Notizen aus … (1/2022)

 

… aus der Dreistadt

Internationale Kooperation Auf der CRIST-Werft in Gdingen wurde das erste von zwölf Schiffen des gleichen Typs auf Kiel gelegt. Es handelt sich um technisch avancierte Mine Countermeasures Vessels (MCMV), spezielle, mit Über- und Unterwasserdrohnen ausgestattete Kriegsschiffe, die die Funktionen sowohl der Minensuche wie der Minenjagd übernehmen und im Rahmen eines MCMV-­Modernisierungsprogramms paritätisch für die belgische sowie die niederländische Marine gebaut werden. In einem Rhythmus von sechs Monaten soll jeweils eines der Schiffe fertiggestellt werden. Dabei kooperiert die Werft mit dem französischen Zweig der „Naval Group“. Diese Zusammenarbeit besteht bereits seit 2019 und erhöht, worauf Maciej Wasilewski, der Leiter der Marketing-Abteilung von CRIST, eigens hinwies, spürbar das Prestige der polnischen Werft.

 

Neuer Langer Markt Schon seit dem letzten Jahr wird in der Fußgängerzone des Langen Markts gearbeitet. Bei dieser Maßnahme, die viele schon für überfällig gehalten haben, werden die Gehwegplatten in drei Etappen erneuert. „Wir sind bestrebt“, sagte Magdalena Kiljan, die Pressesprecherin des Wege- und Grünflächenamtes, „die Einwohner und Besucher der Stadt während der notwendigen Bauarbeiten so wenig wie nur möglich zu belästigen“. Deshalb sind die Abschnitte zusätzlich in einzelne Quadrate aufgeteilt, so dass für Fußgänger stets ein Passieren gewährleistet bleibt. In die Planung und Durchführung ist selbstverständlicher Weise auch die Denkmalbehörde eng mit eingebunden. Bei der Wahl der Gehwegplatten fiel die Entscheidung auf skandinavischen Granit in verschiedenen Pastellfarben. Die Danzig-Besucher können somit schon auf den ästhetischen Eindruck des Gesamtbildes gespannt sein. Plangemäß sollen die Arbeiten bis zum 20. Juni dieses Jahres – und somit kurz vor dem Beginn der Schulferien – abgeschlossen werden.

 

Obdachlosen-Hilfe Bereits zum dritten Male ist den Winter über der SOS-Bus in Danzig unterwegs. Seit dem 11. November und noch bis zum 31. März fährt er Tag für Tag, finanziert und organisatorisch begleitet von der städtischen Familienhilfe, durch die Straßen der Stadt, um Obdachlose medizinisch sowie bei administrativen Problemen wie der Beantragung von Sozialhilfe zu unterstützen und sie vor allem mit Essen und warmer Kleidung zu versorgen. Er hält an vier Stationen jeweils für 45 Minuten und beendet seine Fahrt am Nachtasyl in der Nähe der Bastion Maidloch. Bei jedem Einsatz suchen ihn 50 bis 60 Obdachlose auf, deren Gesamtzahl in der Stadt auf 1.000 Personen geschätzt wird. In der kalten Jahreszeit 2020/21 wurden 17.339 warme Mahlzeiten ausgegeben und 1.674 warme Kleidungsstücke verteilt. Bei ihren Kontakten mit den Hilfsbedürftigen finden die Sozialarbeiter, wie Małgorzata Niemcewicz, die Leiterin der Familienhilfe, betont, immer wieder bestätigt, dass Alkohol selten die Ursache der Obdachlosigkeit, sondern allermeist deren Folge ist. – Der SOS-Bus soll seine Fahrten auch im nächsten Winter wieder aufnehmen.

 

Latarnia morska en miniature Tomasz Ołdziejewski, der (wie DW 1/2021 berichtet hat) erst vor kurzem mit seinem Bernstein-Modell der Titanic einen Eintrag in das Guinness Buch der Rekorde erreicht hat, macht schon wieder von sich reden: Der Modellbauer, ein gelernter Schmied, hat jetzt den Leuchtturm von Hela nachgebildet und dabei 50 kg Bernstein verarbeitet. Bei einer Höhe von immerhin 211 cm wird es bislang kaum vergleichbare Objekte geben, so dass vermutlich bald ein weiterer Guinness-Eintrag fällig wird.

