Kultur-Informationen
aus dem »Land am Meer«
(1/2020)

 

Deutscher Film Vom 22. bis zum 28. November bot das Danziger Kino Żak Beiträge zum aktuellen deutschen Filmschaffen. Das Programm umfasste beispielshalber die Kleinen Germanen, einen Dokumentarfilm, der auch Zeichentrickelemente integriert und den Voraussetzungen nachspürt, unter denen sich Kinder im Umfeld rechtsextrem orientierter Familien entwickeln. Der Regisseur, Mohammad Farokhmanesh, wurde aufgrund dieses Films 2019 für die Vorauswahl des Deutschen Filmpreises nominiert. Des Weiteren lief Gregor Schnitzlers Fernsehfilm Lotte im Bauhaus. Dieser Beitrag zum Bauhaus-Jubiläum war von der ARD erstmals im Februar gesendet worden und hatte mit seiner Schilderung dieser eigenwilligen, avantgardistisch-kreativen Künstler- und Designer-Szene, in deren Mittelpunkt die zwar fiktive, aber an einem konkreten Vorbild entwickelte Figur der Lotte Brendel steht, bei einer breiten Öffentlichkeit Aufmerksamkeit erregt. Große Resonanz fand nicht zuletzt auch die – ebenfalls in diesem Jahr uraufgeführte – turbulente Komödie Goldfische. In seinem ersten abendfüllenden Film bringt der in Teheran geborene Absolvent der Münchner Filmhochschule Alireza Golafshan den Yuppie Oliver (Tom Schilling), der infolge eines Unfalls plötzlich querschnittsgelähmt ist, in Kontakt mit einer Gruppe von Behinderten, mit denen er schließlich eine Schwarzgeld schmuggelnde „Gang” bildet.

 

Österreichische Kultur Das Danziger Shakespeare-Theater zeichnete als Organisator für eine vielgestaltige Woche der österreichischen Kultur verantwortlich, die vom 29. November bis zum 7. Dezember veranstaltet wurde. Neben der Vorführung von Filmen wie Das weiße Band (2009) von Michael Haneke oder Paradies: Liebe (2012) von Ulrich Seidel stand ein Abend, der der österreichischen Dichtkunst gewidmet war; dabei ging es um das Schaffen von Thomas Bernhard (1931–1989), über das sich die Übersetzerin der Prosawerke und Theaterstücke ins Polnische, Sława Lisiecka, kundig und sensibel äußerte. Zu den Attraktionen dieser Kultur-Woche gehörten zudem das 2008 entstandene Drama Rechnitz (Der Würgeengel) von Elfriede Jelinek in der Inszenierung des Theaters TR Warszawa sowie ein Auftritt von Liquid Loft, der preisgekrönten, 2005 von Chris Haring gegründeten Performance-Compagnie aus Wien. Sie erprobt mannigfaltige Bereiche kultureller Ausdrucksformen – und ästhetischer Theorien –, bewegt sich zwischen allen Gattungen von bildender Kunst, musikalischem Theater, Ballett sowie Modern Dance und erschließt sich immer wieder neue choreographische Handlungsfelder.

 

Erinnerung an eine dunkle Zeit Am 8. Dezember wurde im Danziger St. Johannes-Zentrum das Musical Kolęda Nocka (sinngemäß etwa zu übersetzen als  „Bettkantenweihnachtslied“) aufgeführt. Damit wurden Erinnerungen an den Winter vor 39 Jahren wachgerufen, genauer: an die Verhängung des Kriegsrechts am 13. Dezember 1980; denn fünf Tage später, am 18. 12., hatte damals Kolęda Nocka am Musiktheater von Gdingen ihre Premiere erlebt. Das Libretto hatte Ernest Bryll verfasst, die Musik stammte von Wojciech Trzciński, und die Regie hatte Krzysztof Bukowski übernommen. Dieses Stück war noch als Huldigung an die Solidarność-Bewegung konzipiert worden, deshalb bildete die Uraufführung zugleich die Dernière, denn weitere Produktionen wurden von den kommunistischen Behörden verboten. Da die jüngere Geschichte in dieser Bühnenkomposition somit deutliche Spuren hinterlassen hat, wird das Werk bis heute mit jener Zeit assoziiert; zudem sind einzelne Songs – wie der „Psalm der Schlange Stehenden“ (Psalm stojących w kolejce) – jedem Polen mittleren Alters noch geläufig.

 

Grönland-Impressionen  Der dänische Fotograf Carsten Egevang ist von der Schönheit Grönlands fasziniert. Er bereist das Land seit zwei Jahrzehnten und hat mittlerweile entlegene Orte von berückender Schönheit entdeckt. Zudem beobachtet er die Tierwelt, insbesondere die arktischen Seevögel, und hält seine Eindrücke als Fotograf fest. Ergebnisse seiner dokumentarischen wie künstlerischen Bemühungen um die Bewahrung von Grönland und seiner bedrohten Natur konnten in einer Foto-Ausstellung betrachtet werden, die von der Galerie des Elbinger „Zentrums der europäischen Begegnungen Światowid“ bis zum 10. Dezember gezeigt worden ist.

 

Musikalischer Hochgenuss im Advent In der Vorweihnachtszeit hat sich seit einigen Jahren das vielbeachtete Danziger Festival der Alten Musik Actus Humanus fest etabliert. An verschiedenen Orten wie der Katharinenkirche, dem Altstädtischen Rathaus oder dem Artushof fanden die Konzerte diesmal vom 11. bis zum 15. Dezember statt und boten renommierten Solisten und Ensembles – von denen nur Paul McCreesh mit der von ihm gegründeten Gruppe Gabrieli Consort & Players, Dominique Visse und das Ensemble Clément Janequin oder die Cembalistin Lilianna Ewa Stawarz genannt seien – die Möglichkeit, den in Polen wie international erreichten hohen Stand der heutigen historisch informierten Aufführungs­praxis unter Beweis zu stellen. Dabei erklangen Kompositionen wie Bachs Französische Suiten oder Palestrinas Hodie Christus natus est, die allgemeiner bekannt sind, aber auch solche wie die Gambensonaten von Carl Friedrich Abel oder Johann Joseph Vilsmayrs Partiten für Solo-Violine (Artificiosus Concentus), die bislang vor allem das speziell an Alter Musik interessierte Publikum ansprechen dürften.

 

Weihnachten „verarbeiten“ Was geschieht, wenn wir uns den Kopf über die Organisation des Weihnachtsfestes oder über die langen Listen mit „Geschenk-Ideen“ zerbrechen; wie kann das menschliche Gehirn die Fülle von Informationen und Reizen verarbeiten, die in dieser Zeit auf uns einströmen – von aufdringlichen Weihnachtsliedern, die überall präsent sind, über die Flut von günstigen Sonderangeboten bis zum angespannten Warten vor den Ladenkassen? Antworten auf diese Fragen erhielten alle, die am 18. Dezember im Danziger Hevelianum dem Vortrag „Eine Neuro-Weihnachtsgeschichte“ des bekannten Neuro-Wissenschaftlers Dr. Wojciech Glac beiwohnten.

❧ Joanna Szkolnicka

 

 

Kompass (Adobe Stock) Danzig (Adobe Stock)
Galerie (Adobe Stock) Historisierende Collage (Adobe Stock)
Wahlprognosen und Stimmzettel (Adobe Stock) Kopernikusdenkmal in Thorn (Adobe Stock)