Notizen aus … (1/2019)

 

… aus der Dreistadt

Größtes Plug-in Hybridschiff der Welt Die Color Hybrid, die im Auftrag der norwegischen Ulstein Verft AS seit dem Juli 2017 in Gdingen gebaut worden ist, hat die dortige Crist-Werft verlassen, wird nach Norwegen geschleppt und dort von Ulstein fertiggestellt. Sie hat eine Länge von 160, eine Breite von 27 und einen Tiefgang von 6 Metern. Bei einer hundertköpfigen Besatzung kann sie 2.000 Passagiere an Bord nehmen und 500 Fahrzeuge transportieren. Es ist die bislang größte mit diesem ökologisch optimierten Antrieb ausgestattete Autofähre der Welt und wird von der Reederei Color Line in Dienst gestellt. Das Schiff soll zur Herbstsaison 2019 verfügbar sein und wird auf der Strecke zwischen Sandefjord in Norwegen und dem schwedischen Ström­stad eingesetzt. Es wird auf der Fahrt fjordeinwärts bis zum Fähranleger Sandefjord und fjordauswärts komplett batteriebetrieben laufen. Deshalb gibt das Schiff keine Emissionen schädlicher Umweltgase an die Luft ab und der Lärm wird beträchtlich reduziert. Schon in 100 m Entfernung zum Schiff entspricht der Geräuschpegel demjenigen eines normalen Gesprächs zwischen zwei Menschen.

 

Piraterie in West-Afrika Elf Seeleute, unter ihnen acht polnische, die allesamt aus der Dreistadt stammen, sind von Piraten entführt worden. Die Pomerania Sky, ein Containerschiff mit dem Heimathafen Gdingen, befand sich während des Überfalls etwa 60 Seemeilen westlich der nigerianischen Küste. Als die bewaffneten Piraten, die mit zwei Motorbooten gekommen waren, das Schiff enterten, konnte der Kapitän noch einen Notruf absetzen. Die Behörden haben inzwischen Verhandlungen über die Höhe des Lösegelds aufgenommen.

 

Ausgesperrt Die Einwohner von Neufahrwasser bemühen sich um einen unmittelbaren Zugang nach Weichselmünde sowie auf die Westerplatte. Vor zwei Jahren war der lange erwartete Tunnel unter der Mottlau zwischen dem Zentrum von Danzig und den östlich gelegenen Gebieten eröffnet worden. Dadurch konnte eine wesentliche Verkürzung des Weges z. B. zwischen Langfuhr und Heubude erreicht werden. Auch der Schwerlastverkehr zum Nordhafen (Port Północny) läuft seitdem erheblich einfacher und glatter. Fußgänger und Radfahrer aber dürfen den Tunnel – sehr zum Leidwesen der Bewohner von Neufahrwasser – nicht benutzen. Die Behörden wollen sich nun bemühen, dieses Problem zu lösen, und denken deshalb darüber nach, die bis zur Eröffnung des Tunnels zwischen Neufahrwasser und Weichselmünde verkehrende Autofähre für Fußgänger und Radfahrer wieder einzurichten. Das außer Dienst gestellte Schiff war zu dieser Zeit aber schon derart in die Jahre gekommen, dass es schwerlich noch reaktiviert werden kann.

 

Mangelhaft Zum Ende des Jahres hat die Wasserschutzpolizei gemeinsam mit den Rettungsdiensten neuerlich auf erhebliche Mängel ihrer Ausrüstung hingewiesen. Es fehlen z. B. schnelle Motorboote, Wasser-­Scooter, Anhänger zum Transport von Wasserfahrzeugen oder Unterwasser-Suchgeräte. Die Dringlichkeit einer deutlichen Verbesserung zeigt sich darin, dass in diesem Jahr allein im Bereich der Woiwodschaft Pomorze 42 Personen – und damit 14 mehr als im Vorjahr – bei Wasserunfällen ums Leben gekommen sind.