 

Peter Neumann

 

 

… Elbing

 

Fragmente Bei archäologischen Arbeiten in der Altstadt wurde Anfang Februar zwischen der Spiering- und der Wilhelmstraße eine Reihe von architektonischen Bruchstücken gefunden, die eindeutig dem Giebel des „Kamelhauses“ – eines der schönsten Giebelhäuser Elbings – zugeordnet werden können. Zudem wurden auch Elemente von der Balustrade des Beischlags entdeckt. Das Kamelhaus, das Haus Spieringstraße Nr. 30, war 1651 errichtet worden, wurde oftmals umgestaltet und brannte 1945 weitestgehend nieder. Teile der Fassade einschließlich des Portals blieben erhalten, gingen in den 1960er Jahren aber verloren. Gegenwärtig befindet sich eine Rekonstruktion des früheren Zustandes in Vorbereitung. Die jetzt erfreulicherweise geborgenen Fragmente sollen höchstwahrscheinlich in die Obhut des Archäologisch-Histo­ri­schen Museums gegeben werden.

 

Freibad Seit über zehn Jahren gibt es in der Stadt kein Freibad mehr. Die 1934 eröffnete städtische Anlage, die mit einer 3,4 ha großen Freifläche damals in Europa ihresgleichen suchte, wurde mit dem Wasser der Hommel betrieben. 2011 aber musste es zunächst wegen einer hohen bakteriellen Belastung geschlossen werden; danach verhinderte der insgesamt schlechte bauliche Zustand eine Wiedereröffnung dauerhaft, so dass das Grundstück brachlag und zusehends verwilderte. So lag es nahe, dies ganze Gelände umzuwidmen und dort eine Wohnsiedlung zu errichten.

 Solchen Plänen haben die Einwohner aber beharrlich widersprochen, weil sie nicht nur die 2025 in unmittelbarer Nachbarschaft gebaute Schwimmhalle „Dolinka“ nutzen, sondern zusätzlich vor allem während der Sommermonate auch die Vorzüge eines Freibads genießen wollten. Im Januar 2022 hat Stadtpräsident Witold Wróblewski nun bekanntgegeben, dass auf dem Gebiet des alten Freibades ein neuer Komplex mit mehreren Becken entstehen soll, der dann gemeinsam mit der Schwimmhalle und dem Park an der Hommel ein breites Spektrum von Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten bietet. Obwohl die Dimensionen und die Ausstattung der geplanten Anlage keine einhellige Zustimmung gefunden hat, will der Stadtpräsident auf öffentliche Anhörungen verzichten, weil es sich – so lautet sein Argument – nicht primär um eine Neukonzeption, sondern eher um eine Wiederherstellung des alten Freibades handele.

 

Licht und Schatten Für die Berufsfeuerwehr hat das neue Jahr sehr gut begonnen: Am 4. Februar fand die feierliche Übergabe von vier Einsatzwagen statt, die technisch den aktuellen Standards genügen. Diese Gabe war äußerst kostspielig, denn die Regierung in Warschau, die Woiwodschaft Ermland-Masuren sowie der Kreis mussten dafür insgesamt 2,2 Mio. Złoty aufbringen. Das Jahr 2022 wird noch eine weitere, im Grunde erfreuliche Veränderung mit sich bringen: Da der Bau der neuen Feuerwache in der Weingartenstraße (der heutigen ul. Łęczycka) weitgehend fertiggestellt worden ist, kann der Umzug noch in diesem Jahr erfolgen. Diese Pläne treffen allerdings nicht auf uneingeschränkten Beifall, denn Kritiker weisen schon seit längerem darauf hin, dass die Weingartenstraße verhältnismäßig eng sei und sich der Verkehr zu Stoßzeiten dort regelmäßig staue.

Bartosz Skop

 

 

… Marienburg

 

Marianek Wer aufmerksam durch die Stadt geht, wird an einigen Stellen einen lustigen Gesellen entdecken, der an das Maskottchen von Malbork erinnert und bislang den Namen „Marianek“ trägt. (Marian ist die männliche Variante von Maria, und als Diminutiv ergibt sich dann die Koseform „Marianek“.) Eine dieser Figuren hat vor dem Bahnhofsgebäude anscheinend einen Laternenmast erklommen, begrüßt von dort aus alle Ankommenden und lädt sie zum Besuch der Stadt ein. Eine andere sitzt auf der Rückenlehne einer Bank vor dem Stadtmuseum, vertieft sich in einen Folianten, den sie auf dem Schoß hält, und möchte wohl dazu inspirieren, sich eingehender mit der reichen Geschichte der Stadt zu beschäftigen. Die dritte schließlich steht auf der Mauerbrüstung der Fußgängerbrücke über den Juranda-Kanal und lenkt die Aufmerksamkeit der Passanten nochmals eigens auf die Festungsanlagen und den Eingang zum Schlossmuseum. 

