Notizen aus … (1/2021)

 

… aus der Dreistadt

Wieder im Dienst Die schwedische Fähre Stena Nordica hat nach einem längeren Aufenthalt in der Danziger Werft wieder den Liniendienst zwischen Gdingen und dem südschwedischen Hafen Karlskrona aufgenommen. Sie ersetzt die bislang auf dieser Strecke fahrende Stena Baltica, die vorwiegend im Frachtverkehr eingesetzt worden war. Die Stena Nordica bietet nun im größeren Umfang neben den Fracht- auch Passagierdienste an. Als Fähre in der RoPax-Ausführung hat sie eine Länge von 170 m und kann 450 Passagiere sowie 100 Lkw oder 300 Pkw mit an Bord nehmen. Sie hatte die Linie zwischen Gdingen und Karlskrona schon in den Jahren von 2004 bis 2008 bedient, war danach aber in der Irischen See und in der Nordsee eingesetzt worden.

 

Verkeilt Auf dem Lech-Wałęsa-Flughafen ist es zu einem folgenschweren Unfall gekommen: Ein Bodenfahrzeug geriet unter den Rumpf einer A 320-200 der ungarischen Fluggesellschaft Wizz­ Air. Der Airbus war zu dieser Zeit am Terminal angedockt und hatte noch keine Fluggäste an Bord genommen, so dass niemand zu Schaden kam. Das Airport-Fahrzeug verkeilte sich derart unglücklich, dass es erst freigesetzt werden konnte, nachdem das Flugzeug hydraulisch angehoben worden war. Danach war eine aufwändige Reparatur des Airbus unausweichlich; der kleinere Widerpart hingegen ließ sich nur noch verschrotten. Die Fluggesellschaft schickte eine Ersatzmaschine nach Danzig; die Passagiere erreichten ihr Ziel Stockholm dann allerdings erst mit einer vielstündigen Verspätung.

 

Zu milde In einem Aufsehen erregenden Prozess (über den DW mehrmals berichtet hat) ist Bartłomiej Wałęsa, einer der Enkel des früheren Staatspräsidenten, wegen eines brutalen, gemeinsam mit zwei Komplizen begangenen Raubüberfalls auf einen schwedischen Touristen in der Danziger Innenstadt strafrechtlich belangt worden: Das Bezirksgericht verurteilte ihn im Juni 2020 zu einer einjährigen Freiheitsstrafe und zur Zahlung von Schmerzensgeld an das Opfer in Höhe von 10.000 Złoty sowie von 2.000 Złoty für eine karitative Organisation. Einer der beiden Mittäter, Damian M., erhielt demgegenüber mit vier Jahren und drei Monaten Gefängnis eine erheblich höhere Strafe. Dieses Ungleichgewicht veranlasste die Staatsanwaltschaft, gegen das Urteil Revision einzulegen, und das Berufungsgericht hat diesem Begehren jetzt stattgegeben: Der Prozess wurde zur erneuten Verhandlung an die erste Instanz zurückverwiesen.

 

Unsinkbar Die längst zum Mythos gewordene Titanic, deren Schicksal die Menschen immer aufs Neue fasziniert, ist ein weiteres Mal in ihrer überwältigenden Großartigkeit und Pracht wiedererstanden, und zwar diesmal als vollkommen aus Bernstein gefertigtes Modell. Es hat eine Länge von 1.532 und eine Breite von 154 cm und wurde von Tomasz Oldziejewski geschaffen, der in Stutthof, am Zugang zur Frischen Nehrung, lebt und sich schon seit längerer Zeit damit beschäftigt, Schiffe en miniature aus Bernstein zu bauen. Für den Ozeanriesen, bei dem er Wert darauf gelegt hat, den spezifischen gelben Farbton zur Geltung zu bringen, benötigte er 40 kg des Rohmaterials. Einen Teil davon hat er selbst gesammelt, die anderen Stücke hatte er von seinem Vater geerbt. In einem Interview mit der Danziger Zeitung Dziennik Bałtycki schilderte Tomasz Oldziejewski, dass er zunächst aus dem Roh-Bernstein entsprechend zugeschnittene Klötze hergestellt habe, die dann durch Naturharz miteinander verbunden wurden und dass er nach diesen Vorarbeiten einen ganzen Monat lang an sieben Tagen pro Woche bis zu zwölf Stunden täglich gearbeitet habe, um das Modell fertigzustellen. Belohnt wurden seine Mühen dadurch, dass seine Titanic in der neu eingeführten Kategorie der „weltweit größten Bernstein-Skulptur“ einen Eintrag ins Buch der Guinness World Records erhalten hat. 