 

Wiederwahl Paweł Adamowicz wird Danzig auch in den kommenden fünf Jahre regieren. Nachdem Jarosław Wałęsa, ein Sohn des früheren Solidarność-Führers Lech Wałęsa, nach dem ersten Wahlgang seine Kandidatur zurückgezogen hatte, war diese Entscheidung kaum noch überraschend, weil sich danach nun alle Anti-PiS-Kräfte hinter den Stadtpräsidenten gestellt hatten. Trotz der zuvor sehr heftigen Kritik der Opposition, dass Adamowicz in gigantomanische Projekte investiere und die sozialen Belange der Bürger aus dem Blick verliere, errang  Adamowicz im zweiten Wahlgang 56,8 % der Stimmen und schlug seinen Konkurrenten Kacper Płażyński damit eindeutig aus dem Felde.

 

Hohe Auszeichnung Basil Kerski, der Direktor des Europäischen Solidarność-Zentrums, erhielt den diesjährigen polnischen Sergio-­Vieira-de-Mello-Preis. Damit werden Einzelpersonen und Organisationen ausgezeichnet, die sich für ein friedliches Zusammenleben und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Gesellschaften, Religionen und Kulturen einsetzen. In der internationalen Jury arbeiten neben polnischen Stiftungen und Institutionen auch die Botschafter Schwedens und Brasiliens sowie ein Vertreter des UN-Hochkommissars für Flüchtlingsfragen mit. Bei der feierlichen Übergabe dieser höchst renommierten Auszeichnung wies Basil Kerski darauf hin, dass ihm als Sohn eines Irakers das Schicksal von Sérgio Vieira de Mello, der 2003 bei einem Bombenattentat in Bagdad umgekommen ist, stets in besonderem Maße nahe gegangen sei.

 

Erinnerungsort   Vor dem Eingang des Shakespeare-Theaters – und somit unweit des Ortes, an dem früher die Große Synagoge gestanden hatte – ist ein von Michał Wysocki geschaffenes Modell des Gebäudes aufgestellt worden. Die am 15. September 1887 eingeweihte Synagoge hatte mehr als 2.000 Gläubigen Platz geboten. Da die Entrechtung durch die Nationalsozialisten schon während der Freistaat-Zeit erhebliche Ausmaße angenommen hatte, entschlossen sich die meisten Gemeindeglieder 1938 zur Auswanderung. Im April 1939 wurde die Synagoge von der Stadtverwaltung dann zum Abbruch freigegeben. Den Großteil des Kulturgutes konnte die Gemeinde zuvor allerdings retten und nach New York verschiffen.

­ Peter Neumann

 

 

… Elbing

 

„Kaplane seiner Heiligkeit“ Papst Franziskus hat zwei Priester der Diözese Elbing ausgezeichnet: Marek Mierzwa, der als Pfarrer in Pasewark (Jantar) wirkt, und Priester Stanisław Gadzina, Pfarrer in Pestlin (Postolin), Kr. Stuhm, erhielten den Titel eines „Kaplans Seiner Heiligkeit in Polen”. Diese Entscheidungen wurden in Pasewark vom gegenwärtigen Bischof Dr. Jacek Jezierski und in Pestlin vom ehemaligen Bischof Jan Styrna kundgetan. Der Titel eines Ehrenkaplans Seiner Heiligkeit – der in Polen umgangssprachlich „päpstliche Prälatur” genannt wird – ist die einzige Ehrung, die der Papst Priestern verleiht. Erhalten können ihn Geistliche, die bereits 65 Jahre alt sind und besondere pastorale Aufgaben übernehmen sollen.

Schadensbegrenzung Fische im Gesamtgewicht von 300 kg sind in die Weeske, einen kleinen Fluss in der Nähe des Drausensees, ausgesetzt worden. Dadurch versuchen die Angler, den Auswirkungen der Katastrophe vom Mai 2014 entgegenzuwirken. Damals waren giftige Flüssigkeiten in den See gelangt (die Verursacher wurden bis heute nicht ermittelt), und danach sind mehr als 16 t an toten Fischen geborgen worden. Um diese Verluste allmählich auszugleichen, wurden jetzt jeweils zu gleichen Mengen etwa zwei Jahre alte Rotaugen, Barsche und Schleie freigesetzt.