 Die hübschen Kleinplastiken, die der Bildhauer Andrzej Doliński geschaffen hat, sollen möglicherweise weitere Kumpane erhalten, die die Einwohner und Besucher auch noch an anderen markanten Punkten der Stadt erfreuen. Überdies werden die Marianek-Figuren in das Stadterkundungsspiel eingegliedert werden, das noch in diesem Jahr online verfügbar sein soll. Dabei erhalten die einzelnen Stationen QR-Codes, über die dann Wissenswertes über Marienburg vermittelt oder den Teilnehmern auch Aufgaben gestellt werden. Dieses Spiel ist ein Teil des umfangreichen mehrjährigen polnisch-­russischen Projekts zur Förderung des Erholungs- und Wassertourismus in Malbork und Swietłyj (Zimmerbude).

 Bis zur Eröffnung des Spiels ist freilich auch noch zu klären, welchen Namen die kleinen, nur vorläufig „Marianek“ genannten Kerle endgültig tragen sollen. Hier sind die Bürger aufgerufen, Ideen zu entwickeln und Vorschläge zu unterbreiten. Daraus eine Wahl zu treffen, die möglichst viele überzeugt, dürfte vermutlich keine leichte Aufgabe sein.

 

MALBORK Zunächst musste der Denkmalpfleger noch den Fall ausführlich prüfen; nachdem er aber nun seine Zustimmung gegeben hat, wird seit dem 25. Januar auch in Marienburg der Stadtname in hohen dreidimensionalen Buchstaben zum Leuchten gebracht. Die veranschlagten Kosten von 25.000 Złoty erhöhten sich auf immerhin 40.000 Złoty; ungeachtet der Verteuerung sind alle Beteiligten jetzt zufrieden, dass die Installation an der ul. Piłsudskiego fertiggestellt worden ist. Solche großen Lettern sind schon an vielen Orten in Polen – und weltweit – errichtet worden und bewähren sich überall als Anziehungspunkt für Touristen, die sich an diesen Orten gerne ablichten lassen.

 

Schutzpatronin Auf eine Initiative des Ratsherrn Kazimierz Pietkiewicz hin hat der Stadtrat von Marienburg am 28. Oktober des letzten Jahres beschlossen, beim Heiligen Stuhl erwirken zu wollen, dass die Hl. Jungfrau Maria offiziell zur Schutzheiligen der Stadt erklärt wird. Diesem bindenden Auftrag entsprechend, hat Bürgermeister Marek Charzewski den Antrag formuliert und am 20. Dezember dem Bischof von Elbing überreicht. In seinem Schreiben erläuterte er die überragende Bedeutung dieses Patronats sowohl im Blick auf die geschichtlichen Traditionen der Stadt wie auch für die Festigung und Wahrung der christlichen Werte in der Gegenwart.

 Dr. Piotr Towarek, der Pressesprecher der Diözese teilte mit, dass die Kurie bereits mit dem Antrag befasst sei und sich der Bischof, der zunächst Dokumente prüfen und Gutachten von Historikern einholen wird, zur gegebenen Zeit dazu äußern werde. Danach kann die polnische Bischofskonferenz gebeten werden, durch eine Unbedenklichkeitserklärung („nil obstat“) die Eröffnung des Verfahrens in Rom zu ermöglichen – und erst daraufhin wiederum wird der Heilige Stuhl die eingehende Prüfung das Anliegens aufnehmen. Angesichts dieses Ablaufschemas ist leicht verstehbar, warum sich Dr. Towarek außerstande sah, eine Prognose zu stellen, wann mit einer Entscheidung des Papstes zu rechnen sei.

Marek Dziedzic

 

 

… THORN

 

 

Thorn-Ost Seit einiger Zeit erweitert sich die Stadt äußerst dynamisch in östlicher Richtung. Im neuen Industriegebiet „Toruń-Wschód” (Thorn-Ost) – oder, wie man in der Stadt sagt, im Thorner „Abessinien“ – nehmen viele bekannte Firmen ihren Sitz. Eine von ihnen ist das Unternehmen Mega Giga Board (M.G.B), das multifunktionale Baugerüste vermietet; es wurde im Jahre 2002 gegründet, hat sich seitdem optimal entwickelt und große wirtschaftliche Erfolge erzielt. Im Jahre 2020 kaufte sie von der Stadt für 616.000 Złoty ein über 5.000 m2 großes Grundstück an der Świdnicka-Straße, und dort entstehen jetzt seit einigen Monaten ein modernes Bürogebäude und eine Lagerhalle. Solche Ansiedlungen bestätigen die Bemühungen der Stadt, „Abessinien“ durch Investitionsangebote für große Firmen attraktiv zu machen.