 Peter Neumann

 

 

… Elbing

 

Implosion Seit Anfang Januar sind erhebliche Eingriffe in das System des öffentlichen Nahverkehrs wirksam geworden. Die Straßenbahn- und Buslinien folgten schon bis dahin einem Fahrplan, der wenig koordiniert erschien, so dass die Verkehrsmittel gleiche Strecken fast parallel bedienten, sich dann aber auch – selbst in der Innenstadt – Lücken von 20 bis 30 Minuten ergaben. Nun wurde das gesamte Gefüge nochmals ausgedünnt. Von bis dahin 18 Buslinien verkehren nur noch 15, und bei der Straßenbahn, die der Stadtrat aus ökologischen Gesichtspunkten heraus eigentlich zu fördern vorgibt, wurden 25 % des Angebots gestrichen. Zusätzlich finden sich nun zwar Verkehrsmittel, die das Umland enger anschließen sollen; dafür gilt aber wiederum ein eigenes und schwer durchschaubares Ticketsystem. Diese Veränderungen hängen offenbar mit der angespannten Haushaltslage der Stadt zusammen, keineswegs aber mit dem Ziel, den Stadtverkehr zu optimieren. Die massiven Beschwerden der Bürger sollen jetzt zu einer Überprüfung der Neuorganisation und daraufhin möglicherweise auch zu organisatorischen Verbesserungen führen.

 

Bürger-Engagement Um den Jahreswechsel hat das Archäologisch-Historische Museum bemerkenswerte Schenkungen erhalten. Dabei handelt sich um ein Fotoalbum des Rudervereins Nautilus aus den Jahren von 1915 bis 1920, um Fotografien von Dampflokomotiven und das Stammbuch einer Elbinger Schülerin. Diese Gaben stammen von der Facebook-Gruppe Zdjęcia Elbląga [Fotos aus Elbing], die mittlerweile über 23.000 Mitglieder zählt. Als das Fotoalbum im November 2020 versteigert wurde, konnte online ein derartig großer Spenden-Betrag eingeworben werden, dass die Gruppe den Zuschlag erhielt. Im Dezember, als acht wertvolle Fotografien aus dem Elbinger Atelier von Fritz Sachse sowie das Stammbuch auftauchten, gelang es ebenfalls, bei der

Auktion mitzubieten. Von den Fotografien – offizielle „Werbefotos“ von Produkten der Schichau-Werke – konnten fünf ersteigert werden, weil sich an dieser Geldsammlung auch viele Eisenbahn-Freunde beteiligten.

 

Ostbahn-Renaissance? Die Polnischen Staatsbahnen planen eine Wiederherstellung der Linie Nr. 204, die vom Bahnhof Marienburg bis zur russischen Grenze führt und somit dem Verlauf der alten Ostbahn folgt. Die gesamte Strecke soll elektrifiziert und zweigleisig ausgebaut werden: Dies bietet bislang nur das Teilstück von Marienburg bis nach Güldenboden, kurz hinter Elbing. Überdies ist im Gespräch, ein Gleis mit der russischen (1.520 mm weiten) Breitspur von der Grenze bis nach Elbing zu verlegen. Für die Hafenbetriebe der Dreistadt könnte dieser Anschluss interessante wirtschaftliche Perspektiven eröffnen. Der Beginn der Maßnahmen ist für frühestens 2023 ins Auge gefasst worden.