Lech Słodownik

 

Stadtrat Nach den Kommunalwahlen hat sich ergeben, dass die PiS und die aus mehreren Oppositionsparteien gebildete Bürgerkoalition jeweils neun Mandate auf sich vereinigen konnten. Zu diesem Ergebnis hat nicht zuletzt ein Zufallsverfahren beigetragen. Nachdem in einem der Wahlkreise zwei Kandidaten exakt die gleiche Stimmenanzahl erhielten, musste durch ein Los entschieden werden. Als Fortuna dabei den Kandidaten der Koalition begünstigte, erhob die PiS zwar eine Beschwerde wegen vermuteter Regelwidrigkeiten; sie wurde aber gerichtlich abgewiesen.  – Die ersten Sitzungen des neugewählten Stadtrates haben inzwischen bereits stattgefunden. Eines der Probleme, die einer baldigen Klärung harren, hängt mit dem sich ankündigenden Winter zusammen: Der Eigentümer der Skilift-Anlage auf dem Thumberg (Góra Chrobrego) will bzw. kann schon seit längerem die Unterhaltskosten nicht mehr aufbringen und möchte deshalb die Infrastruktur an die Stadt verkaufen. Der frühere Stadtrat hatte sich auf diesen Vorschlag allerdings nicht eingelassen und die Übernahme abgelehnt.

Anakonda 18 Soldaten der Multinationalen Division Nord-Ost, deren Sitz sich in Elbing befindet, beteiligten sich vom 7. November bis zum 6. Dezember an den Militärübungen Anakonda 18, bei denen in umfangreicher Weise die Einsatzbereitschaft der Armee geprüft worden ist. In diesem Zusammenhang weilte Anfang Dezember auch eine Vielzahl von ranghohen Offizieren der NATO-Kommandobehörde LANDCOM in der Stadt. In ganz Polen wurden bei den Manövern insgesamt etwa 12.500 Soldaten eingesetzt, und zwar neben Elbing auch in Stettin, Bromberg, Posen und Krakau.

Zukunftsfähig Nach einer Sanierungs- und Modernisierungsphase von beinahe zwei Jahren eröffnete das Archäologisch-Historische Museum am 8. November das sogenannte Gymnasiumsgebäude und den südlichen Flügel der Vorburg, der nun zum ersten Male in der Geschichte des Hauses für Besucher zugänglich ist. Im Gymnasiumsgebäude sind zwei neu konzipierte Ausstellungen zu besuchen, die einesteils das Siedlungswesen im Weichselwerder unter besonderer Berücksichtigung der dortigen Wohnkultur (Vorlaubenhaus) sowie andernteils das Elbinger Gewerbe im Laufe der Jahrhunderte thematisieren. Im südlichen Flügel wurde hingegen eine völlig neue Ausstellung zu den archäologischen Ausgrabungen in der Elbinger Altstadt eröffnet (vgl. S. 22). Für diejenigen, die sich für Volkskunde, Geschichte und Archäologie vielleicht nicht unmittelbar interessieren, könnten sich beim Museumsbesuch durch eine Reihe von modernsten Medienangeboten animieren lassen. Hierzu gehören vor allem zwei Installationen einer „Virtual Reality“. Die erste lädt dazu ein, mit einer in den Komnick-Werken hergestellten Limousine durch die Elbinger Altstadt der 1930er Jahre zu fahren, die zweite versetzt den Besucher in ein mythisch-mittelalterliches Schloss, in dem er spielerisch u. a. mit Artefakten aus den Museumssammlungen umgehen kann. Eine weitere Attraktion bildet ein „Escape Room“. Hier muss aus einer Simulation der Nachkriegsjahre, aus einer finsteren, durch kommunistische Propaganda und stalinistischen Terror gekennzeichneten Umgebung nach einem Ausweg gesucht werden.

Abend zur Elbinger „Rückwendung“ Bereits 35 Jahre sind vergangen, seitdem mit dem Wiederaufbau der Elbinger Altstadt begonnen wurde. Aus diesem Anlass fand in der „Galeria El“ am 28. November eine Fachtagung statt, die den Fragen jener „Retroversion“ gewidmet war. Diskutiert wurden beispielsweise das ursprüngliche Konzept, das auf die Errichtung von Plattenbauten hinzielte, die politische und gesellschaftliche Konstellation, die den Wiederaufbau letztlich bestimmte, sowie die grundlegende archäologische Erforschung der Altstadt. Der Einführungsvortrag wurde von Frau Prof. Maria Lubocka-Hoffmann gehalten, die als Denkmalkonservatorin der Woiwodschaft den Entwurf für den Wiederaufbau entwickelt hat. 

