – wobei hierbei die Gesamtbilanz der Stadt bereits wesentlich von der vor kurzem vollzogenen Umstellung der Busse auf Elektrofahrzeuge profitieren wird. Nicht zuletzt wird der Wegfall des Verkaufs und der Kontrolle von Fahrscheinen auch das Personal entlasten und die Ein- und Ausstiegszeiten reduzieren. Konsequenterweise beschloss die Stadt in der gleichen Sitzung, die innerstädtischen Parkzonen auszuweiten und die zusätzlichen Gebühren für die Finanzierung der kostenlosen Personenbeförderung zu verwenden.

 

Italienische NATO-Einheit zu Gast Seit dem 1. August ist für drei Monate erstmals ein Kontingent italienischer Eurofighter F-2000A auf der 22. Tactical Air Base stationiert. Im Rahmen der nach der russischen Krim-Okkupation etablierten Baltic-Air-Policing-Mission übernehmen ihre Besatzungen gemeinsam mit Piloten aus Ungarn und Deutschland die Aufgabe, den ­Luftraum über den drei baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland zu überwachen. Zudem unterstützen sie die ­polnischen Flieger der Air Base bei Einsätzen über dem Territorium des polnischen Staates. Sämtliche Aktivitäten der Mission unterstehen dem Allied Air Command in Ramstein. – Bei der Begrüßung durch den stellvertretenden Gene­ral­kommandeur der Streitkräfte, Generalmajor Cezary Wiśniewski, sagte Oberst Salvatore Florio, der Kommandeur des italienischen Kontingents, dass es heute in diesem Teil der Welt nichts Wichtigeres gebe, als die NATO-Staaten zu schützen und dort den Frieden zu bewahren, und betonte, dass sich die italienische Regierung und die italienische Luftwaffe jeden Tag aktiv für diese Ziele einsetzten.

 

Kooperation  Ab dem nächsten Studienjahr wird an der Universität Danzig ein neuer Postgraduierten-Studiengang mit der Ausrichtung „Schutz des kulturellen Erbes: Museen, Bildung, Tourismus“ eröffnet. Er ist zunächst für eine Kohorte von 20 bis 30 Studierenden ausgelegt und richtet sich an Mitarbeiter von Museen, touristisch genutzten Denkmalpflegeeinrichtungen und sonstigen Kultureinrichtungen sowie an alle, die sich für die Bewirtschaftung, den Schutz und das touristische Potenzial des Kulturerbes interessieren. Dabei kooperiert die Hochschule einerseits mit dem Nationalen Maritimen Museum in Danzig sowie mit dem Schlossmuseum Marienburg, dessen Direktor, Dr. Janusz Trupinda, sich nachdrücklich für solch einen Studiengang eingesetzt und sich intensiv an dessen Konzeption beteiligt hat.

 

Rückkehr der Ritter Nach zwei düsteren Corona-Jahren konnten die Freunde der Living History am Wochenende vom 22. bis zum 24. Juli endlich wieder ganz auf ihre Kosten kommen. Kunsthandwerksmärkte, vielfältige Workshops, Vorführungen von mittelalterlichen Waffen- und Reittechniken oder farbenprächtige Umzüge erfreuten die Besucher des Schloss-Festivals. Höhepunkte der Veranstaltungen bildeten einerseits Reenactments des damaligen Lebens auf der Burg, bei denen z. B. Heinrich der Ältere von Plauen im Jahre 1410 bei einer Besprechung im Sommerremter die Verteidigung der Wehranlage übernimmt und vorbereitet, andererseits und vor allem die spektakulären nächtlichen Versuche der „Belagerer“, die Burg einzunehmen.