 

Elbing-Vertiefung Der Durchstich durch die Frische Nehrung ist für die Warschauer Regierung bekanntlich ein „Leuchtturm-Projekt“. In diesem Zusammenhang konnte jetzt ein seit langem schwelender Konflikt beigelegt werden. Seit den ersten Planungen hat es die Stadt abgelehnt, die Kosten für die bei diesem Vorhaben unausweichlich notwendige Vertiefung des Elbing-Flusses zu tragen. Mitte Januar hat Senator Jerzy Wcisła, der der PO angehört, nun mitgeteilt, dass das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung seine Pläne modifiziert hat und die entsprechenden Investitionen vom Haff nach Süden zu bis zum Abzweig des Kraffohlkanals (der inzwischen Jagiellonen-Kanal heißt) übernehmen will. Damit hat sich die Stadt jetzt einverstanden erklärt.

Bartosz Skop

 

 

… Marienburg

 

Nogat-Boulevard Seit Monaten wird die Erneuerung des Boulevards am Nogat-Ufer vorangetrieben. Im Rahmen des grenzüberschreitenden russisch-­polnischen Kooperationsprogramms der Jahre 2014 bis 2020 ist es gelungen, mit einem Projekt zur Entwicklung des Erholungs- und Wassertourismus in den Städten Swietlij (Zimmerbude, im Königsberger Gebiet) und Marienburg zum Zuge zu kommen und für die polnische Stadt eine Finanzierung in Höhe von fast 11,4 Mio. Złoty zu erhalten. Von den Plänen im Bereich der Marienburg können die beiden obenstehenden virtuellen Realisierungen einen ersten Eindruck vermitteln. 

 Mit der Ausführung des Auftrags wurde die Strabag betraut. Sie verfolgt das ehrgeizige Ziel, die vorgegebene Frist für die Fertigstellung, Ende Juli 2022, deutlich zu unterschreiten, und hat den Platz für das Baustellen-Depot von der Stadt demonstrativ nur bis Ende des laufenden Jahres gemietet. Seit August 2020 sind die Arbeiten schon in vollem Gange, und zwar gleichzeitig auf der gesamten Länge des Boulevards von der Eisenbahnbrücke bis zum Stadtbad. Frühere Einrichtungen wie Zäune und Bürgersteige sind bereits entfernt, etliche Bäume mussten gefällt werden, und die Erdarbeiten sind weitestgehend abgeschlossen. Dabei lassen sich jetzt schon die Konturen des Parkplatzes in der Nähe des Stadtstrands erkennen, der Raum für 26 Pkw und natürlich auch für eine Reihe von Fahrradständern bieten wird; selbstverständlicherweise wird es auch in Zukunft nicht möglich sein, den Boulevard mit einem Auto zu befahren.

 

Geburtstag 2021 jährt sich die Gründung des Schlossmuseums zum 60. Male: Am 1. Januar 1961 nahm es seine Tätigkeiten auf und öffnete erstmals seine Pforten. Für das Jubiläumsjahr ist ein reichhaltiges Programm mit verschiedenen Veranstaltungen geplant, bei denen die Organisatoren angesichts der in dieser Zeit fortbestehenden Unsicherheiten hoffen, dass sie auch tatsächlich stattfinden können. – Bereits Ende des letzten Jahres hat die polnische Post aus Anlass des Jubiläums Postkarten mit vier Bild-Motiven aus der Marienburg herausgegeben. Die Gesamtauflage beträgt 1.200 Stück; die Karten sind im Postamt Marienburg 1 erhältlich. Dort wird während des ganzen Jahres 2021 auch ein Sonderstempel verwendet.

 

Abschied von Vertrautem Kurz vor Beginn des Jubiläumsjahres hat das Schlossmuseum Marienburg der Öffentlichkeit sein neues Logo vorgestellt. Vielen fällt es vermutlich schwer, auf die beiden Brückentürme zu verzichten, die bislang das vertraute Signet gebildet haben. Die Leitung des Museums ist hingegen der Überzeugung, dass die Zeit für Veränderungen gekommen sei: Das Museum sollte mit seiner neuen Bildmarke – und seinem visuellen Auftritt in den Medien insgesamt – signalisieren, dass das Haus sich dynamisch weiterentwickelt und sich den Herausforderungen einer sich international wandelnden Museumslandschaft stellt. Marek Dziedzic

Marek Dziedzic

 

 

Danzig (Adobe Stock) Danzig (Adobe Stock)
Kompass (Adobe Stock) Galerie (Adobe Stock)
Historisierende Collage (Adobe Stock) Wahlprognosen und Stimmzettel (Adobe Stock)