     Joanna Szkolnicka

 

 

… Marienburg

 

Gute Aussichten Der historische Marienburger Wasserturm, der auf dem ehemaligen Danziger Platz in unmittelbarer Nähe des Neuen Rathauses steht und lange Zeit ein Schattendasein geführt hat, soll im Rahmen eines EU-Projekts eine neue Funktion erhalten. Während die Außenfassade des Turmes unverändert bewahrt bleibt, wird über dem Hochbehälter des Turmes ein Panorama-Café mit einer Aussichtsplattform eingerichtet. Sie wird einen wunderbaren Rundblick über das Werderland ermöglichen. Im Inneren des Turmes wird zudem ein Aufzug eingebaut, der die Besucher bequem und rasch nach oben befördert. Diese ehrgeizigen Pläne sollen bereis bis zum Juni 2019 realisiert werden, so dass die Stadt ihren Bewohnern und Besuchern schon im nächsten Sommer eine weitere herausragende Attraktion bieten könnte. – Die beigefügten Fotos geben einen ersten Eindruck von den umfangreichen Instandsetzungsarbeiten und der baulichen Sicherung und Umgestaltung des Hochbehälters.

 

Gutes Zeugnis Seit etwa zehn Jahren ist die Heilsarmee in der Republik Polen tätig und erfreut sich dabei hoher Anerkennung. Nach Marienburg kam sie vor sechs Jahren und hat dort in den Räumlichkeiten der ehemaligen Musikschule in der Gerbergasse – in Nähe des Hauptpostamts – ihr Standquartier bezogen. Der Kommandant Krzysztof Steiner und seine Ehefrau Małgorzata haben sich für die Etablierung der Station in Marienburg besonders intensiv eingesetzt. Seit Beginn der Arbeit steht die Unterstützung von sozial schwachen Jugendlichen, die Hilfe bei Schularbeiten oder die Förderung von sozialen und sportlichen Aktivitäten im Mittelpunkt. Mit großer Begeisterung wurde auch ein im Jahre 2018 an der Ostsee durchgeführtes Ferienlager aufgenommen. – Der Generalsekretär der Heilsarmee, der Schweizer Hervé Cachelin, hat nun aktuell den Standort Marienburg inspiziert und war mit dem Prüfungsergebnis sehr zufrieden. Im Rahmen einer unmittelbar daran anschließenden Fachtagung sagte er allen vier Regionalkommandanten in der Republik Polen weiterhin sachliche und finanzielle Unterstützung zu.

 

Feuerwehrübung Die Kommandanturen des Kreises und der Woiwodschaft veranstalteten unter dem Titel „Der Willenberger Wald“ eine umfangreiche Übung. So wurden zehn Freiwillige Feuerwehren des Landkreises alarmiert und erhielten den Auftrag, Brände in einem bestimmten Waldgebiet zu bekämpfen. Einen Schwerpunkt der Übung bildete die möglichst schnelle Versorgung mit Löschwasser. Die Berufsfeuerwehr rückte zeitversetzt an und beurteilte die Leistungen der freiwilligen Einsatzkräfte. Darüber hinaus gab sie eine Lehrvorführung zum sachgerechten Fällen von brennenden Bäumen.

 

Gewichtheber Alljährlich prüft die zuständige Sanitätsstation das Gewicht von Schultaschen. In diesem Jahr wurden in Schulen des Landkreises (263) und der Stadt (277) insgesamt 540 Rücksäcke gewogen. Das vorgegebene Höchstgewicht wurde bei immerhin 70 Schülern überschritten; das Rekordergebnis erzielte ein Schüler mit 9,6 kg. Daraufhin wurden auch in diesem Jahr die Eltern dazu aufgefordert, die Schultaschen ihrer Kinder regelmäßiger zu überprüfen, weil viele Schüler immer wieder Lehrmaterialien mit sich herumgetragen haben, die im Unterricht am Tage der Überprüfung gar nicht benötigt wurden.

 

Ausgebremst Für das nächste halbe Jahr wird sich die Reisezeit des Pendolinos auf der Strecke von Danzig nach Warschau spürbar verlängern: Bis zum Juni 2019 müssen die Züge bei Riesenburg eine Baustelle passieren, bei der für die Gleise in beiden Fahrtrichtungen auf einer Länge von gut einem Kilometer nur Schrittgeschwindigkeit zugelassen ist. 