 

Runderneuerung Die Fassade des Artushofes wird gegenwärtig von Baugerüsten verdeckt, denn 25 Jahre nach der letzten Instandsetzung ist jetzt eine grundsätzliche Renovierung des prachtvollen Gebäudes vonnöten, zumal schon vor drei Jahren ein größeres Stück Putz auf die Straße gefallen war und deshalb im oberen Bereich ein Schutznetz angebracht werden musste. Gemeinsam mit dem Marschallamt der Woiwodschaft hatte sich das Kulturzentrum Artushof frühzeitig um die Finanzierung des Projekts bemüht, und es gelang, dafür von verschiedenen Geldgebern – vornehmlich vom Europäischen Entwicklungsfonds – über drei Mio. Złoty – einzuwerben. Die unter strenger Aufsicht des Denkmalkonservators entwickelten Pläne sehen sowohl die Renovierung der Fassade als auch die Neuabdichtung aller Fenster vor. Zudem sollen der große Saal und die Galerie neuen Glanz erhalten, wozu nicht zuletzt die Modernisierung der elektrischen Leitungen sowie die Erneuerung der Beleuchtungs- und Soundanlagen beitragen werden. Sofern die Witterung keinen Strich durch diese Rechnung macht, können die Arbeiten bereits im Mai abgeschlossen werden.

 

Weiterhin schief! Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am Montag, dem 17. Januar, die Nachricht, dass der Schiefe Turm saniert und geradegestellt würde. Der Grund dafür war ein Beitrag, der vom „Touristischen Service Thorn“ (Toruński Serwis Turystyczny) auf Facebook veröffentlicht worden war. Dort wurde festgestellt, dass die Neigung zur Straßenseite inzwischen 5°13'15" betrüge – was bei einer Gebäudehöhe von 15 m immerhin 146,2 cm Abweichung von der Senkrechten entspräche – und Experten deshalb Vorbereitungen zur bautechnischen Rettung des Gebäudes getroffen hätten. Die Einwohner der Stadt wollten dieser Information allerdings keinen Glauben schenken, denn der alte Wehrturm, der späterhin zu Wohnzwecken umgebaut worden war und sich, da er auf instabilem Grund errichtet worden war, immer weiter geneigt hatte, bildet doch eine der herausragenden Touristen-Attraktionen der Stadt. Glücklicherweise wurde das Gerücht aber bald von der Pressesprecherin der Stadtverwaltung dementiert. Sie beruhigte die Gemüter, indem sie offiziell erklärte, dass die Baugerüste, die gegenwärtig am Schiefen Turm aufgestellt worden seien, lediglich der Renovierung der Fassade und der Reparatur des Dachs dienten – und keinerlei weitere Rettungsmaßnahmen oder gar „Begradigungen“ geplant seien.

 

Barbarka 1939 Das „Filminstitut der Historischen Gesellschaft“ (Instytut Filmowy Unisławskiego Towarzystwa Historycznego) aus Unislaw dreht einen Dokumentarfilm mit dem Titel  Barbarka 1939. Er thematisiert die Ereignisse, die sich im Herbst 1939 in den Wäldern des Thorner Vororts Barbarka zugetragen haben: Durch Massaker, die von Mitgliedern des „Volksdeutschen Selbstschutzes” im Rahmen der „Intelligenzaktion“ durchgeführt wurden, kamen rd. 600 Polinnen und Polen ums Leben. Darunter waren vornehmlich Juristen, Priester, Lehrer, Handwerker und Landwirte.

 Das Drehbuch entstand aufgrund von eigenen Archiv­­recherchen, die über 100 Aufnahmen der Opfer, Chroniken und Notizen aus der Kriegszeit sowie bis jetzt noch nicht publizierte Aufnahmen von der Exhumierung der Toten im Jahre 1945 zu Tage förderten. Dabei wurde das Institut von vielen Organisationen und Institutionen unterstützt: von Gemeindeämter, Bibliotheken, Museen und Kirchen, von den Medien sowie von privaten Personen, nicht nur aus Polen, sondern auch aus Deutschland, England und den USA. Zudem hatten die Filmemacher persönliche Erinnerungen von etwa 30 Zeitzeugen, meistens Familienangehörigen der Mordopfer, sowie Interviews mit Historikern zur Verfügung. Schließlich verfolgt das Regie-Team auch den Ansatz des Dokudramas, den Film den Eindruck größerer Unmittelbarkeit erwecken zu lassen: in einer Reihe nachgestellter Szenen kommen etliche Statisten und Reenactment-Gruppen aus der Stadt und dem Umland zum Einsatz. 

 Das Filminstitut aus Unisław hat schon drei vergleichbare Dokumentarfilme realisiert, und zwar: Karolewo 1939, Dąbrowa 1939 und Szpęgawsk 1939. Die Filmpremiere Barbarka 1939 ist für Oktober 2022 vorgesehen.

 Piotr Olecki

 

 

 

 

Danzig (Adobe Stock) Danzig (Adobe Stock)
Kompass (Adobe Stock) Galerie (Adobe Stock)
Historisierende Collage (Adobe Stock) Wahlprognosen und Stimmzettel (Adobe Stock)