Totengedenken Am 7. September besuchte Bürger­meister Marek Charzewski die Kriegsgräberstätte des Volksbundes in Glien (Glinna), einem Ortsteil von Neumark (Stare Czarnowo) im ehemaligen Landkreis Greifenhagen in der Neumark. Dort legte er ein Blumengebinde auf einer Gedenktafel für die Opfer des Zweiten Weltkrieges nieder, die an die 2.110 Toten von Marienburg erinnert: an die Menschen, deren sterbliche Überreste am 28. Oktober 2008 bei Bauarbeiten in der Nähe der Marienburg in einem Massengrab entdeckt, späterhin geborgen und dann in Glien bestattet worden waren. 

 

Marek Dziedzic

 

… Strasburg

 

Die „grüne Lunge“ der Stadt, die den neben der Deutschordensburg gelegenen Anna-Wasa-Park und die jenseits der Drewenz daran anschließende, dem Gedächtnis Johannes Pauls II. gewidmete Grünanlage umfasst, ist von Grund auf neu gestaltet worden. Seit September 2021 fanden umfangreiche Erd- und Bauarbeiten statt, und bei der Eröffnungsfeier am Wochenende des 9. und 10. Juli zeigte sich, dass sich der Aufwand sowie die Kosten in Höhe von acht Mio. Złoty offenbar gelohnt haben. Nun können sich die Kinder auf dem attraktiven Spielplatz vergnügen, Schachliebhaber finden mehrere Spieltische und für Besucher, die sich an der frischen Luft lieber bewegen wollen, stehen mehrere Stationen mit Fitnessgeräten bereit. Auch an einen Natur-Lehrpfad und nicht zuletzt an Vogelhäuschen und Insektenhotels ist bei der Konzeption der Anlage gedacht worden. 

Rafał Grosch

 

 

… THORN und Kujawien-Pommern

 

Festival der Weichsel Am 14. und 15. August fand zum sechsten Male das in Polen größte Treffen von traditionellen Booten und Flussschiffen statt. Es gehörte wieder als wichtiger Programmbeitrag zum „Festival der Weichsel“, das die Schönheit des Stroms und die mit ihm verbundenen Traditionen seiner Anwohner vom Handwerk über die Küche bis zur Folklore verdeutlichen will. Dabei konzentrierten sich die Veranstalter thematisch auf das „Goldene Zeitalter“ der polnischen Geschichte, die Zeit vom Beginn des 16. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts, in der die Weichsel eine der bedeutendsten europäischen Handelsrouten bildete. Den Besuchern wurden etliche Attraktionen geboten, zu denen z. B. eine kostenfreie Überfahrt zur Burgruine Dybow gehörte: Dort konnte man Konzerten beiwohnen, mit bildenden Künstlern ins Gespräch kommen oder sich zu den Flissaken ans Lagerfeuer setzen. Am Ende des Kulturfestivals stand die von allen schon gespannt erwartete große abendliche Parade aller beteiligten, nun festlich illuminierten Boote.

 

Anooki Das in diesem Jahr zum 13. Male stattfindende Bella Skyway Festival, das größte seiner Art in ganz Europa, wurde von überdimensionalen Anooki geprägt. Diese kleinen sympathischen Eskimos erlebten viele lustige und spannende Abenteuer und gewannen die Herzen der Kinder und Erwachsenen im Nu. Dabei warnten sie gleichsam nebenbei vor den Folgen des Klimawandels und warben für die Idee des Umweltschutzes. Für die Dauer des Festivals, vom 16. bis zum 20. August, war Thorn in drei Zonen eingeteilt, in denen 21 Lichtinstallationen von Künstlern aus Frankreich, Italien und Finnland mit faszinierenden Formen des Videoprojektionsmapping zu bewundern waren. Zusätzlich war als Zeichen der Solidarität eine Gruppe aus der Ukraine eingeladen worden, die ihre Lichtgestaltung an der Fassade der Jesuitenkirche am Altstädtischen Markt präsentierte.

 Piotr Olecki

 

 

 

 

Danzig (Adobe Stock) Danzig (Adobe Stock)
Kompass (Adobe Stock) Galerie (Adobe Stock)
Historisierende Collage (Adobe Stock) Wahlprognosen und Stimmzettel (Adobe Stock)