 Bodo Rückert

 

 

… Thorn

 

Holüber In der Marienburger Firma Techno-­Marine entsteht eine neue Fähre, die im kommenden Jahr die beiden Weichselufer zwischen Thorn und Bromberg bei Schulitz (Solec Kujawski) bzw. Scharnau (Czarnowo) – und damit zugleich die beiden Nationalstraßen 10 und 80 – miteinander verbinden wird. Sie hat eine Länge von 24 und eine Breite von 11 m; ihre Ladekapazität umfasst 15 PKW und 80 Passagiere; die Geschwindigkeit beträgt 13 km/h. Im Rahmen der Vorbereitungen für den Fährbetrieb werden auch die beidseitigen Zufahrtsstraßen ausgebaut. Die Einwohner der Gemeinde Groß Bösendorf können nun auf neue Arbeitsplätze im Schu­litzer Industriepark hoffen. Überdies wird die moderne Fähre als Attraktion gewiss auch den Tourismus beleben. Techno-­Marine hat einen Verkaufspreis von 5,9 Mio. Złoty vereinbart und gewährt für 24 Monate Garantie. Im Frühling des kommenden Jahres, rechtzeitig vor der Indienststellung des Schiffes, sollen die Straßenbau-Arbeiten abgeschlossen werden. Dafür erhält das Unternehmen Gotowski 12,8 Mio. Złoty.

 

Silvester ohne Feuerwerk Anfang Dezember teilte Stadtpräsident Michał Zaleski der Öffentlichkeit mit, dass am Silvesterabend 2018 das traditionelle Feuerwerk zum letzten Mal geboten würde. Diese Entscheidung resultiert aus zahlreichen Petitionen und Eingaben von Bürgern, darunter vor allem von Rentnern, Tierfreunden und Eltern von Kleinkindern. Für das kommende Jahr werden vielleicht alternative Möglichkeiten wie z. B. eine Lasershow entwickelt. Auch ein lautloses Feuerwerk wird in die Überlegungen mit einbezogen, es würde aber die Kosten verdoppeln. Viele Thorner hat diese Nachricht überrascht, denn im letzten Jahr hatte sich die Verwaltung noch ausdrücklich von einer Absage distanziert. Zudem war das Neujahr-Feuerwerk mit einer Dauer von vier bis fünf Minuten sowieso schon zu einer eher rein symbolischen Veranstaltung geschrumpft. – Von dieser Regelung sind Privatleute freilich nicht betroffen. Sie dürfen weiterhin nach Herzenslust ihr eigenes Feuerwerk abbrennen.Piotr Olecki

Piotr Olecki

 

 

… Bromberg

 

Am 17. November ging in der Opera Nova das 26.  Internationale Filmfestival Cameraimage zu Ende. Im Laufe der Jahre hat es sich weltweit zu einem höchst renommierten Festival entwickelt, denn es richtet sich vornehmlich auf die Arbeit von Kameramännern und Kamerafrauen. Eröffnet wurde es am 10. November von John Bailey, dem Präsidenten der Oskar-Academy. Zu den Teilnehmern gehörte auch der bekannte polnische Regisseur Roman Polański. Er hielt die Laudatio auf den polnischen Kameramann Witold Sobociński, der für sein Lebenswerk geehrt wurde. Ausgezeichnet wurden auch das Duo Jean-Jacques Annaud (Regie) und Jean-Marie Dreujou (Kamera) für den Film Der Name der Rose sowie die Filmeditorin Carol Littleton (E. T.). Den Hauptpreis – den Goldenen Frosch – gewann der koreanische Kameramann Ji Yong Kim für den Film The Fortress (unter der Regie von Dong-­Hyuk Hwang). Mit dem Silbernen Frosch wurde Łukasz Żal für die Fotos zum polnischen Film Kalter Krieg (Regie: Paweł Pawlikowski) geehrt; und der Bronzene Frosch ging an den Regisseur und Kameramann Alfonso Cuarón für seinen Film Roma. – Neben der Hauptveranstaltung gab es ein reiches Programm an Nachwuchs-Wettbewerben, Workshops, Diskussionsforen und Präsentationen.

Während des Festivals wurde im Zentrum für Moderne Kunst (das von der Stiftung ­Tumult getragen wird) eine Sonderausstellung eröffnet. Ihr Titel lautete: Die Malerei ist immer lebendig – Auf der Suche nach der Modernität. Sie vereinigt rund 200 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen der bekanntesten Künstler des 20. Jahrhunderts wie z. B. Georg Baselitz, Giorgio de Chirico, Lovis Corinth, Otto Dix, James Ensor, George Grosz, Anselm Kiefer, Oskar Kokoschka, René Magritte, Henri Matisse, Joan Miró, Piet Mondrian, Pablo Picasso oder Andy Warhol und kann noch bis zum 13. Januar besichtigt werden.

Erwähnenswert ist nicht zuletzt das diesjährige Festival-Plakat. Es wurde vom (1945 geborenen) Rafał Olbiński entworfen, der seit seiner Emigration in die USA (1981) bereits mit einer Vielzahl von Kunst-Preisen ausgezeichnet wurde und international in den wichtigsten Museen und Galerien vertreten ist.

Piotr Olecki

 

 

… Schneidemühl

 

Gedenken An der Fassade des ehemaligen Kaiserlichen Postamtsgebäudes am Wilhelmsplatz (heute Aleja Piastow) wurde eine Gedenktafel mit folgender Inschrift angebracht:

Unweit dieser Stelle hat früher die Synagoge der Schneidemühler jüdischen Gemeinde gestanden. Die Synagoge befand sich in der Mitte des alten Jüdischen Marktes. Das Gebetshaus wurde am 15. Oktober 1841 von dem Berliner Rabbiner Salomon Plessner eingeweiht. Das aus Stein gebaute dreistöckige Gebäude wurde auf einem rechteckigen Grundriss errichtet. Der Entwurf war von Werken Karl Friedrich Schinkels inspiriert und sah auf der Frontseite drei charakteristische Fensterreihen vor. Die Synagoge wurde durch die Nationalsozialisten während der Kristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 niedergebrannt. – Schneidemühl, den 8. November 2018.

Die Gedenktafel wurde von der Stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des Zentralrats der jüdischen Gemeinden in Polen, Alicja Kobus, zusammen mit dem Stadtpräsidenten Piotr Głowski und Maria Bochan, der Vorsitzenden der Gesellschaft der Freunde der Stadt Piła (GFSP), enthüllt. Zu den Teilnehmern an der feierlichen Zeremonie gehörten der Vertreter des Landrates, Przemysław Pochylski, Vertreter der jüdischen Gemeinde, eine Reihe engagierter Künstler, Mitglieder des Vorstandes der GFSP sowie Lehrerinnen, Lehrer und Schüler der weiterführenden Gesamtschule Nr. 2. Der Entwurf für die Gedenktafel sowie das Modell der Synagoge im Maßstab 1 : 400 wurden von dem Bildhauer Marek Kwasigroch geschaffen; gestiftet wurden sie von Paweł Ładziński, dem Inhaber der lokalen Werbeagentur OPUS Design, und die Idee, in dieser Weise an den 80. Jahrestag der Pogromnacht zu erinnern, stammte von Artur Łazowy, dem Vorstand der Gesellschaft zur Bildung von Sozialinitiativen (EFFATA).

Die Teilnehmer besuchten nach der Gedenkfeier den ehemaligen jüdischen Friedhof Kirkut aus dem 17. Jahrhundert, der während des Zweiten Weltkrieges von den Nationalsozialisten verwüstet worden war. Nach Ansprachen, einem stillen Kadish-Gebet und einer Gedenkminute wurden Kerzen angezündet. Danach lud Schuldirektor Josef Felcyn zu einem Jugendtreffen und einer Fotoausstellung ein, die der „Geschichte der Juden in Schneidemühl“ gewidmet war. Neben einführenden Schriften erhielten die Schüler bei einem Workshop von Prof. Artur Eldar und Menachem Chabas zahlreiche wertvolle Informationen über die jüdische Kultur.

Andrzej Niśkiewicz

Übersetzung aus dem Polnischen: P. Klockiewicz

 

 

 

Kompass (Adobe Stock) Danzig (Adobe Stock)
Galerie (Adobe Stock) Historisierende Collage (Adobe Stock)
Wahlprognosen und Stimmzettel (Adobe Stock) Kopernikusdenkmal in Thorn (Adobe Stock)